In der Hochlandhalle musste das Jubiläumskonzert stattfinden, da die Stadthalle gesperrt ist.
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In der Hochlandhalle musste das Jubiläumskonzert stattfinden, da die Stadthalle gesperrt ist.

Zuhörer klatschten begeistert Beifall

Chor der Apostelkirche Weilheim: Jubiläumskonzert mit rauem Charme

100 Jahre Bestehen sind ein großes Datum, doch der Chor der Apostelkirche musste in die Hochlandhalle ausweichen, da die Stadthalle gesperrt ist. Doch der raue Charme hatte zwei Pluspunkte für das Jubiläumskonzert: Wie im antiken Theater platzierten sich die 37 Choristen gut sicht- und hörbar im ansteigenden Halbrund.

Weilheim – Bassist Jochen Kaiser oblag es, aus der vergnüglichen Chronik zu lesen, welche 1921 die ersten Proben im „Café Krönner“ verortet – bis die Verursacher der offenkundig anstrengenden Höhenlagen „im Interesse der Behaglichkeit“ des Hauses verwiesen wurden. Amüsant erschien der Zuspruch der ersten Sängergeneration zu Bier und Räucherwaren. Leider las Kaiser sehr leise, und leider wurden die Zeilen der Chronik kaum gestrafft. Großen Hörspaß bereitete indes, dass der Chor die schriftlich zitierten Gesänge sogleich in voller Präsenz anstimmte.

Mit den beinahe noch urtümlich-gregorianisch wirkenden „Zwei Seraphim“ aus der Lutherzeit erzielten die 37 Sänger sofort große Wirkung: elegante Intonation ohne Effekthascherei, berückend würdevoll und eindringlich. Sogleich war die im Programm leider en bloc ausgebreitete Grußwortstrecke vergessen. Die Positionierung der Sänger auf den Stufen der Hochlandhalle verstärkte die Wirkung; eine verteiltere Lichtführung hätte den Eindruck perfekt gemacht.

Präzise Mehrstimmigkeit wird deutlich

Sicher dirigiert von Gundula Kretschmar und zeitweise begleitet vom zehnköpfigen Orchester intonierte der Chor eine Reihe kurzer Motetten, und sogar die Vertonung des „Vaterunser“ von Goethe-Zeitgenosse Christian Rinck rührte an, weil just an der textlichen Schlichtheit die präzise Mehrstimmigkeit umso deutlicher wurde.

Im zweiten Programmteil traten die zehn Musiker stärker hervor. Angeführt von Konzertmeisterin Julia Linden entfaltete sich das gesamte Spektrum von zarten Höhen (Querflöte: Franziska Dahme-Kohler) bis hin zur samtigen Basso Continuo-Gruppe (mit Ingrid Sonn-Knee an der Truhenorgel). Etwas arg durchdringend klangen die Trompeten, doch lag dieses unverschuldete Manko an der seltsamen Akustik der Halle, welche die Streicher fast untergehen ließ.

Langer Applaus durch Zuhörer

Herrlich festlich entfalteten sich nun Auszüge aus barocken Konzerten und Kantaten unter Führung der Gesangs-Solisten. Händels „Caroline Te Deum“ bekam Größe durch die Stimmen von Bassist Jochen Kaiser und Tenor Thilo Himstedt sowie mit dem schimmernden Alt von Rebekka Bigelmayr. Den stärksten Eindruck machte Bachs „Jauchzet alle Gott“ aus BWV 51, worin Maja Stucky mit ihrer Solotrompete nach vorn trat und Sopranistin Susanne Winter mit ebenso schlanken wie auch kraftvollen Koloraturen mit der Trompete pari blieb. Die kurze Abschlusskantate von Telemann band neuerlich prominent den Chor ein – und nach dem langen Applaus der rund 100 Zuhörer in der Halle wäre es ein leichtes gewesen, wenigstens den letzten minutenkurzen Satz zu wiederholen, doch klang der Abend lediglich mit dem Beifall aus.

Im Grußwort der Stadt erinnerte Alfred Honisch als dritter Bürgermeister an die Macht des Gesangs, die der 2012 mit dem Kulturpreis ausgezeichnete Chor auch über die Grenzen Weilheims hinausträgt. „Gemeinschaft braucht Kultur, und viel zu lang mussten wir aufgrund der Pandemie auf Ihren Beitrag verzichten.“ Jede Unterstützung des Ensembles lohne sich, so Festrednerin Ursula Scharnitzky, da „der Chor die Stadt Weilheim im In- und Ausland in hervorragender Weise repräsentiert.“

VON ANDREAS BRETTING

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