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Babys über Babys: 441 Kinder kamen bis gestern im Schongauer Krankenhaus auf die Welt. An einem Tag lagen 15 auf der wegen der Schließung in Weilheim erweiterten Station.  

Chefärztin Dr. Solveig Groß und GmbH haben sich getrennt

Geburtshilfe im Krankenhaus Weilheim bleibt zu

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Die Hauptabteilung „Gynäkologie und Geburtshilfe“ am Weiheimer Krankenhaus bleibt auf unbestimmte Zeit zu. Chefärztin Dr. Solveig Groß und die Krankenhaus GmbH haben sich getrennt. Im Einvernehmen, wie es heißt. Die Geburtshilfe soll vorerst in Schongau konzentriert werden.

Weilheim – „Sicherheit und Qualität müssen oberstePriorität haben“: Das sagte Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus-GmbH, gestern Mittag bei einem Pressegespräch im Landratsamt. Wäre die Geburtshilfe in Weilheim wie vorgesehen zum 1. Januar 2018 nach dreimonatiger Schließung wieder eröffnet worden, hätten diese Kriterien für Mütter und Kinder aber nicht gewährleistet können.

Dafür führte er vor allem zwei Gründe ins Feld: Der erste war, dass die Krankenhaus GmbH und die Chefärztin der Hauptabteilung „Gynäkologie und Geburtshilfe“, Dr. Solveig Groß, ihre Zusammenarbeit nach gut einem Jahr zum Jahresende beenden. Die Trennung geschehe wegen „unterschiedlicher strategisch-medizinischer Ausrichtung der Krankenhaus GmbH und der Chefärztin“, so Lippmann. Laut Ärztlichem Direktor Dr. Andreas Knez hat in den letzten Monaten die Akzeptanz für das Weilheimer Modell der Geburtshilfe gefehlt, das durch die Person der Chefärztin vertreten wurde. Die Frauenärzte haben demnach immer weniger Frauen zum Entbinden nach Weilheim geschickt. Mehrere Versuche, durch Gespräche etwas an der Situation zu ändern, seien gescheitert, so Knez. Auch ein ambitionierter Workshop habe keine Lösung gebracht.

Bis zu der mit „Hebammenmangel“ begründeten Schließung am 1. Oktober kamen in Weilheim 190 Kinder auf die Welt. Lippmann schätzt, dass es im Vergleich zu 2016 insgesamt mehr als 100 weniger gewesen wären. Den Ärztinnen und Ärzten aus dem festen Team von Solveig Groß soll nun eine Stelle in Schongau angeboten werden. Als zweiten Grund für die Schließung nannte Lippmann, dass es zum 1. Januar nicht möglich gewesen sei, ein „stabiles, eingespieltes Hebammenteam“ für einen Dienst rund um die Uhr an 365 Tagen auf die Beine zu stellen. Auch mit den Hebammen, die zum 1. Januar in Weilheim anfangen wollten, werde nach einer Lösung gesucht einige sind schon wieder abgesprungen.

Alles, was von der Hauptabteilung in Weilheim vorerst bleibt, ist eine Gynäkologie im Belegarztsystem. Diese wird wie gewohnt weitergeführt. Alles, was darüber hinausgeht, spielt sich im Schongauer Krankenhaus ab – Geburten ebenso wie die Behandlung gynäkologischer Notfälle. Frauen müssen sich in diesen Fällen an die Notdienste wenden.

Das Krankenhaus Schongau wird 2018 zum Dreh- und Angelpunkt der Geburtshilfe im Landkreis. „Das Team der Geburtshilfe in Schongau hat in den vergangenen Wochen die erhöhte Geburtenzahl sicher bewältigt“, so Lippmann. Rund ein Drittel der Mütter, die dort seit dem 1. Oktober entbunden haben, stammten aus dem Raum Weilheim. Bis gestern kamen 441 Kinder auf die Welt.

Doch auch das Schongauer Geburtshilfe-Modell, ein Belegarzt-System, steht auf tönernen Füßen. 2018 soll es in eine Hauptabteilung umgewandelt werden, mit einem Chefarzt oder einer Chefärztin. Gefunden werden soll die Führungskraft in Reihen der Ärzte, die bereits mit der Krankenhaus-GmbH arbeiten. Erst wenn diese neue Abteilung gut laufe, könne auch in Weilheim wieder eine Geburtshilfe eingerichtet werden. Wann, sei offen.

Landrätin Andrea Jochner-Weiß sagte, dass sie alles daran setzen werde, dass es in Weilheim bald wieder eine Geburtshilfe gibt. Auch die Kreisgremien stünden voll dahinter. Jochner-Weiß betonte, dass die „vorübergehende Schließung der Weilheimer Geburtshilfe“ nicht aus finanziellen Gründen geschehe. Der Landkreis lasse sich die Geburtshilfe auch künftig was kosten.

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