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Verkäuferin Manuela Wich (40) zeigt einen Wegwerfbecher (l.) und einen Mehrwegbecher für den „Coffee To Go“.

Umweltfreundliche Alternativen zum Pappbecher

„Coffee To Go“ per Mehrwegbecher: Wird in Weilheim angeboten - will aber keiner

Kaffee zum Mitnehmen ist beliebt, aber die Umweltbilanz ist schlecht. Bäckereien und Cafés  in Weilheim bieten Alternativen zu Pappbechern an, aber die Kunden ziehen  nicht so richtig mit. 

Weilheim – Im Café, der Bäckerei und sogar an der Tankstelle: In Weilheim gibt es viele Möglichkeiten, einen „Kaffee zum Mitnehmen“ zu bestellen. Gerade, wenn es schnell gehen muss, ist das praktisch – doch mit den Wegwerf-Bechern wird viel Müll produziert. Einige Anbieter haben sich deshalb umweltfreundliche Alternativen überlegt. Doch die Kunden ziehen so richtig mit.

Den ersten Kaffee umsonst gibt es beispielsweise in den Filialen der „Bäckerei und Konditorei Kasprowicz“. beim Kauf eines Mehrwegbechers „Wir haben uns vor etwa einem Jahr entschieden, einen wieder verwendbaren Becher anzubieten“, sagt Inhaber Fritz Kasprowicz. Die Nachfrage nach dem umweltfreundlichen Gefäß ließe allerdings zu wünschen übrig – viele Kunden würden trotzdem auf den Pappbecher mit Plastikdeckel zurückgreifen.

„Wir wissen um das Müllproblem. Mehr als anbieten können wir eine solche Lösung aber auch nicht“, so der Bäcker. Er hält den Kaffee zum Mitnehmen für eine Modeerscheinung: „Kaffee ist heute ja schon fast zum Grundnahrungsmittel geworden. Das ist mittlerweile einfach ein Teil des Geschäfts.“

Dass es sich beim „Coffee To Go“ um einen Trend handelt, bestätigt Michael Sendl, Inhaber des „Biomichl“. Etwa 2000 Becher gehen pro Jahr über die Theke des Bio-Bistros. Eine bestimmte Zielgruppe, die „zum Mitnehmen“ bestellt, lässt sich für ihn nicht ausmachen: „Einfach alle, die es eilig haben.“

Um dem daraus resultierenden Müllproblem entgegenzuwirken, hat er sich vor einem halben Jahr ebenfalls dazu entschlossen, eine umweltfreundliche Alternative anzubieten. Für einen Euro können Kunden isolierte Thermobecher ausleihen, die im Anschluss ungespült wieder zurückgebracht und auf Wunsch gegen ein sauberes Modell ausgetauscht werden. Doch auch dieses Mehrweg-Pfandsystem wird laut Sendl nur spärlich angenommen. Viele Kunden würden aus Bequemlichkeit den Einwegbecher bevorzugen. „Am besten wäre es, wenn es für die ganze Stadt ein einheitliches System geben würde“, meint er.

Florian Mangold, Inhaber des Weilheimer Cafés „Sonnendeck“, zeigt, dass es funktionieren kann, die Pappbecher komplett aus dem Geschäft zu verbannen. Seit etwa einem Jahr werden dort keine Einwegbecher mehr verkauft. „Jeder sagt: Ich habe ja nur den einen Becher – aber zusammen wird da unglaublich viel Müll produziert“. In Deutschland würden pro Stunde etwa 300 000 Becher verkauft, sagt er.

Kunden, die einen Kaffee mitnehmen wollen, können ihre eigenen Becher mitbringen oder Mehrwegbecher kaufen. Ab Februar plant Mangold zudem, mit dem Unternehmen „Recup“ zu kooperieren, das ein Mehrweg-Pfandsystem für „To Go“-Becher anbietet. Wie Mangold erklärt, seien die Kunden nur anfangs irritiert gewesen: „Mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt.“ Etwa 100 Gäste würden regelmäßig mit eigenen Behältern ins Café kommen, um sich ihren Latte Macchiato oder Cappuccino zum Mitnehmen einfüllen zu lassen – wenn es mal wieder schnell gehen muss.

Marion Neumann

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