Was gilt denn jetzt? Nicht nur Kunden verzweifeln an den ständig wechselnden Regelungen, auch Geschäftleute wie Eva Maurer vom gleichnamigen Modegeschäft in Schongau.
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Was gilt denn jetzt? Nicht nur Kunden verzweifeln an den ständig wechselnden Regelungen, auch Geschäftleute wie Eva Maurer vom gleichnamigen Modegeschäft in Schongau.

Hin und Her bei Corona-Regeln

„Das ist irre“: Lockerungen verwirren Einzelhändler und Kunden - Landrätin verzweifelt

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Gestern noch „Click & Collect“, heute schon „Click & Meet“: Wie lange? Wer weiß das schon. Ständig neue Vorschriften machen Händlern und Kunden das Leben schwer. Und bringen auch die Landrätin zum Verzweifeln.

Landkreis – Es ist Tradition: Zum Osterfest suchen Kinder Eier und Süßigkeiten. Heuer aber gingen auch viele Erwachsene auf die Suche: Nicht auf der Wiese, sondern im Internet. Die drängende Frage: Wie geht’s weiter? Die Sieben-Tage-Inzidenz war im Landkreis Weilheim-Schongau am Montag den vierten Tag in Folge unter 100. Damit winkten unter anderem für den Einzelhandel Lockerungen. Nur: Wann eigentlich?

Corona-Lockerungen im Landkreis Weilheim-Schongau: „Click & Meet“ oder „Click & Collect?“ - „Verwirrung war groß“

„Die Verwirrung war groß“, sagt Eva Maurer, die in Schongau ein Bekleidungsgeschäft betreibt. Sie und andere Geschäftsleute tauschten sich am Montag per WhatsApp aus, diskutierten, ob „Click & Meet“ – also Shoppen mit Termin – bereits ab Dienstag oder erst einen Tag später möglich ist. Letztendlich einigten sie sich darauf, dass die Lockerungen am heutigen Mittwoch eintreten müssten – damit behielten sie Recht. Andere Unternehmer interpretierten die Vorgaben anders, öffneten ihre Läden guten Gewissens, aber unzulässig, am Dienstag.

Corona-Lockerungen: Landrätin versteht Unsicherheit - „In jedem Landkreis gilt was anderes, das ist irre“

Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) kann die Unsicherheit verstehen. Sie und Mitarbeiter des Landratsamtes lasen über Ostern Verordnungen, sprachen mit Juristen, um auch ja richtig zu handeln. Denn die Situation war kompliziert: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage in Folge über oder unter einem Schwellenwert – in dem Fall 100 –, greifen neue Regelungen. Das Landratsamt macht diese am vierten Tag bekannt, am fünften treten sie in Kraft.

Nur: Der vierte Tag unter 100 war der Ostermontag, da erscheint keine Tageszeitung, in der das Amtsblatt gedruckt werden könnte. Die Bekanntmachung auf der Homepage reicht nach gesetzlichen Vorgaben nicht. Damit blieb es einen Tag länger bei „Click & Collect“, was Jochner-Weiß bedauerte. „Das ist nicht mehr erklärbar“, sagt sie. „Und in jedem Landkreis gilt etwas anderes, das ist irre.“

Lockerungen im Einzelhandel: Drei Filialen, drei unterschiedliche Regelungen - „Situation ist echt schwierig“

Und macht den Geschäften zu schaffen. „Die Situation ist schwierig“, gibt Christian Echter von „Mode Echter“ zu. Das Unternehmen hat drei Filialen, überall gelten derzeit andere Regeln: „Echter Wohnen“ in Murnau ist geschlossen. Der Modemarkt in Murnau darf nur die Baby- und Schuhabteilung öffnen. In Weilheim hingegen können Kunden ab heute mit Termin – der auch spontan an der Tür verabredet werden kann – shoppen gehen.

Erst am Eingang anmelden, dann einkaufen: Die Mitarbeiter Samuel Dick (links) und Korbinian Aufinger von „Echter Mode“ in Weilheim zeigen, wie’s ab heute läuft.

Normalerweise wirbt das Unternehmen für seine Produkte, jetzt für seine Öffnungszeiten. „Wir bekommen das unseren Kunden gegenüber kaum noch kommuniziert, was grad gilt“, sagt Echter. „Es ändert sich dauernd.“ Auch aktuell grübelt die Politik ja über neue Vorgaben. Maurer kann da nur den Kopf schütteln. „Die Kunden blicken nicht mehr durch“, sagt sie. „Kann man gut verstehen.“

Einzelhandel in Corona-Zeiten: Angestellte müssen flexibel sein

Neben den Kunden müssen auch die Angestellten flexibel sein. Gerade noch in Kurzarbeit, kann es am nächsten Tag wieder losgehen. „Sie sollen abrufbereit sein“, sagt Andreas Huber, Filialleiter von „Huber Moden“ und dem „Tom Tailor“-Store in Schongau. Das klappe gut. „Sie freuen sich, dass sie nun wieder arbeiten können.“ So ist es auch bei Maurer in Schongau: „Für meine Mitarbeiter muss ich eine Lanze brechen, die sind so flexibel.“

Auch Echter hat gute Erfahrungen gemacht, konnte bisher jede neue Regelung sofort umsetzen. Organisatorisch ist das mit rund 150 Angestellten eine Herausforderung. „In Zeiten von Kurzarbeit ist es schwer, in Kontakt zu bleiben.“ Aber mit Herausforderungen kennen sich Geschäftsleute ja mittlerweile bestens aus.

Der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca sorgt weiter für Ärger. Nachdem er ab sofort nur noch für Menschen über 60 Jahre verwendet werden darf, redet der Leiter des Impfzentrums in Peißenberg Klartext. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

(Von Katrin Kleinschmidt)

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