Uschi Daisenberger vom Paterzeller Restaurant Eibenwald gibt bestellte Speisen aus.
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Uschi Daisenberger vom Paterzeller Restaurant Eibenwald gibt bestellte Speisen aus. Jürgen Pohl aus Haid holt mit seiner Tochter Katharina Essen ab.

Große Sorge in der Gastronomie

Corona-Lockdown: Wirte verzweifelt - staatliche Hilfen noch immer nicht da - „Man fühlt sich bestraft“

Der erneute Lockdown trifft die Gastronomie hart. Viele Restaurant-Besitzer stehen vor dem Aus. Die vom Staat versprochenen Finanzhilfen blieben bislang aus.

  • Viele Gastronomen sind verärgert über die anhaltende Lockdown-Situation.
  • Manche spielen mit dem Gedanken, gar nicht wieder aufzumachen.
  • Denn auch von den Finanzspritzen des Staates fehlt jede Spur.

Weilheim-Schongau Ärger, Enttäuschung und Resignation – die Gefühle der Wirte im Landkreis sind angesichts des erneuten Lockdowns, der vermutlich sogar nochmal verlängert wird, gemischt, auf jeden Fall aber negativ. Mancher trägt sich schon mit dem Gedanken, gar nicht wieder aufzusperren. „Wann wir endlich wieder normal öffnen können, steht in den Sternen“, sagt Stefan Kramariz vom Gasthof Janser in Schwabniederhofen. Der kroatische Familienbetrieb bietet an vier Tagen in der Woche Speisen zum Mitnehmen sowie einen Lieferservice an, „aber das ist trotz der Festtage nicht so gut gelaufen“. Das Unternehmen habe zwar staatliche Finanzhilfe beantragt, berichtet Kramariz, bisher sei aber kein Geld auf dem Konto eingegangen.

Gastronomie im Lockdown: Hygienekonzepte haben Schließung nicht abhalten können

So wie ihm geht es vielen seiner Kollegen: Sie zeigen zwar durchwegs Verständnis für die Corona-Schutzmaßnahmen, ärgern sich aber trotzdem darüber, dass alle Hygienekonzepte im vergangenen Jahr und die Investitionen dafür nichts genützt haben. „Aber wir wollen uns nicht beklagen, es passt schon“, stellt Roberto Aprile von der Schongauer Pizzeria „La Fontana“ fest. Er klingt resigniert, wenn er sagt: „Das Geschäft über die Feiertage hätte besser sein können“.

Wie überall im Landkreis ist auch sein Personal in Kurzarbeit, andere Gasthäuser und Restaurants bleiben zum Jahresbeginn ganz geschlossen wie der Pöltner Hof in Weilheim. „Aus rein gesundheitlichen Gründen, um das Gesundheitssystem zu unterstützen“, heißt es auf der telefonischen Ansage. Aber natürlich lohnt es sich kaum, für ein paar Euro Umsatz das Lokal zu öffnen, den Koch und Strom zu bezahlen, wenn während des Lockdowns nur wenige Gäste für „To Go“ kommen.

Viele Restaurant-Besitzer resignieren vor Corona-Lockdown: „Stammgäste helfen uns über die Runden“

Die Weilheimer Pizzeria „Da Alberto“ hat ihren Betriebsurlaub zwischen Heiligabend und 5. Januar gelegt – eine Zeit, in der das Geschäft normalerweise brummt, weil viele Feiern stattfinden und Familien gern zum Essen gehen. Jetzt bleibt lediglich der Abholservice, und den gibt es in vielen Fällen nur sonntags wie im Peißenberger Gasthof „Zur Sonne“. Wer hungrig ist und nicht selbst kochen will, findet die Speisekarte auf der Internetseite, auf Facebook und im Schaukasten des Wirtshauses.

Ein hoffnungsvolles Plakat aus Peißenberg.

Auch für den Penzberger Hoislbräu lohnt sich das Angebot zum Mitnehmen nur am Sonntag, sagt Maria Dehmelt auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Stammgäste helfen uns zwar über die Runden, aber wir liegen sechs Kilometer von der Stadt entfernt.“ Umsatz werde vor allem in den warmen Monaten im großen Außenbereich gemacht, „jetzt können wir nur auf staatliche Unterstützung hoffen“. Fürs neue Jahr sehe die Perspektive nicht gut aus, glaubt Dehmelt: „Vor Ostern wird sich in der Gastronomie nicht viel tun.“

Corona-Finanzspritze für Gastronomen: Nicht mal die November-Hilfen sind da

Mit Ausnahme des freien Samstags kann man sich im Wessobrunner Eibenwald-Restaurant jeden Mittag mit Schmankerln versorgen. An Silvester und Neujahr boten Michael Daisenberger und sein Team unter anderem Rehragout, Lachs- und Zanderfilet an. Kassler Rippchen oder Schweinsbraten gab es zum Jahreswechsel im Weilheimer Dachsbräustüberl, das seine Speisen bis nach Eberfing oder Wielenbach lieferte. „Aber das große Geschäft war’s nicht“, sagt Wirt Karl Sonneck, dessen sieben Angestellte in Kurzarbeit sind. Auch er hat eine Finanzspritze beantragt, „doch bisher haben wir nicht einmal für November etwas bekommen.“ Da sei es schwer, zuversichtlich ins neue Jahr zu blicken, wenn die Existenz auf dem Spiel stehe.

Ähnlich geht es Hubert Liedl, der seit 34 Jahren den Gasthof Neuwirt in Oderding betreibt. Der dürfte nach Ansicht des Wirts noch bis Mitte Februar geschlossen bleiben. Ob er überhaupt nochmal öffnet, sei fraglich: „Ich werde im April 60 Jahre und dann am besten in Rente gehen“, so Liedl. Finanziell komme das Lokal nur über die Runden, weil seine Frau arbeiten gehe. „Subventionen haben wir vergangenes Frühjahr überhaupt keine bekommen – da fühlt man sich bestraft, wenn man Tag für Tag arbeitet und schauen muss, wie es weitergehen kann.“

Peter Stöbich

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