Coronavirus in Weilheim-Schongau: Apotheker machen Desinfektionsmittel selbst - das ist nicht günstig
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PTA Jenny Leistle und Apotheker Tim Herman mischen für die Apotheke am Hauptplatz in Peiting Desinfektionsmittel. Das ist dieser Tage bei den Kunden äußerst gefragt, die Rohstoffe sind jedoch knapp.

Markt wie leergefegt

Engpässe wegen Coronavirus: Apotheker machen Desinfektionsmittel selbst - einen Haken gibt es aber

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    VonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Aufgrund der aktuellen Nachfrage nach Desinfektionsmittel ist der Markt wie leergefegt. Jetzt gehen die Apotheker im Landkreis Weilheim-Schongau neue Wege.

  • Das Coronavirus hat auch den Landkreis Weilheim-Schongau erreicht. 
  • Apotheker beginnen, aufgrund der Lieferengpässe Desinfektionsmittel selbst herzustellen
  • Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings.

Landkreis – Wie Wasser sieht sie aus, riecht aber um einiges strenger: Jenny Leistle rührt die durchsichtige Flüssigkeit vorsichtig mit dem Glasstab im Apotheker-Becherglas um. Die Pharmazeutisch-technische Assistentin in der Apotheke am Hauptplatz in Peiting ist eine von vielen Apotheken-Angestellten oder Apothekern, die in den vergangenen Tagen zu dieser althergebrachten Methode greifen und Desinfektionsmittel selbst herstellen. Wegen des Coronavirus ist der Markt wie leergefegt, seit einer Woche haben die Apotheken die Erlaubnis zur Produktion.

Wegen Coronavirus: kein günstiger Industrie-Alkohol mehr erhältlich

Die Nachfrage ist groß: „Wir haben nur noch ein paar Flaschen da“, zeigt Jenny Leistle auf einen kläglichen Rest. Aus einem Liter im Becherglas können nur zehn Flaschen à 100 Milliliter befüllt werden. Um den Bedarf weiter decken zu könnten, mussten jetzt erst neue Flaschen bestellt werden. Doch auch hier gibt es inzwischen Lieferengpässe.

Die sind nicht ganz günstig. Was wiederum auf den Rohstoffmangel zurückzuführen ist. Wegen des Coronavirus gibt es keinen günstigen Industrie-Alkohol mehr auf dem Markt. Re-Ethanol – ein Bestandteil des selbst gefertigten Desinfektionsmittels – ist hochwertiger, aber eben auch teurer.

Was ist sonst noch drin in der Flüssigkeit? Da hält man sich auch in der Peitinger Apotheke streng an die Rezeptur, die die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgibt: Wasserstoffperoxid ist leicht viruzid und leicht keimtötend. Hinzu kommt Weingeist, also höchst dosierter Alkohol, der sein Übriges tut. Dann noch Wasser. Und fertig.

Weilheim-Schongau: Desinfektionsmittel in Kliniken benötigt - auch da könnte es eng werden

Auch in der Marien-Apotheke in Schongau ist man mit Bekanntgabe der Erlaubnis vor einer Woche in die Produktion von Desinfektionsmittel gegangen. Dass die Ware erst Anfang der Woche zum Verkauf angeboten werden konnte, liegt daran, dass der selbst hergestellte Grundansatz erst noch drei Tage stehen muss, erklärt Inhaber Klaus Flitsch. Immer wieder geht das Desinfektionsmittel auch hier über die Ladentheke. Flitsch ist nicht alleine, wenn er fürchtet: „Wenn das so weitergeht, wird es auch hier einen Materialengpass geben.“ Und das fehlt dann auch dort, wo es dringend gebraucht wird: In den Kliniken, wo Erkrankte behandelt werden müssen.

Landkreis Weilheim-Schongau: Einige Apotheker bleiben noch gelassen - „Schwer einzuschätzen“

Noch gelassen geht man in der Apotheke St. Pölten in Weilheim an das Thema heran. Selbst hergestellt hat man Desinfektionsmittel bislang noch nicht. Aber die Nachfrage, die sei da, so Apotheker Philipp Brucker. Auch er hat jetzt noch diverse Material-Bestellungen abgesetzt. „Allerdings ist momentan schwer einzuschätzen, was nachkommt und was nicht.“

Ein Problem, das man auch in der Stadtapotheke in Penzberg kennt. Apotheker und Inhaber Joachim Lippl: „Wir stellen in kleinen Mengen Desinfektionsmittel selbst her, aber wir haben mit dem generellen Rohstoffproblem in Deutschland zu kämpfen.“

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