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Edeka-Leiter im Interview: „Einige wenige drehen auch durch“

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Die Regale für Klopapier und Küchenrollen sind leer gekauft. Marktleiter Thomas Cichowski hofft auf Nachschub. © Stöbich

Noch bis Ende der Osterferien gelten in Bayern Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. Edeka-Leiter Thomas Cichowski schildert seine Eindrücke.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation Anfang April ein?

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation Anfang April ein?

Unsere Kunden haben keinen Grund zur Sorge. Denn nach anfänglichen Hamsterkäufen, in denen der Umsatz um bis zu 40 Prozent in die Höhe schnellte, hat sich die Lage jetzt wieder stabilisiert. Frische Ware wie Gemüse, Obst und so weiter bekommen wir zweimal in der Woche geliefert. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen wir zur Zeit leicht rückläufige Umsätze.

Warum horten viele Leute trotzdem wie verrückt Toilettenpapier, Nudeln oder Hefe?

Dafür habe ich auch keine Erklärung, das ist vermutlich ein psychologisches Problem. Wir halten auf einer Verkaufsfläche von 1700 Quadratmetern rund 25 000 Artikel vor. Momentan bekomme ich aber nur jeweils eine Palette mit einer Sorte Klopapier geliefert, die ist dann ebenso wie Küchenrollen innerhalb weniger Stunden wieder weg. Sie sehen ja die leeren Regale, obwohl die Versorgung derzeit nicht gefährdet ist. Auch Konserven oder H-Milch sind sehr gefragt und Hefe wird vermutlich gekauft, um daheim selbst Brot zu backen. Wenn derzeit das ein oder andere fehlt, liegt das aber nicht an einem Lebensmittel-Notstand, sondern an der schwierigen Transportlogistik.

Video:Corona und die Sache mit dem Klopapier

Wie wirkt sich die Krise auf Ihr Personal aus?

Wir mussten bisher für keinen der 32 Beschäftigten Kurzarbeit anmelden, zum Glück ist auch noch niemand krank geworden. Wir alle versuchen, mit der Krise so gut wie möglich klarzukommen. Die „Edeka Südbayern Handels-Stiftung“ hat eine zentrale Anlaufstelle zum Thema „Corona“ für Mitarbeiter und Kaufleute eingerichtet.

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Die Zahl der an Coronavirus-Erkrankten im Landkreis Weilheim-Schongau steigt weiter. In diesem News-Ticker finden Sie immer alle aktuellen Informationen.

Wie sehen die Hygiene-Schutzmaßnahmen in Ihrem Markt aus?

Am Eingang gibt es einen Aushang für die Kunden und auf dem Boden vor den Kassen gelbe Abstands-Aufkleber. Außerdem haben wir vor der Fleischtheke Barrieren aus Holzkohlen-Briketts aufgebaut und an den Kassen einen Plexiglas-Spuckschutz angebracht. Unsere Kassiererinnen tragen Handschuhe, aber eine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken in Supermärkten, wie sie in Österreich beschlossen wurde, gibt es in Bayern bisher nicht.

Wie verhalten sich die Kunden?

Die meisten sind zum Glück ganz vernünftig und halten sich an die Regeln, aber einige wenige drehen auch durch: Gerangel um Klopapier habe ich schon erlebt. Im Gegensatz zu früher ist im Markt jetzt vormittags mehr los; dagegen hat das Geschäft an Samstagen spürbar nachgelassen, seit die Corona-Krise voll ausgebrochen ist.

Wie sind die Folgen für Sie persönlich?

Mein Tag fängt zwischen fünf und sechs Uhr früh an, und dann versuche ich mit meinen Leuten, den Laden ganz normal am Laufen zu halten. Eine Situation, wie wir sie jetzt haben, war für uns alle ja völlig unvorstellbar. Die Ausgangsbeschränkungen finde ich schon belastend, weil man nicht mehr den gewohnten Ausgleich zum Beruf hat. Zum Beispiel nach der Arbeit mit den Kumpels abends was trinken gehen, um auf andere Gedanken zu kommen.

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Interview: Peter Stöbich

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