Mit Schwung und Scheuer: Alexander Dobrindt (r.) mit seinem Nachfolger als Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, beim Spatenstich in Oberau.
+
Mit Schwung und Scheuer: Alexander Dobrindt (r.) mit seinem Nachfolger als Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, beim Spatenstich in Oberau.

Bundestags-Kandidaten im Porträt: Alexander Dobrindt (CSU)

Der doppelte Dobrindt

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
    schließen

Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Alexander Dobrindt (CSU) aus Peißenberg.

Oberau – Alles locker aus dem Handgelenk. Schwungvoll, aber nicht zu hoch, flach in Richtung der Kameras. Politiker haben ihre ganz eigene Schaufeltechnik. Besonders die Verkehrsminister. Das lässt sich an diesem Vormittag in Oberau bestens beobachten. Da schaufelt der amtierende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) direkt neben seinem Vorgänger Alexander Dobrindt (auch CSU). Beide mit professioneller Spatenstich-Technik, die Unterschiede liegen im Detail. Der Scheuer Andi, wie sie ihn hier alle nennen, der borgt sich vor dem Spatenstich noch schnell eine Bauarbeiterjacke, weil das besser ausschaut auf dem Foto. Dobrindt hingegen wird seine bunten Wanderschuhe wahrscheinlich auch am Mittag noch anhaben, wenn er neben Markus Söder in München erklärt, wie das mit Afghanistan weitergehen soll.

Doch jetzt, in diesem Moment, ist er in Oberau. Und er möchte, das merkt man, seinen Triumph auskosten. Gerade ist er gemeinsam mit dem amtierenden Verkehrsminister durch den neuen Tunnel geradelt. Knapp drei Kilometer, ohne E-Bike. Dobrindt hat das Projekt in seinem Wahlkreis in seiner Zeit als Bundesverkehrsminister massiv vorangetrieben. Eine Viertelmilliarde Euro hat er in Berlin für den Tunnelbau losgeeist. Dobrindt durfte sich wie alle Kandidaten aussuchen, wo die Redaktion ihn bei der Arbeit begleitet. Er entschied sich für diesen Spatenstich. Ist das klug in Zeiten des Klimawandels?

Er lächelt, als er antwortet. Zeigt auf die B 2, die direkt an der Baustelle vorbeiführt. Auto an Auto, dazwischen jede Menge Lkw. Keine Lücke in der endlosen Blechlawine. An einem Vormittag unter der Woche. „Die Verkehrswende lässt sich nicht dadurch auslösen, dass man vorsätzlich gewaltige Staus verursacht“, sagt Dobrindt. Der Individualverkehr nehme weiter zu „und wir wollen Tourismusregion bleiben“, fügt er hinzu. Weil permanenter Stau „ökologischer und ökonomischer Irrsinn“ sei und „auch Elektroautos fahren und nicht fliegen werden“, brauche man Straßenbau. Vor allem Tunnels, „weil sie die ökologischste Form des Straßenbaus sind, das sagen sogar die Grünen“.

+++ Alle Infos zur Bundestagswahl, Bayern-Umfragen vor der Wahl und Ergebnisse am Wahltag finden Sie in unserem großen Überblicksartikel zur Bundestagswahl in Bayern. Alle Direktkandidaten und den genauen Zuschnitt des Wahlkreises Weilheim hier. +++

Wahlkampf in Pandemie-Zeiten: Dobrindts Team setzt auf das Internet

Da ist er, der Wahlkämpfer Dobrindt. Das mache ihm Spaß, sagt er. Es ist sein sechster Bundestagswahlkampf – vorher musste er kurz zählen, viele Jahre sind seit seinem ersten im Jahr 2002 vergangen. Aber dieser Wahlkampf, der sei anders als alle anderen. „Ich liebe die Auftritte in den vollen Bierzelten, die Gespräche mit den Menschen im Anschluss. Das gibt es heuer gar nicht“, sagt Dobrindt. Es ist in Pandemie-Zeiten schwieriger, mit dem Wähler in Kontakt zu kommen. Dobrindts Team setzt auf das Internet, auf Livestreams, Youtube, Facebook. Da plaudert Dobrindt in einem Youtube-Video fünf Minuten lang mit Uta Orawetz auf dem Weilheimer Wochenmarkt über den Weilheimer Wochenmarkt. 55 Leute haben sich den Kurzfilm angeschaut, zeigt der Zähler an.

Der Wahlkampf ist mühsam in diesem Tagen. Für Dobrindt, aber auch für die CSU. Der stellvertretende Garmischer Landrat, Michael Rapp, kann ein Lied davon singen. „Ich hab in Murnau Plakate aufgehängt“, sagt er. Immer wieder hätten ihn die Leute gefragt, warum die Union Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten gemacht hat und nicht Markus Söder. „Ich kann’s ihnen nicht erklären“, sagt Rapp. Auch CSU-Landtagsabgeordneter Harald Kühn reagiert wortkarg auf das Thema: „Ich hab die Entscheidung nicht getroffen.“

Diplomatisch beim Thema Laschet

Spricht man Dobrindt auf die Umfragewerte von Laschet und der Union an, schaltet er um. Aus dem Peißenberger Alex wird Alexander Dobrindt, der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. „Ich liefere Ihnen bestimmt keine Schlagzeile für die Seite 1“, sagt er. Am Ende eines langen Entscheidungsprozesses habe die Union entschieden, Laschet ins Rennen zu schicken. „Wir stehen zu dieser Entscheidung. Jetzt brauchen wir Mut und Mobilisierung.“ Das Rennen sei noch lange nicht vorbei, in den TV-Duellen müsse Laschet beweisen, dass er die Menschen für sich begeistern kann.

Im Verlauf des Gesprächs bekommt man den Eindruck, dass es irgendwie zwei verschiedene Dobrindts gibt. Den erfolgreichen Bundespolitiker aus Berlin, der durch die Weltgeschichte jettet und hochprofessionell Politikerdeutsch spricht. Und den Peißenberger Dobrindt, der einen ganz besonderen Test entwickelt hat, um zu schauen, wie die große Politik beim kleinen Bürger ankommt. Er geht’s samstags im Kaufland in Peißenberg einkaufen. Wenn er da so seinen Wagen durch die Regalreihen schiebt und die Leute klopfen ihm auf die Schulter und fragen ihn, „was machts ihr da für einen Quatsch in Berlin“, dann sei alles in Ordnung, sagt er. Wenn die Menschen aber Abstand halten und keiner mit ihm redet, „dann weiß ich, dass es ernst wird und wir umdenken müssen.“

GAP-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer GAP-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Garmisch-Partenkirchen – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare