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Corona-Krise: Lehrstellen weitgehend sicher

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Wie die Situation für Lehrlinge in der Gastronomie und Hotellerie aussehen wird, ist noch unklar. © dpa / Michael Hudelist

Auf das Angebot an Lehrstellen hat sich die Corona-Krise bisher kaum ausgewirkt, allerdings ist die Situation der Gastronomie und Hotellerie noch unklar. Praktika hingegen machen Probleme, weil sie unter den aktuellen Bedingungen kaum möglich sind.

Landkreis – „Probleme gibt es derzeit mit Praktika“, stellt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Roland Streim, fest. Das Interesse an Praktika sei nach wie vor da, „aber was will man einem potenziellen Lehrling aus zwei Metern Abstand zeigen?“ Dabei seien Praktika durchaus wichtig, wenn es um die Berufsorientierung gehe.

Was die Lehrstellen anbelangt, habe die Corona-Krise bisher keinen Einfluss gezeigt. „Die Unternehmer denken weiter“, so Streim zum Zeithorizont im Handwerk. Bei der Zahl der Lehrstellen sei kein Rückgang zu verzeichnen. Den Unternehmern sei bewusst, dass die Lehrlinge die Fachkräfte von morgen und die Unternehmer von übermorgen sind. Und diese werden gebraucht.

Hinzu komme, dass nicht das ganze Handwerk vom Virus beeinträchtigt sei. Hart getroffen habe die Krise vor allem den Hotel- und Gastronomiebereich. Auch die Friseure hatten erhebliche Probleme, weil sie einerseits ihre Salons zusperren mussten, andererseits aber die Miete weiterhin zahlen, so Streim. Hingegen laufe „das Baugeschäft relativ normal“. Auch bei den Branchen, die mit dem Bau zu tun haben, sei die Situation relativ gut. Gleichzeitig seien diese Berufe bei den Jugendlichen gefragt. Streim: „Sehr beliebt sind die Holz- und Elektroberufe und der Anlagenmechaniker.“

So schlimm die Corona-Krise auch sei, Streim sieht sie auch als „einen Schuss vor den Bug“, der ein grundsätzliches Umdenken auslösen könne. Wenn in Indien der Himalaja wieder zu sehen sei und in Venedig das Wasser wieder sauber, zeige dies, dass Luft- und Wasserreinhaltung durchaus möglich seien. Gleichzeitig würden die Nachteile einer zu starken Globalisierung deutlich. Aber gerade hier könnte das heimische Handwerk, das in kleinen Einheiten organisiert sei, seine Stärken ausspielen. Jugendliche sollten sich auch in einer Krise nicht von einer Ausbildung im Handwerk abhalten lassen.

„Im Landkreis Weilheim-Schongau halten sich die Auswirkungen in Grenzen“, so der Geschäftsführer des IHK-Büros in Weilheim, Jens Wucherpfennig, zur Corona-Pandemie. Im Kreis Garmisch-Partenkirchen hingegen gebe es „massive Auswirkungen“. Da die Industrie- und Handelskammer unter anderem für die Hotellerie und Gastronomie zuständig ist, bekomme sie die Folgen der Corona-Krise besonders deutlich zu spüren. Das Problem sei vor allem die Unsicherheit.

Im Moment verzeichne die IHK noch keine Abnahme der gemeldeten Ausbildungsverhältnisse. Die Meldungen erfolgten aber größtenteils erst im Frühsommer. Wucherpfennig: „Die Bugwelle kommt Anfang Juni.“

Wucherpfennigs Appell an die Schüler, die noch keinen Ausbildungsplatz haben: „Bewerbt euch!“ Vor einer Bewerbung sollten sie bei den Betrieben anrufen und sich nach dem aktuellen Stand der Ausbildungsplätze erkundigen.

Wie die Handwerkskammer, stellt auch die Agentur für Arbeit in Weilheim fest, dass es derzeit kaum Praktika gibt. Die wenigen, die es gebe, könnten nur „unter sehr erschwerten Umständen“ vorgenommen werden, so Elvira Thoma, die für das Marketing der Agentur zuständig ist.

Bei der Besetzung von Ausbildungsstellen hingegen sei zum jetzigen Zeitpunkt keine Veränderung erkennbar. Bisher seien nur „vereinzelt Rückmeldungen von Bewerbern eingegangen, dass Ausbildungsverträge zurückgezogen wurden“. Es sei aber damit zu rechnen, dass es im Hotel- und Gaststättenbereich zu einem Wegfall von Ausbildungsplätzen kommen werde, wenn Unternehmen durch längere Schließung insolvent würden. Eine „tragfähige Einschätzung“ könne jetzt aber noch „nicht seriös getroffen werden“.

Alfred Schubert

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