Ein Friseurbesuch ist derzeit nicht möglich. Das sorgt für viel Frustration.
+
Ein Friseurbesuch ist derzeit nicht möglich. Das sorgt für viel Frustration.

Landtagsabgeordnete fordert regionale Maßnahmen

Corona in Bayern: Lockdown zwingt Friseure in die Schwarzarbeit - „Es herrscht die pure Verzweiflung“

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
    schließen

Gerade wurde der Lockdown verschärft und bis Mitte Februar verlängert. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Neuinfektionen im Landkreis Weilheim-Schongau rapide.

Landkreis – Der Sieben-Tages-Inzidenzwert sinkt im Landkreis Weilheim-Schongau immer weiter. Gestern lag er bereits bei 66,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Und dennoch wurde der Lockdown erneut verschärft und verlängert. „Ich bin entsetzt, wie die Beschränkungen pauschal immer weiter verschärft werden, anstatt vor Ort regional gezielt zu reagieren“, so die Landtagsabgeordnete Susann Enders (Freie Wähler/Weilheim) im Gespräch mit der Heimatzeitung. „Angesichts der derzeitigen Inzidenzwerte und der FFP2-Masken-Pflicht wäre die Öffnung der Friseurgeschäfte und der Gastronomie im Landkreis Weilheim-Schongau ohne weiteres sofort möglich“, setzt sie hinzu. „Aber auch als Mitglied einer Regierungsfraktion ist es schwer, wenn die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin in Berlin für ganz Deutschland über Corona-Maßnahmen entscheiden.“

Corona: Gastronomen zeigen sich skeptisch bezüglich vorzeitiger Öffnung

Bereits im vergangenen Herbst hatte man versucht, regional auf die Infektionszahlen zu reagieren – mit der sogenannten „Corona-Ampel“. Bei einem Inzidenzwert von 25 im jeweiligen Landkreis schaltete diese auf gelb, bei 50 auf rot, bei 100 auf dunkelrot. Damit einher gingen jeweils Verschärfungen der Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Wäre das ein Weg im Sinne der Betroffenen? „Bloß kein Hin und Her“, sagt die stellvertretende Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Katharina Haller aus Peißenberg. Schon die zwischenzeitlich diskutierte einwöchige Öffnung der Gaststätten über die Weihnachtsfeiertage habe die Branche mit großer Skepsis betrachtet. Denn am Ende drohe die Gefahr, dass die Gastronomen draufzahlen. „Es ist sehr aufwändig, wieder in den Regelbetrieb zu gehen“, berichtet die Fachfrau. Die Kühlhäuser müssten wieder hochgefahren werden, die Schankanlage durchgespült, Ware eingekauft werden. Zudem müsse man die Leute aus der Kurzarbeit holen. „Da kann man nicht eine Woche aufmachen, dann wieder zu und dann wieder auf.“

Auch interessant: Nach Proteststurm: Jagdberater Thiel macht weiter

Zudem sieht sie auch aus epidemiologischer Sicht Probleme auftauchen: „Wir können ja nicht sagen, wir machen nur für die Leute aus dem Landkreis auf. Und wenn dann Gäste aus Regionen mit einem hohen Inzidenzwert zu uns kommen, laufen wir Gefahr, dass dadurch das Virus wieder eingeschleppt wird und wir von vorn beginnen.“ Viel wichtiger als Debatten um kurzfristige Öffnungen sei es, dass die zugesagten staatlichen Corona-Hilfen endlich ausgezahlt werden.

Corona: Einzelhandel setzt auf Click & Collect statt verfrühter Öffnung

Als eine „geniale Nachricht“ bezeichnete Michael Sendl, Vorsitzender des Kreisverbands im Handelsverband Bayern, die sinkenden Infektionszahlen im Landkreis. Allerdings warnte er davor, die erzielten Erfolge jetzt durch eine vorschnelle Öffnung der Geschäfte wieder zu gefährden. „Heute dies und morgen jenes – das wird nicht funktionieren“, sagte er. Allerdings müsste auch Planungssicherheit für die Betroffenen herrschen: „Unser Traum ist, dass wir ab 15. Februar dann auch wirklich wieder aufmachen dürfen.“ Sendl wusste zu berichten, dass zumindest die Abschlagszahlungen für die betroffenen Unternehmen teilweise sehr schnell überwiesen wurden. Auch Click & Collect habe den Läden eine echte Perspektive geboten.

Corona: Friseure sind verzweifelt

Ganz anders sieht die Lage im Friseurgewerbe aus: „Alle scharren mit den Füßen, könnten morgen loslegen“, sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Roland Streim, gestern. Seit zehn Wochen seien die Friseursalons geschlossen. Zehn Wochen keinerlei Einnahmen, statt dessen müssten die Geschäftsinhaber das Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten und die Mieten vorstrecken. Geld vom Staat „hat noch keiner erhalten, die bürokratischen Hürden sind viel zu hoch“, so Streim. Dabei gebe es „die ausgefeiltesten Hygienekonzepte“ für Friseursalons: „Bei 700.000 Friseurbesuchen wurden im vergangenen Jahr ganze sechs Corona-Infektionen registriert.“

Auch interessant: Kein Impfstoff geliefert: In dieser Woche keine Erstimpfungen möglich

Nicht nur für die Betriebe, auch für die Mitarbeiter nehme der Lockdown mittlerweile existenzbedrohende Ausmaße an. „Da herrscht pure Verzweiflung“, so Streim weiter. 67 Prozent eines Friseurgehalts als Kurzarbeitergeld bei den Wohn- und Lebenskosten in Oberbayern – „das reicht nicht“. Dadurch würde die Schwarzarbeit begünstigt. Mit allen negativen Nebenwirkungen: Infektionsketten könnten nicht nachvollzogen werden, Steuern und Sozialabgaben würden nicht abgeführt. Auch langfristig drohe dem Friseurgewerbe ein Aderlass: „Im vergangenen Jahr hatten wir 44 Prozent weniger neue Auszubildende als noch 2019“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Oberland.

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in Bayern in unserem aktuellen News-Ticker.

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Weilheim-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare