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Mehr als 15 Künstler kamen zur Vernissage der Ausstellung „Christusbilder“ in das Weilheimer Stadtmuseum, um etwas über ihre Werke zu berichten, die dort im Juli zu sehen sind. 

„Christusbilder“ im Weilheimer Stadtmuseum

Alte Kunst trifft neue Kunst

In der Ausstellung „Christusbilder“ werden  bis zu 500 Jahre alte Christusdarstellungen  gezeigt. Im Stadtmuseum sind aber auch aktuelle Werke  von Künstlern aus der Region zu sehen.

Weilheim – Bei der Ausstellung „Christusbilder“ treten alte Kunst und neue Kunst im Stadtmuseum wieder in intensiven Kontakt. Entzündet durch den evangelischen Pfarrer Eberhard Hadem entbrannte Wolf Schindler für die Idee neuer „Christusbilder“ und befeuerte das „Weilheimer Kunstforum“ mit dem Tasten nach „Wegen des Nachdenkens und der Assoziationen“.

Seit Donnerstagabend besteht doppelter Anlass zum Schauen, denn zu eigens herausgeholten Depotschätzen gibt die zeitgenössische Kunst interessante Bezüge hinzu. Wachs aus ihrem „Boot der Hoffnung“ tropft Gisela Drescher zum Kopf des „geläuterten Menschen“, während Beate Oehmann die „Arma Christi“, die Folterwerkzeuge des Kreuzweges, zum Thema macht und in einer am Boden gebreiteten Papierarbeit zeigt. Eine Plastik des verstorbenen Ernst Wirtl interpretiert die Dornenkrone als Stacheldraht auf einem kopfförmigen Schwemmholz; das Werk fügt sich nahtlos zur alten Schnitzkunst.

Den kraftvollen Kontrast schafft das orangene Züngeln von Michael Kreuter. Der Pollinger Künstler verweist damit auf das „Feuer im Dornbusch“, worin er Gottes Liebe zur Darstellung bringen möchte. Mehr ins allgemein Spirituelle gehen der grün-gelb flirrende Druck von Frank Fischer und die fotografisch meisterlich eingefangenen Sonnenstahlen von Monika Propach; beide erspüren die göttlichen Kräfte aus dem Geist der Natur.

Im Erdgeschoss könnte ein Gemälde von Jos Huber passender nicht sein: Es ist zehn Jahre alt. Darauf zu sehen ist eine Kreuzweg-Situation durch Soldaten und Reporter. Viele Werke sind stark sublimiert und abstrahieren das Thema, etwa bei Andrea Kreipe oder bei der jetzt in Berlin lebenden Doris Marten. Andere Kunstforums-Mitglieder suchen eine Metapher: Aloisia Fischer zeigt das kreuzförmige Rahmenholz einer Leinwand, Wolf Schindler den „Kelch“, Konstanze von Websky das Wort „Liebe“. Schief und spiegelverkehrt scheinen die Buchstaben zu fragen, ob es liebende Botschaft noch gibt oder ob wir sie noch verstehen.

„Kunst und Kirche haben sich oft befruchtet, manchmal kamen die Künstler der Kirche in die Quere, aber so wie ich das Evangelium verstehe, hat zunächst einmal die Störung Vorrang“, sagte Ideengeber Eberhard Hadem. Stadtpfarrer Engelbert Birkle verwies auf das durch alle Jahrhunderte andauernde Ringen um die „vera icona“, das wahre Abbild, und auf die stete Frage, ob man dabei Christus als Mensch oder Christi Wirken „abbilden“ wolle.

Keck dreht die Künstlerin Renata Hirtl die Nächstenliebe um und liebt den Gekreuzigten zurück: Sie nimmt ihn vom Kruzifix ab und lässt ihm eine medizinische Erstversorgung zukommen. Daneben gibt es im Ausstellungsraum auch ernsthafte moderne Kreuzdarstellungen. Eine Erfahrung, für die man vor 150 Jahren noch kein Museum brauchte, denn „Christusbilder waren in Weilheims Straßen präsent.“ Allein schon beim Gang durchs Pöltner Tor begegnete man Bildern der Lebens- und Leidensstationen, wie Tobias Güthner anfügte. Der interessanteste Depotschatz ist nach Einschätzung von Dr. Güthner ein Andachtsbild mit einem Ausschnitt aus einem Gemälde aus der Stadtpfarrkirche und könnte einem Mönch im Kloster Ettal zur Andacht gedient haben. „Aber so viele Christusbilder wie wir sie jetzt hier haben, so eine Dichte gab es wohl noch nie“, meinte der Museumsleiter und verriet, dass er als kleine provokante Suchaufgabe im Haus auch irgendwo eine Luther-Darstellung versteckt habe.

Die Ausstellung

„Christusbilder“ ist bis Mittwoch, 5. Juli, und dann wieder von Dienstag, 11. Juli, bis Sonntag, 30. Juli, im Weilheimer Stadtmuseum zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Andreas Bretting

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