Landrätin Andrea Jochner-Weiß will der Gastronomie und dem Einzelhandel ein konkretes Datum nennen.
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Landrätin Andrea Jochner-Weiß will der Gastronomie und dem Einzelhandel ein konkretes Datum nennen.

Beantragte Lockerungen abgelehnt

Nach Lockdown-Konferenz mit Merkel und Söder: Landrätin macht ihrem Ärger Luft - „Brauchen endlich Perspektiven“

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Zwei Stunden lang sprachen am Freitag die oberbayerischen Landräte per Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Nachgang machte Landrätin Andrea Jochner-Weiß ihrem Unmut Luft.

Landkreis – Die Runde war groß und prominent besetzt: Neben den Landräten und der Bundeskanzlerin waren auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Gesundheitsminister Klaus Holetschek zugeschaltet. „Ich fand es schön, dass die Kanzlerin sich so viel Zeit genommen hat, um sich unsere Sorgen und Probleme anzuhören“, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Anschluss an die Videokonferenz.

Corona in Weilheim-Schongau: Landrätin fordert bei Videokonferenz mit Merkel und Söder Lockerungen - und wird enttäuscht

Konkrete Ergebnisse habe die Veranstaltung freilich nicht erbracht. „Was sie aus den Informationen, die wir ihnen gegeben haben, machen, kann ich nicht beurteilen“, so Jochner-Weiß. Für sie ist allerdings klar: „Ich plädiere deutlich für eine weitgehende Öffnung spätestens ab 7. März.“

Die Sieben-Tages-Inzidenzwerte im Landkreis Weilheim-Schongau lägen seit Wochen im niedrigen Bereich, deutlich unter der ehedem als Ziel genannten Markt von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Gestern vermeldete das Robert-Koch-Institut einen Inzidenzwert von 36,2 für den Landkreis. „Als wir im vergangenen Jahr wieder geöffnet haben, hat der Inzidenzwert noch gar keine Rolle gespielt“.

Landrätin plädiert für weitgehende Lockerungen - Hygienekonzept von Gastronomie und Einzelhandel hat „wunderbar funktioniert“

Dass die Friseure und die Schulen am 1. März wieder unter Auflagen öffnen dürfen, sei ein „richtiger Schritt“, reiche ihr aber nicht weit genug. „Wir brauchen endlich Perspektiven für die vielen Firmen bei uns im Landkreis, die derzeit am Existenzminimum kratzen“, sagt sie deutlich.

Die Hygienekonzepte, die in Gastronomie und Einzelhandel im vergangenen Jahr erarbeitet worden sind, „haben wunderbar funktioniert. Daher verstehe ich nicht, dass wir denen nicht zumindest ein Datum nennen können, damit sie sich auf die Wiederöffnung vorbereiten können“, so Jochner-Weiß.

Bereits vor über zwei Wochen habe das Landratsamt bei der Regierung von Oberbayern und dem bayerischen Gesundheitsministerium Lockerungen aufgrund des niedrigen Inzidenzwertes beantragt. Das sei nicht genehmigt worden, berichtet die Landrätin weiter.

Lockdown in Weilheim-Schongau: Landrätin kann Corona-Regeln selbst nicht immer ganz nachvollziehen

Jochner-Weiß sieht sich jetzt in der Situation, Regelungen verteidigen zu müssen, die sie selbst nicht immer nachvollziehen kann. „Die Leute wollen Antworten von mir, die ich ihnen nicht geben kann“, sagt sie. Aus ihrer Position heraus könne sie sich schon erklären, dass die Auszahlung der Hilfen für betroffene Unternehmen dauert, „weil es auch jemanden in den Verwaltungen braucht, der die Anträge bearbeiten muss“. Denn den Betroffenen sei das aber „nicht egal, wenn sie monatelang auf ihr Geld warten müssen. Und das kann ich gut verstehen.“

Sie warte daher mit Spannung und mit Sorge auf die nächste Runde der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten, die am voraussichtlich 3. März entscheiden soll, wie es weitergeht. Aber falls dabei der Lockdown wieder einfach nur pauschal verlängert würde, „sehe ich schwarz, was die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung angeht. Es muss sich endlich was bewegen.“

Wirtin Monika Pummer aus Peiting will dafür kämpfen, dass Gastronomie und Hotellerie in der Corona-Krise nicht vergessen werden. Deshalb verschickt sie jetzt Löffel als mahnendes Symbol an die hochrangigsten Politiker in ganz Deutschland. Zusammen mit einem Brandbrief. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter.

(Von Sebastian Tauchnitz)

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