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Sendemast für 5G

Anonyme Briefe sollten Nachbarn anschwärzen

Bundesnetzagentur verzeichnet Sendeanlage in Weilheim, die es gar nicht gibt

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Mit anonymen Briefen macht ein Weilheimer Bürger dieser Tage mobil gegen Mobilfunkantennen, die angeblich aus dem Anwesen Obere Stadt 74 (der einstigen Spedition Waldas) senden. Völlig unbegründet, wie sich jetzt zeigt.

Weilheim – „Wahrscheinlich sind diese Antennen unter dem Dach angebracht“, heißt es in dem Schreiben, das in der Nachbarschaft verteilt wurde. Und weiter: „Wenn dir deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen am Herzen liegt, solltest du etwas dagegen unternehmen! Um so näher du dran wohnst, um so tödlicher können die Auswirkungen sein.“ Vom umstrittenen Thema „5G“ ist in dem Brief selbst nicht die Rede. Außen wurde aber (zumindest auf dem Umschlag, der unserer Redaktion weitergegeben wurde) mit Leuchtmarker geschrieben: „Vorsicht 5G Sendemast“.

Unterzeichnet ist der Brief – „mit kameradschaftlichem Gruß“ – nicht mit Namen, sondern lediglich so: „Ein ebenfalls betroffener Nachbar in unmittelbarer Strahlungsnähe“. Beigelegt sind Ausdrucke aus der im Internet einsehbaren EMF-Datenbank (Elektromagnetische Felder) der Bundesnetzagentur, welche das genannte Anwesen tatsächlich als Standort dreier Sendeantennen ausweisen.

Auch Michael Waldas, der Eigentümer jenes Grundstücks in der Oberen Stadt, hat den anonymen Brief bekommen – und sich damit an unsere Zeitung gewandt. Denn es gebe bei ihm keine Mobilfunksender, beteuert der 65-Jährige: „Da ist nichts und war nichts.“ Sein Anwesen sei fälschlicherweise bei der Bundesnetzagentur als Standort verzeichnet, sagt Waldas.

Den Hintergrund erklärt er so: Nach einer Anfrage des Mobilfunkbetreibers habe er 2003 einen Vertrag mit der Telekom-Tochter „Deutsche Funkturm GmbH“ geschlossen, doch diesen wieder gekündigt, noch ehe Sendeantennen errichtet worden wären – weil es schon damals „so viel Ärger mit den Nachbarn“ gegeben habe, und auch wegen Problemen mit der Telekom. Folglich sei auch „kein Geld geflossen“, betont Waldas.

Der Mobilfunkbetreiber jedoch habe schon seinerzeit auch bei der Stadt Weilheim „eine Standortbescheinigung vorgelegt, dass sie dort Sendeantennen errichten dürfen“, sagt Manfred Stork, Leiter der Bauverwaltung im Rathaus, auf „Tagblatt“-Anfrage: „Wir müssen letztlich davon ausgehen, dass da eine ist.“

Aufklärung kam nun – wiederum auf Anfrage unserer Zeitung – von der Pressestelle der Bundesnetzagentur. Man habe aufgrund des Hinweises den Eintrag überprüft und in Erfahrung gebracht, dass für das besagte Grundstück in Weilheims Oberer Stadt keine Sendeantennen gemeldet seien, so die Antwort der in Bonn ansässigen Behörde. Der Funkanlagenstandort Obere Stadt 74 sei „vom Senderbetreiber nicht realisiert“ worden, der Eintrag in der EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur falsch gewesen. Diesen habe man nun gelöscht.

Michael Waldas ärgert sich derweil über das Vorgehen des anonymen Schreibers aus der Nachbarschaft. Es sei „nicht fair, jemanden an den Pranger zu stellen“, ohne überhaupt mit dem Beschuldigten gesprochen zu haben. „Der kann zu mir kommen, wir können miteinander reden und ich zeige ihm, dass da nichts ist“, so der 65-Jährige. Schlimm findet Waldas insbesondere, dass auch Druck auf die Ärzte ausgeübt worden sei, die seit vielen Jahren mit ihrer Hausarztpraxis im Erdgeschoss seines Gebäudes eingemietet sind. Insofern seien die Vorwürfe von Unbekannt auch „geschäftsschädigend“ – weshalb er überlege, juristisch dagegen vorzugehen.

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