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Traurige Rekordejagd bei Corona-Neuinfektionen - ein Grund ist überdeutlich erkennbar

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Die Alterspyramide zeigt: Kinder und Jugendliche sind stark betroffen, Senioren profitieren von der hohen Impfquote.
Die Alterspyramide zeigt: Kinder und Jugendliche sind stark betroffen, Senioren profitieren von der hohen Impfquote. © Quelle: Landratsamt Weilheim-Schongau

Kein Tag vergeht derzeit ohne neue Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen im Landkreis Weilheim-Schongau. Dabei belegen die aktuellen Zahlen eindeutig, dass die vierte Welle vor allem bei den Ungeimpften wütet. Das sorgt für Wartezeiten im Impfzentrum.

Landkreis – Eine Zahl sagt alles: Nach Angaben des Gesundheitsamtes lag die Sieben-Tages-Inzidenz bei den Geimpften gestern bei 155,65. Zum Vergleich: Die Inzidenz bei den Ungeimpften lag zum selben Zeitpunkt bei 1194,80, also fast achtmal höher.

Die Corona-Schutzimpfung senkt aber nicht nur die Gefahr, sich anzustecken. Viel wichtiger ist, dass die Gefahr, einen schweren Verlauf der Covid-Erkrankung erleiden zu müssen, massiv gesenkt wird. Auf den Intensivstationen im Landkreis werden derzeit fast ausschließlich ungeimpfte Covid-Patienten behandelt und beatmet.

Schaut man sich die Alterspyramide der mit Corona Infizierten an, sieht man, dass bei Kindern und Jugendlichen derzeit besonders häufig Infektionen auftreten. Auch weil Kinder unter zwölf Jahren derzeit nicht geimpft werden. Allerdings kann keine Rede davon sein, dass die Schulen die alleinigen Infektionstreiber seien.

Diffuses Infektionsgeschehen: Flächendeckend viele Infektionen, Schulen nicht die klaren Infektionstreiber

Genau wie sich regional keine klaren „Hotspots“ herausarbeiten lassen, ist auch bei der Altersstruktur die Zahl der Neuinfektionen sehr gleichmäßig verteilt. Auffällig ist nur, dass die Zahl der Neuinfektionen bei den Senioren ab 65 sehr niedrig ist. Das liegt laut Gesundheitsamtsleiter Dr. Stefan Günther vor allem daran, dass die Impfquote in dieser Altersgruppe sehr hoch ist. Aufgrund der Priorisierung zu Beginn des Jahres, als der Impfstoff noch knapp war, hat diese Bevölkerungsgruppe bereits seit Monaten ihre Zweitimpfung und in den vergangenen Wochen zu erheblichen Teilen auch schon ihre Boosterimpfung erhalten.

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„Derzeit sind rund die Hälfte der Impfungen, die wir hier im Impfzentrum in Peißenberg setzen, Boosterimpfungen“, sagte dessen Leiter Christian Achmüller gestern. Es herrscht Hochbetrieb im Impfzentrum – fast im Minutenrhythmus werden Impfungen gesetzt. Dennoch gehe es jetzt, da die Terminvergabe wieder eingeführt wurde, deutlich geregelter zu als noch vor einigen Tagen, meint der Ärztliche Leiter des Impfzentrums, Dr. Christoph Wittermann.

Nächster freier Termin im Impfzentrum: Mitte Dezember

Lange Schlangen wie beim Impftermin in Schongau, für den keine Anmeldung nötig war, sieht man nicht in Peißenberg. In Schongau war der Ansturm so groß, dass kurzfristig zwei weitere Impfärzte angefordert werden mussten. Laut Achmüller ist man beim Impfzentrum immer noch dabei, die Kapazitäten wieder hochzufahren. Gestern fanden rund 200 Impfungen in Peißenberg statt, ab nächster Woche sollen es schon wieder 300 sein.

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Dennoch ist die Wartezeit auf einen freien Termin erheblich: „Wir sind jetzt bei Mitte Dezember, allerdings werden auch immer wieder kurzfristig Termine freigegeben“, so Achmüller. Wer sich im Impfzentrum impfen lassen wolle, müsse sich unter www.impfzentren.bayern registrieren und bekomme dann einen Termin. Doch nicht nur im Impfzentrum werden derzeit Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen angeboten. Auch die niedergelassenen Ärzte und Betriebsärzte impfen nach Kräften, zudem werden immer wieder Sonder-Impfaktionen in einzelnen Orten angeboten. „Wenn man zwischenzeitlich anderswo schneller drangekommen ist, wäre es allerdings super, wenn man seine Registrierung wieder löscht, damit der Termin neu vergeben werden kann“, so Achmüller weiter.

Im Landkreis keine Intensivbetten abgebaut

Immer wieder wird behauptet, dass der massive Abbau von Intensivbetten Schuld daran sei, dass derzeit immer mehr Intensivstationen an den Rand ihrer Kapazitätsgrenze kommen. Zumindest auf den Landkreis Weilheim-Schongau trifft das nicht zu, wie der Chefarzt des Weilheimer Krankenhauses, Prof. Andreas Knez, Anfang der Woche im Rahmen einer Pressekonferenz sagte. „Wir haben in den vergangenen Jahren genügend Pflegepersonal eingestellt, um keine Betten abmelden zu müssen“, so Knez.

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Deswegen ist die Lage auf den Intensivstationen des Landkreises derzeit zwar ernst, von den katastrophalen Zuständen in anderen Landkreisen ist man aber doch noch ein Stück weit entfernt. Stand gestern waren sechs von insgesamt 23 Intensivbetten im Landkreis mit Covid-Patienten belegt, die alle beatmet werden mussten. Fünf Betten wurden als frei gemeldet. Zur Not, sagte Knez weiter, könne man auch noch zusätzliche Intensiv- und Beatmungskapazitäten schaffen. Dafür müsste dann aber OP-Personal abgezogen werden, was zur Folge hätte, dass eigentlich geplante und notwendige Operationen abgesagt werden müssten.

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