Benedikt Wiedemann (Gesundheitsamt) und Hans Rehbehn (Pressesprecher Landratsamt) in einem Besprechungsraum in Weilheim.
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Benedikt Wiedemann (vo.), hier im Obergeschoss des Gesundheitsamts an der Eisenkramergasse. In dem Raum sollen demnächst neue Mitarbeiter des Contact-Tracing-Teams sitzen. Diverse Vorarbeiten (Trennwände etc.) sind noch zu erledigen. Hinten Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamtes.

Kampf gegen Corona im Landkreis

Corona: Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt wird aufgestockt

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Um die Ausbreitung von Corona zu verhindern, ist es wichtig, die positiv Getesteten und diejenigen, mit denen sie Kontakt hatten, schnell zu finden und sie in der Quarantäne zu begleiten. Das Gesundheitsamt hat dafür Teams gebildet – die aufgestockt werden.

  • Die Corona-Kontaktverfolgung erfolgt im Gesundheitsamt in speziellen Teams.
  • Die werden aufgestockt - es geht um 21 Arbeitsplätze/Stellen.
  • Tests für Reise-Rückkehrer hält das Gesundheitsamt für sehr sinnvoll.

Landkreis - Eine Rekordmarke für einen Freitagabend liegt bei fünf Stunden. Vor rund zwei Wochen, erinnert sich Benedikt Wiedemann, erhielt das Gesundheitsamt um 17 Uhr einen positiven Corona-Befund. Schon um 22 Uhr waren der positiv Getestete erreicht sowie alle seine relevanten Kontakte ermittelt und entsprechend instruiert. Bei Corona „ist Schnelligkeit alles“. Und möglichst schnell zu sein „ist auch unsere Motivation“, sagt der Geschäftsstellenleiter der „Gesundheitsregion Plus“. Sein eigentlicher Job ist aufgrund der Pandemie etwas in den Hintergrund geraten. Wiedemann, ein studierter Sportwissenschaftler, koordiniert die Contact-Tracing-Teams (CTT) im Landkreis.

Gesundheitsamt: Corona-Verfolgung durch Ermittler und Nachverfolger

Die sind Teil der Struktur, die die Corona-Ausbreitung im Weilheim-Schongauer Raum eindämmen soll. Da gibt es die „Ermittler“ – medizinisches Fachpersonal, das den positiv Getesteten und die Menschen, mit denen er zuletzt Kontakt hatte, finden, in Kenntnis setzen und etwaige Quarantäne-Maßnahmen anordnen muss. Pro Fall treten vier bis fünf Mitarbeiter in Aktion. Denn pro Infiziertem kommen schnell mal 20 „Kontaktpersonen“ zusammen. Sind alle bekannt und informiert, beginnt die „Nachverfolgung“ der Contact-Tracing-Teams.

Unterschiedliche Quarantäne-Dauer

Ein positiv Getesteter muss für zehn Tage in Quarantäne, eine Kontaktperson 1. Grades für 14 Tage. Warum der Unterschied? Laut neuesten Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts ist ein an Corona Erkrankter im Schnitt acht bis neun Tage infektiös (er kann die Krankheit in dem Zeitraum weitergeben). Dagegen beträgt die Inkubationszeit bis zu 14 Tage. Das heißt, es kann nach einem Kontakt mit einem Infizierten bis zu zwei Wochen dauern, ehe die Kontaktperson krank wird.

Das dort eingesetzte Personal benötigt keine medizinische Ausbildung, wird jedoch entsprechend geschult, um den Anforderungen gerecht zu werden. Diejenigen, die in Quarantäne sind, werden unter der Woche jeden Tag angerufen. Das dient einerseits der Kontrolle, ob sie auch tatsächlich zu Hause sind, andererseits wird auch ihr Gesundheitszustand abgefragt. Es gab einige Fälle, berichtet Wiedemann, bei denen dem CTT-Mitarbeiter am Telefon anhand der Stimme des Gegenübers auffiel, dass es dem Betreffenden immer schlechter geht. In Absprache mit Medizinern wurde eine Einlieferung ins Krankenhaus angeordnet. Dies stellte sich im Nachhinein als sinnvoll heraus. Das Problem bei Corona sei, erklärt Wiedemann, dass es manchmal einen kritischen Punkt gibt, „ab dem jemand sehr schnell ins Krankenhaus muss“. Zu langes Zögern kann dann dazu führen, dass es zu einem schweren Verlauf kommt.

Der Personalbestand der „Ermittler“ (bis dato etwa 15 Mitarbeiter aus dem Gesundheitsamt) und der „Nachverfolger“ (zehn Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen) wird sich im September deutlich erhöhen, berichtete Wiedemann bei einem Gespräch mit der Heimatzeitung. Es ist die Verstärkung, die die bayerische Staatsregierung allen Gesundheitsämtern im Freistaat im März versprochen hat. Die Aufstockung ist „dringend notwendig“, sagt der CTT-Koordinator. Insgesamt geht es um 21 Arbeitsplätze/Stellen, die bis Ende 2021 befristet sind bzw. zur Verfügung stehen. Derzeit laufen Überlegungen, wo die neuen Mitarbeiter untergebracht werden. Ein Teil der „Nachverfolger“ wird wohl im „Pettenkofer-Saal“ im Gebäude an der Eisenkramergasse unterkommen. Tische mit Telefonen und Computern sind schon aufgestellt. Es müssen aber noch coronaspezifische Einbauten wie Trennwände erfolgen.

Einstufung der Kontaktpersonen

Um eine Infektionskette zu durchbrechen, spielen neben der positiv getesteten Person auch die Menschen eine Rolle, mit denen sie Kontakt hatte. Kontaktperson, 1. Grad: Es bestand mindestens 15 Minuten „Gesichtskontakt“ (im direkten Gespräch; Lebensgemeinschaft etc.). Es bestand direkter Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten (Bsp.: von jemandem angehustet werden). Wer zum 1. Grad gehört, muss für 14 Tage in Quarantäne. Es erfolgen zwei Tests, direkt am Tag nach Ermittlung der Kontaktperson und zwischen Tag fünf bis sieben. Kontaktperson, 2. Grad: Es bestand weniger als 15 Minuten „Gesichtskontakt“ (Bsp.: Aufenthalt im selben Raum). Es bestand kein direkter Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten. Wer zum 2. Grad gehört, muss nicht in Quarantäne, sollte aber seine Kontakte reduzieren und 14 Tage seinen Gesundheitszustand überwachen

Wenn zwischen Abstrich und Anruf des Gesundheitsamts mehrere Tage vergehen, dann liegt das daran, dass das Labor entsprechend brauchte, um den Befund zu erstellen. Geht das Ergebnis beim Amt ein, „legen wir sofort los“, sagt Wiedemann. Die Menschen, mit denen es die Mitarbeiter wegen eines Positivtests zu tun haben, „sind zu 95 Prozent freundlich und kooperativ“, sagt Wiedemann. Dem Gesundheitsamt sei daran gelegen, Vertrauen aufzubauen und so die Menschen zum Mitmachen zu bewegen.

Gesundheitsamt: Wer in Quarantäne muss, bekommt einen Bescheid

Es ist aber auch nicht so, dass das Landratsamt keine rechtliche Handhabe hätte. Der Infizierte und die Kontaktpersonen ersten Grades bekommen einen Bescheid, „zu was sie gesetzlich verpflichtet sind“, sagt Pressesprecher Hans Rehbehn. Bei Zuwiderhandlungen können mehrere tausend Euro fällig werden. Im äußersten Fall muss die Staatsgewalt ran. Die Polizei wurde bislang jedoch „so gut wie noch nie eingesetzt“, sagt Wiedemann.

Der Positivfall

Wer nach einem Corona-Test einen positiven Befund hat, der wird, wenn nicht schon von der Test-Stelle, auf alle Fälle vom Gesundheitsamt informiert. Der positiv Getestete wird für mindestens zehn Tage in Quarantäne gesetzt. Der Betreffende sollte seine jüngsten Kontakte bis zum Zeitpunkt des Telefonats nennen können. Als Zeitraum wird festgesetzt: a) falls er krank ist: ab zwei Tage vor Beginn der ersten Symptome. b) bei Symptomfreiheit: ab zwei Tage vor dem Test.

Die bisherigen drei Corona-Toten im Landkreis seien tragisch, doch alles in allem „haben wir gute Zahlen“, so der CTT-Koordinator. Die Zahl der aktuell positiv Getesteten lag vorigen Freitag bei fünf, bislang gab es 373 Fälle. Dass die Region bis dato glimpflich davon kam, liegt laut Wiedemann daran, „weil alle Beteiligten das Problem ernst genommen haben“. Das Miteinander von Landratsamt, Ordnungsamt, Katastrophenschutz und Gesundheitsamt in Verbindung mit Krankenhäusern, Blaulicht-Organisationen und Heimaufsicht habe sehr gut geklappt. „Wir mussten nie einer Situation hinterherlaufen, sondern befanden uns immer ,vor der Lage‘“, beschreibt es Rehbehn. Der Umstand, dass immer genügend Schutzausrüstung vorlag, war ein Faktor dafür, „dass wir so wenige Ausbrüche in Heimen hatten“, so Wiedemann. Wie überall spielt Glück eine Rolle, „aber Glück kann man sich auch erarbeiten“

Die Pflicht-Tests für Reise-Rückkehrer aus Risikogebieten sieht der Koordinator als gute Sache: „Wir werden mehr Arbeit bekommen“, ist er sicher. „Aber wenn es einen Fall gibt, kommt er sowieso auf uns zu.“ Zuletzt gab es zwei Rückkehrer aus Osteuropa, die – nach einem freiwilligen Test – Positivbefunde erhielten. „Die Betreffenden haben sich vorbildlich verhalten“, so Wiedemann. So seien potenzielle Infektionsketten im Landkreis verhindert worden.

Auch das ist interessant: Der Kornkreis bei Fischen bleibt für einige Wochen bestehen, auch wenn das Getreide drumherum abgemäht wird. In Weilheim gibt es Widerstand gegen geplante Gewerbeflächen bei Unterhausen. Der Badebereich in Seeshaupt, in dem vor einiger Zeit eine Phosphorgranate gefunden wurde, ist immer noch gesperrt.

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