Wäschereien wie „Sauberland“ in Weilheim müssen öffnen, weil sie als systemrelevant gelten.
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Wäschereien wie „Sauberland“ in Weilheim müssen öffnen, weil sie als systemrelevant gelten.

Geöffnet weil „systemrelevant“

Todesanzeige als Hilferuf: Reinigungsfirma aus Bayern zeigt eklatante Lage auf - deutliche Botschaft an Politik

  • Franziska Florian
    VonFranziska Florian
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Es ist ein Hilferuf in Form einer Todesanzeige. Das Unternehmen „Sauberland“ Textilreinigung gilt als systemrelevant und muss öffnen. Doch es gibt wenig zu Reinigen.

Landkreis – „Nach langer Krankheit (Lockdown) nach 49 Jahren geschlossen. Bis dahin war der Patient kerngesund“, steht neben einem großen Kreuz. Darunter die momentanen Öffnungszeiten der Sauberland-Reinigung. Es ist ein Hilfeschrei von Martin Graf.

Der Inhaber der Betriebe in Weilheim und Murnau weiß nicht weiter. „Viele meinen, wir haben zu.“ Dabei sind seine Textilreinigungen in Weilheim und Murnau geöffnet. Nicht, weil er das unbedingt möchte, sondern weil er muss. Wäschereien gelten im derzeitgen Lockdown als systemrelevant. Doch Kunden haben sie kaum.

Corona: Reinigungen „systemrelevant“ - doch niemand will etwas reinigen lassen

„Wenn keine Firmungen, Geburtstage oder Hochzeiten gefeiert werden, muss auch niemand etwas reinigen lassen“, erklärt Graf. Doch schließen würde er auch nicht wollen. Immerhin habe er Angestellte, die das wenige Geld, das sie derzeit verdienen, brauchen würden.

Mit dieser Anzeige machte die Martin Graf kürzlich in der Heimatzeitung auf seine Lage aufmerksam.

Im Jahr 2020 habe er rund 30 Prozent weniger Teile zur Reinigung in seinem Geschäft gehabt als im Jahr 2019. Vor allem im September und Oktober habe er zu spüren bekommen, dass Feste ausgefallen sind. „Sonst sind alle gekommen und haben nach der Wiesn ihre Dirndl gebracht. Das fiel komplett weg“, erklärt Graf.

Corona: Bayerische Reinigung zeigt schlimme Lage der Branche auf - Botschaft ist deutlich

Auch das Homeoffice sei für ihn schlecht. Pro Monat habe er zu normalen Zeiten rund 3500 Hemden zum Waschen und Bügeln da, seit dem ersten Lockdown im Frühjahr sind es „um die 1500 Stück – wenn es gut läuft“. Aktuell aber sind es weniger. Wie viel genau, kann Graf nicht beziffern.

Ohne die Corona-Pandemie habe er jeden Tag 1200 bis 1300 Kleidungsstücke gereinigt. „Jetzt reinigen wir nur noch zwei Mal pro Woche.“ Das Hauptgeschäft bestand in den vergangenen Jahren aus Brautkleidern. „Da hatten wir teilweise so viel, dass ich nicht wusste wohin damit“, sagt Graf. Jetzt hat er so gut wie keins mehr. Seine Öffnungszeiten hat Graf der aktuellen Lage angepasst. Unter der Woche sei nur noch bis 16 Uhr geöffnet, am Samstag bis 13 Uhr. Die Problematik der Reinigungen zieht sich durch viele Landkreise Oberbayerns.

Homeoffice als Todesstoß: Kaum was zu tun für die Reinigungen während Corona-Lokdown

Ähnlich geht es auch Sevinc Kayir. Die Inhaberin der „Blütenweiß“-Wäscherei in Penzberg hat ihre Öffnungszeiten ebenfalls angepasst. „Das Hauptgeschäft – die Wäsche aus Hotels und der Gastronomie – ist weggebrochen“, sagt Kayir. Es sei ein Rattenschwanz, den der Lockdown mit sich zieht. Kayir arbeitet mit der Sauberland-Reinigung von Graf. Er übernehme sonst die chemische Reinigung für sie. „Sonst ist er mit zwei, drei großen Säcken bei mir raus gegangen, jetzt mit einem halben.“

„Man merkt es schon deutlich“, sagt auch Marianne Franke von der Wäscherei „Dufte“ in Penzberg. Es komme noch ein bisschen Wäsche von Privatpersonen, aber es sei allgemein nur ein Fünftel von dem, was es vor der Corona-Pandemie und den beiden Lockdowns war.

Corona: Schwierige Lage für Reinigungen - Öffnungszeiten deutlich zurückgeschraubt

Zu Anita Öttl nach Schongau kommen derzeit hauptsächlich Stammkunden mit ihrer Mangelwäsche. Hemden sind es wegen des Homeoffices kaum mehr. Deshalb hat Öttl die Öffnungszeiten ihrer „Bügel- und Mangelstube“ drastisch zurückgeschraubt: Nur montags und freitags hat sie geöffnet. Oder wenn Bedarf da ist. „Es wird aber bestimmt wieder besser“, gibt sich Öttl zuversichtlich.

In der Produktionsstätte der Bäckerei Kasprowicz in Pähl sind kürzlich 16 Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt. Es stellte sich heraus, dass es sich bei zwei Erkrankten um eine Mutation handelt. Alle Informationen zum Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie immer in unserem News-Ticker.

(Von Franziska Florian)

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