Daumen hoch für den neuen Vertrag: Die Beteiligten der Tarifverhandlung (v.l.) Betriebsratsvorsitzender Andreas Neugebauer, Geschäftsführer Ulrich Schwab und der erste Bevollmächtigte der IG Metall, Helmut Dinter, sind zufrieden.
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Daumen hoch für den neuen Vertrag: Die Beteiligten der Tarifverhandlung (v.l.) Betriebsratsvorsitzender Andreas Neugebauer, Geschäftsführer Ulrich Schwab und der erste Bevollmächtigte der IG Metall, Helmut Dinter, sind zufrieden.

Xylem Analytics hat neuen Haustarifvertrag

„CO2-Geräte gehen weg wie warme Brezen“ - Corona-Pandemie hat nicht nur negative Auswirkungen

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Das Unternehmen Xylem Analytics ist wie viele andere von der Corona-Pandemie betroffen – sowohl positiv als auch negativ. Trotzdem haben sich der Arbeitgeber und die Verhandlungskommission der IG Metall für Tarifverhandlungen getroffen. Das Ergebnis wurde kürzlich in Weilheim vorgestellt.

Weilheim – Drei Verhandlungstage waren nötig, um den Haustarifvertrag von Xylem Analytics zu aller Zufriedenheit zu verhandeln. „Insgesamt haben wir circa 20 Stunden verhandelt“, erklärte Helmut Dinter, der erster Bevollmächtigter der IG Metall Weilheim ist.

Zwar habe es bereits seit vielen Jahren einen Haustarifvertrag gegeben, der sich in vielen Punkten an den Flächentarifvertrag anlehnt. Doch einige Punkte wollten die Beteiligten besonders hervorheben und aufnehmen. Dazu zählt beispielsweise das Modell der Altersteilzeit.

Staffelung für Altersteilzeit, damit nicht alle gleichzeitig gehen

„Es wurde ein Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente für Weilheimer Beschäftigte vereinbart“, steht in dem Schreiben, das alle 380 Mitarbeiter am Xylem Analytics-Standort Weilheim bekommen haben. Die Altersteilzeit können Arbeitnehmer, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens acht Jahren im Betrieb tätig sind, in Anspruch nehmen. Mindestens 24 Monate und maximal fünf Jahre dauert das Modell für einen Mitarbeiter.

„Uns war wichtig, dass wir möglichst viele Leute gehen lassen wollen, aber eben nicht alle auf einmal“, sagte Andreas Neugebauer, der nicht nur Betriebsratsvorsitzender bei Xylem Analytics ist, sondern auch von den Mitgliedern der IG Metall in die Tarifkommission gewählt wurde. Damit eben nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig in Altersteilzeit gehen würden, gebe es eine Staffelung, die im Tarifvertrag geregelt ist. Im Jahr 2021 können bis zu zwei Prozent der Mitarbeiter in Altersteilzeit gehen, im Jahr 2022 drei Prozent und ab 2023 vier Prozent. Streiten müsse sich also keiner. Denn sollten mehrere Mitarbeiter die gleichen Kriterien erfüllen, gibt es andere Kriterien, die dann berücksichtig werden, erklärte Neugebauer.

Erhöhung der Grundgehälter mit Vertragslaufzeit von zwei Jahren

Bei 50 Prozent Arbeit bekommen die Angestellten, die das Modell nutzen, 50 Prozent ihres monatlichen Gehalts. „Das haben wir aber aufgestockt“, sagte Neugebauer. Bei der niedrigsten Lohngruppe seien es 40 Prozent, bei der höchsten 20. Dazwischen werde es prozentual angepasst. Auch die Rentenversicherungsbeiträge stockt Xylem Analytics auf 90 Prozent auf.

Nicht nur die älteren Arbeitnehmer können sich über den neuen Haustarifvertrag freuen: Es gibt für alle Mitarbeiter – auch für Auszubildende – eine Erhöhung der Grundgehälter mit einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren. Ab 1. Juli 2021 werden diese um drei Prozent erhöht, ab 1. Juli 2022 um ein weiteres Prozent. „Dieses eine Prozent hat uns ein wenig Bauchschmerzen bereitet“, sagte Helmut Dinter. „Wenn Corona bis dahin noch läuft, ist ein Prozent zu viel, wenn nicht, ist es zu wenig.“ Insgesamt sei es aber eine gute Sache, sagte Andreas Neugebauer. Und auch Xylem-Geschäftsführer Ulrich Schwab, der dem Termin virtuell zugeschaltet war, weil er an der Schulter operiert wurde, findet, dass es ein „tragbares Ergebnis“ ist.

Ein weiterer Punkt des neuen Vertrages geht auf Schwabs Konto: Er wollte seinen Mitarbeitern unbedingt das Rad-Leasing anbieten. „Viele Mitarbeiter kommen aus der Umgebung“, was ein Rad-Leasing für normale Fahrräder und auch E-Bikes durchaus rechtfertige. 30 Euro des Tarifentgeltes können dafür umgewandelt werden.

Dinter steht Rad-Leasing skeptisch gegenüber

Dinter hingegen steht diesem Angebot skeptisch gegenüber, weil für den Betrag keine Sozialabgaben bezahlt werden. Außerdem gelte bei dem Leasing-Betrag der sogenannte geldwerte Vorteil, was bedeutet, dass die Mitarbeiter ein Prozent versteuern müssen – „von Geld, das es jetzt zusätzlich gibt“, so der IG Metall-Bevollmächtigte. Geschäftsführer Schwab erklärt, er wollte es den Arbeitnehmern einfach ermöglichen. „Ob sie es nutzen oder nicht, ist ihnen frei überlassen.“

Zusätzlich zu den Gehaltserhöhungen gibt es zwei Brutto-Einmalzahlungen in Höhe von 350 Euro. Die erste wurde bereits in diesem Februar überwiesen. Die nächste folgt im Januar 2022. Auch hier gilt wieder: Alle Mitarbeiter bekommen diese Zahlung. Für Teilzeitbeschäftigte komme es zu einer anteiligen Ausschüttung.

Im Großen und Ganzen ist Helmut Dinter mit dem Haustarifvertrag zufrieden. „Unter den gegebenen Bedingungen ist es sehr gut.“ Auch den Umgang mit der örtlichen Geschäftsleitung, also Ulrich Schwab, hebt er als „sehr positiv“ hervor. „Es ist ein praktisches Beispiel dafür, wie man miteinander umgehen sollte“, so Dinter.

CO2-Geräte sind viel gefragter als sonst

Das Kompliment zurückgeben konnte auch Schwab: „Die Tarifkommission hat die Sorgen und Nöte, die ich habe, verstanden. Es wurde gemeinsam verhandelt und die Diskussion war kontrovers, konstruktiv und bodenständig.“ Das Feedback der Mitarbeiter zum neuen Vertrag sei sehr positiv, sagte Neugebauer, der laut eigener Aussage durch seine Funktion als Betriebsratsvorsitzender viel näher an ihnen dran ist.

Dem Unternehmen Xylem Analytics, das sich auf Technologien für das Wassermanagement weltweit spezialisiert hat, steht im Jahr 2021 noch die ein oder andere Herausforderung bevor. Nicht nur die Corona-Pandemie ist spürbar. Auch der geplante Umzug bei laufendem Betrieb im Sommer kommt dazu. Doch es gibt auch positive Nachrichten: Der Dezember sei ein recht erfolgreicher Monat für das Unternehmen gewesen, was die Auftragslage anging. Außerdem habe die Corona-Pandemie nicht nur negative Seiten für Xylem. „Unsere CO2-Messgeräte gehen weg wie warme Brezen“, sagte Geschäftsführer Schwab und lachte. Sehr viele Bestellungen würden eintrudeln. Wegen der guten Zusammenarbeit wird bald auch die IG Metall-Geschäftsstelle in Weilheim mit einem solchen Gerät, das normalerweise den CO2-Gehalt im Wasser misst, ausgestattet, versprach Schwab gegenüber Dinter.

Auch die Firma selbst hat in jedem Raum, in dem mehrere Angestellte arbeiten, solche Geräte installiert. „Wir haben bereits im März extrem viel für die Arbeitssicherheit getan“, erklärte Schwab. Denn bei Xylem gab es bereits positive Corona-Fälle – die sogenannten Ischgl-Fälle. „Es gab aber keine Ansteckung unter den Mitarbeitern“, betonte Geschäftsführer Schwab.

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