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Wegen Corona-Impfungen: Bayerischer Arzt wird massiv bedroht - vor allem seit er Kinder impft

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Von: Veronika Mahnkopf

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Christian Lübbers ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Impfarzt.
Christian Lübbers ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Impfarzt. © Nora Cordova Photography

Dr. Christian Lübbers ist als Arzt in sozialen Netzwerken aktiv und einiges an Kritik gewohnt. Was seit diesem Winter über ihn an Hass und Drohungen hereinbricht, hat aber neue Qualität.

Weilheim - Dr. Christian Lübbers betreibt in Weilheim in Oberbayern eine Hals-Nasen-Ohren-Fachpraxis und ist seit Jahren in diversen sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv - 67.670 Menschen folgen ihm hier. Er klärt zum Beispiel unter dem Hashtag #Globukalypse über das Thema Homöopathie auf und trat damit 2017 eine scharfe Diskussion über die alternative Medizin los. Lübbers ist also kein Unbekannter. Und einiges gewohnt.

Bayerischer Impfarzt bekommt vor allem seit Kinderimpfungen Hassmails

Doch was seit der Corona-Pandemie und vor allem, seitdem er gegen Covid-19 impft, passiert, ist selbst für Lübbers neu: Kurz nach einem Tweet seinerseits - zum Beispiel über Kinderimpfungen - läuft sein E-Mail-Postfach mit Hassnachrichten voll. Besonders schlimm war es um Weihnachten und nach Silvester. Wir haben mit dem HNO-Arzt gesprochen.

Dr. Lübbers, zuletzt hatten Sie über 40 Hassmails an einem Tag in Ihrem Mail-Postfach. Wann hat diese Eskalation begonnen?

Das waren mehrere Wellen. Ich kläre seit der Pandemie in den sozialen Medien über Covid und die Impfung dagegen auf. Am schlimmsten wurde es aber, seit ich Kinder - wie von der STIKO empfohlen - impfe und darüber auf Twitter berichte. Da wird dann ein Tweet von mir in Telegram-Gruppen geteilt und zu Hass aufgerufen.

Und der erreicht Sie dann mehr oder weniger über Nacht.

Ja. Diese Gruppen haben teilweise 50.000 Abonnenten, also einen sehr hohen Verbreitungsgrad. Plötzlich bekomme ich dann sehr viele Mails und negative Bewertungen meiner Praxis bei Google.

Wie sehen diese Anfeindungen konkret aus?

Das sind in der Regel Beleidigungen. Zuletzt wurde ich als „Kindermörder“ bezeichnet. Dazu kommen Nötigungen und Drohungen. Manchmal rufen diese Leute auch anonym in der Praxis an und beschimpfen meine Mitarbeiterinnen.

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Wie gehen Sie damit um?

Mir ist es wichtig, mit diesem Hass professionell umzugehen. Ich lasse jeweils eine Gefahrenbeurteilung durch die Kriminalpolizei machen und will wissen: Besteht konkrete Gefahr für Leib und Leben? Dann folgt eine Anzeige mit Strafantrag. Diese Menschen müssen sehen, dass sie auch im Internet nicht anonym sind und dass sie eine Schwelle überschreiten, die nicht tolerierbar ist.

Impfarzt wird im Internet angefeindet: „Ich mache weiter wie bisher“

Waren Sie bei Mails und Anrufen schon erfolgreich?

Ja, insofern, dass Mail-Absender oder Anrufer identifiziert wurden und man gegen sie vorgeht. Aber Urteile gab es noch nicht. Leider. Diese Verfahren sind extrem langwierig, da bräuchte es Strafschnellverfahren. Es darf nicht sein, dass Impfärztinnen und -ärzte noch länger diesem Hass ausgeliefert sind. Die Politik muss schnell und vor allem konsequent etwas dagegen tun!

Und wie geht es Ihnen mit diesem Hass?

Naja, ich denke natürlich dann schon auch mal darüber nach, meine Aktivität einzuschränken. Aber genau das wollen diese Leute ja: Meine Aufklärungsarbeit verhindern und auch das Impfen, indem sie Angst und Hass verbreiten. Aber da sind sie bei mir an der falschen Adresse. Ich bleibe professionell und mache weiter wie bisher.

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