Das rot markierte Areal im Baugebiet „Hardtfeld II“ verkauft die Stadt für 1,42 Millionen Euro.
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Das rot markierte Areal im Baugebiet „Hardtfeld II“ verkauft die Stadt für 1,42 Millionen Euro.

Stadt verkauft Grundstück

Neue Chance für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in Weilheim

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Raum für ein Gemeinschaftswohnprojekt am Ostrand von Weilheim: Die Stadt bietet ein knapp 1480 Quadratmeter großes Baugrundstück im Neubaugebiet „Hardtfeld II“ zum Verkauf an – speziell für Baugemeinschaften. Der Preis ist fix, den Zuschlag erhält das in sozialer und ökologischer Hinsicht „beste Konzept“.

Weilheim – Ob sich nun mehrere Familien als Bauherren zusammentun oder eine Genossenschaft zum Beispiel Mehrgenerationen-Wohnen verwirklichen will: Vieles ist denkbar auf diesem Grundstück, das die Stadt Weilheim im Rahmen des Umlegungsverfahrens für das Neubaugebiet „Hardtfeld II“ erhalten hat und nun verkauft. Nur eines soll auf keinen Fall passieren: Dass ein Investor das für ein Mehrfamilienhaus vorgesehene Areal zum Höchstpreis vermarktet – so wie es zurzeit an allen Ecken und Enden der Kreisstadt geschieht.

Deshalb veräußert die Stadt das 1478-Quadratmeter-Grundstück am Südostrand des Baugebiets per „Konzeptvergabeverfahren“, so der offizielle Begriff. Will heißen: Anders als bei einer Einfamilienhausfläche, welche die Stadt im selben Baugebiet schon vor drei Wochen zum Verkauf gestellt hat, wird dieses kommunale Grundstück nicht zum Höchstpreis, sondern im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens nach der Qualität des eingereichten Konzeptes verkauft – zum Fixpreis von 1,42 Millionen, was laut Stadtbauamt dem aktuellem Verkehrswert entspricht.

Bis zum 31. Juli können sich Baugemeinschaften dafür im Rathaus bewerben (Unterlagen und alle wichtigen Informationen finden sich unter www.weilheim.de). „Den Zuschlag erhält das beste Konzept“, erklärt Bürgermeister Markus Loth in einer Pressemitteilung. Dabei geht es um soziale, ökologische und städtebauliche Qualität. Kriterien sind unter anderem die Gemeinschaftsorientierung (zum Beispiel integrative Wohnformen oder Mehrgenerationen-Wohnen), die soziale Einbindung in das Umfeld und die Nutzungsvielfalt der geplanten Bebauung, etwa im Hinblick auf Gemeinschaftsbereiche, Spielflächen oder Barrierefreiheit. Und auch ökologische Kriterien zählen, von nachwachsenden Baustoffen über die Energieversorgung und Begrünung bis zum Mobilitätskonzept. Viele Anregungen dazu bietet die kürzlich verabschiedete „Weilheimer Charta für nachhaltigen Wohnungsbau“.

Eine Jury aus Fachleuten und Stadtratsmitgliedern wird bis Ende Oktober entscheiden, welche Baugemeinschaft das Grundstück erhält. Für die Bewerbung genüge eine Konzeptbeschreibung, betont Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer, dafür müssten noch keine konkreten Entwürfe oder gezeichneten Pläne eingereicht werden. „Wir sind gespannt, was da kommt“, sagt Roppelt – und ist sichtlich froh über diese Art des Vergabeverfahrens, die andernorts schon oft erfolgreich praktiziert wurde, für Weilheim aber ein Novum ist. Für die Kreisstadt sei es dringend geboten, „andere Bauformen auszuprobieren“ und so auch ein Exempel zu statuieren, konstatiert die Stadtbaumeisterin: Es sei wichtig, vor Ort „zu sehen, dass es so etwas gibt“.

Als gutes Beispiel für gemeinschaftliches Bauen, allerdings in weit größerer Dimension, nennt Roppelt das vom Greifenberger Architekturbüro „Beer Bembé Dellinger“ geplante „Quartier Garmisch“: ein preisgekröntes Projekt, das mit „unterschiedlich großen, anpassungsfähigen und koppelbaren Bausteinen“ etwa auch „Raumangebote für Großeltern, Kinder in Ausbildung, Home Office etc.“ macht, wie es im Konzept heißt.

Man wage in Weilheim nun mal so etwas „in klein“, sagte Roppelt-Sommer. Wobei der Hauptausschuss des Stadtrates mit Blick auf die klamme Stadtkasse entschieden hat, das besagte Grundstück im „Hardtfeld II“ nicht preisgünstiger abzugeben (was für das ein oder andere Konzept gewiss dienlich gewesen wäre), sondern exakt zum aktuellen Verkehrswert.

Dass man überhaupt ein Grundstück für ein Gemeinschaftsprojekt vorbehält, ist einer Initiative von Stadtratsmitglied Horst Martin (SPD) und dem inzwischen aus dem Gremium ausgeschiedenen Architekten Florian Lechner (BfW) zu verdanken. Sie brachten 2018 einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat ein – nach intensiven Gesprächen in der Arbeitsgruppe „Bezahlbarer Wohnraum“.

mr

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