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2G galt nie für Modegeschäfte: Ladenbesitzer fassungslos - „Fast schon Betrug“

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Von: Jennifer Battaglia

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Florian Lipp vom Kaufhaus Rid hatte bereits vor Weihnachten seine Türen wieder für alle geöffnet – unabhängig vom jeweiligen Impfstatus.
Florian Lipp vom Kaufhaus Rid hatte bereits vor Weihnachten seine Türen wieder für alle geöffnet – unabhängig vom jeweiligen Impfstatus. © Ruder

Modegeschäfte in Bayern fielen nie unter die 2G-Regel. Ladenbesitzer sind vor den Kopf gestoßen. Sie hatten in der Vorweihnachtszeit nur Geimpfte und Genesene in ihre Geschäfte gelassen.

Landkreis Weilheim Schongau – „Ich fühle mich richtig verarscht“, sagt Eva Maurer über die Tatsache, dass Bekleidungsgeschäfte in Bayern nie unter die 2G-Regelung fielen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (kurz: BayVHG) hatte am 29. Dezember einen Eilantrag gegen 2G in Modegeschäften als unzulässig abgelehnt mit der Begründung, dass Kleidergeschäfte sowieso nicht von der Regelung betroffen seien. „Bekleidung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, deren Bedeutung für die Allgemeinheit nicht hinter Schuhe, Bücher, Schnittblumen und Gartengeräte zurücktritt“, so der BayVGH.

2G-Regel nicht in Modegeschäften: „Fühle mich richtig verarscht“

Die 2G-Regelung im Einzelhandel war am 8. Dezember in Kraft getreten. Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, dürfen seitdem ausschließlich in Geschäften einkaufen, die zur Deckung des täglichen Bedarfs gehören. Dazu zählen beispielsweise Supermärkte, Buchläden, Gartencenter oder Schuhgeschäfte. Dass auch täglich ein Bedarf an Kleidung besteht, machte der BayVGH in seinem Beschluss deutlich.

2G in Modegeschäften: Weniger Kunden - weniger Umsatz

Eva Maurer, die das gleichnamige Modegeschäft in der Schongauer Altstadt betreibt, ist sprachlos. „Eigentlich ist es fast schon Betrug, was hier passiert ist.“ Wie viele andere auch musste die Schongauerin Umsatzeinbußen in der Vorweihnachtszeit hinnehmen, denn durch die 2G-Regelung waren weniger Kunden gekommen.

„Da habe ich im Dezember 2020 noch mehr eingenommen“, sagt sie. Das, obwohl damals ab Mitte des Monats ein bundesweiter Lockdown galt. Die Geschäftsfrau hält die Entscheidungen der Politik für nicht mehr nachvollziehbar. „Für mich ist das alles wilder Aktionismus und nicht ausgegoren.“

Wegen 2G: Umsatzeinbußen vor Weihnachten

Wie auch im vorherigen Winter, hat Maurer zu viel Ware in ihrem Laden. „Eigentlich kriegt man die Kleidung im Weihnachtsgeschäft gut los, aber dem war ja nicht so.“ Sie rechnet jedoch damit, dass sie die Kleidungsstücke auch im kommenden Winter verkaufen kann.

Andreas Huber, Inhaber von Huber Moden, ist sich nicht sicher, ob ohne Beschränkungen mehr Kunden in seine Filialen in Schongau, Landsberg und Dießen gekommen wären. „Natürlich haben wir 2G mitgemacht“, sagt er. „Wir waren einfach nur froh, nicht wieder schließen zu müssen.“

Dass in Modegeschäften jeder einkaufen darf, scheint nicht bei allen Kunden angekommen zu sein. „Vereinzelt wollen Geimpfte am Eingang noch immer ihren Ausweis vorzeigen“, so Huber. Der große Ansturm sei bisher aber ausgeblieben. „Wobei man schon vor der Einführung von 2G gemerkt hatte, das wesentlich mehr Menschen unterwegs waren.“

Im Kaufhaus Rid in Weilheim und Penzberg galt schon vor den Weihnachtsfeiertagen keine 2G-Regelung mehr. Unabhängig vom jeweiligen Impfstatus konnte hier shoppen wer wollte. Geschäftsführer Florian Lipp hatte einen Rechtsanwalt zu Rate gezogen, der zu dem Schluss kam, dass auch das Rid-Sortiment zum täglichen Bedarf gehört.

2G-Regel gilt nicht in Kaufhaus: „Wirklich nervig für die Kunden“

Ausschlaggebend dafür war ein Beschluss des BayVGH von Mitte Dezember. Darin wurde ein Antrag eines Spielzeughändlers gegen die 2G-Regelung mit einer ganz ähnlichen Begründung wie im Beschluss vergangener Woche abgelehnt. Was zum täglichen Bedarf gehört und was nicht, ist laut BayVGH also nicht abschließend geklärt, sondern es werden in der Infektionsschutzverordnung lediglich „Regelbeispiele“ aufgeführt.

„Es war ja schon fraglich, dass ein Christbaum, den ich einmal im Jahr kaufe, zum täglichen Bedarf zählen soll, ein Paar Socken, die man täglich braucht, aber nicht“, so Florian Lipp. Die Entscheidung, sein Kaufhaus wieder allen zugänglich zu machen, teilte er dem Landratsamt mit. „Dort waren sie zwar anderer Meinung, aber wie sich herausstellte, lag ich richtig.“ Die vorherige Durchführung von 2G empfand Lipp als „wirklich nervig für die Kunden“.

Nach seinen Worten halten sich alle im Kaufhaus, sowohl Kunden als auch Mitarbeiter, penibel an die Hygienemaßnahmen. Um die Infektionsgefahr zu minimieren, wurden zudem Luftreinigungsgeräte und Plexiglasscheiben angebracht. „Seit es Corona gibt, ist mir nicht bekannt, dass sich in irgend einem unserer Kaufhäuser jemand infiziert hat“, so Lipp.

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