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Selbstversuch: So läuft der freiwillige Corona-Test ab

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Von: Franziska Florian

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Der freiwillige Corona-Test war für mich nicht sehr angenehm. Aber die ruhige und einfühlsame Ärztin erklärte mir alles genau, und ich fühlte mich schlussendlich gut aufgehoben.
Der freiwillige Corona-Test war für mich nicht sehr angenehm. Aber die ruhige und einfühlsame Ärztin erklärte mir alles genau, und ich fühlte mich schlussendlich gut aufgehoben. © Ralf Ruder

Jeder Bürger in Bayern kann sich auch ohne Symptome auf das Corona-Virus testen lassen. Doch wie schnell bekommt man einen Termin? Bekommt man überhaupt einen? Wir haben den Selbstversuch gemacht.

Weilheim – Die Redaktionskonferenz vergangene Woche ist der Anlass für den Selbstversuch „Corona-Test“. Denn: Ich huste dabei mehr als – durch das Rauchen bedingt – sonst üblich. Der stellvertretende Redaktionsleiter rät mir dann eindringlich dazu, mich doch mal auf das Corona-Virus testen zu lassen. Und was er sagt, wird natürlich gemacht.

Doch den Termin zum Testen zu bekommen, ist nicht ganz einfach und besteht vor allem aus viel Warterei. Der erste Anruf beim Hausarzt erfolgt am Montag um 11.34 Uhr. Doch niemand in der Praxis geht ans Telefon. „Dann versuche ich es einfach später noch einmal“, denke ich und werfe sicherheitshalber einen Blick auf die Internetseite der Praxis – nicht, dass sie gerade Urlaub machen. Dort steht, dass am besten zwischen 12 und 16 Uhr angerufen werden sollte.

Corona-Test-Selbstversuch: Langes Warten auf den Rückruf vom Arzt

„Na gut“, denke ich und rufe um 13.17 Uhr noch einmal an. Wieder ertönt nur der Anrufbeantworter. Langsam macht sich Ungeduld breit und ich rufe um 14.33 Uhr wieder in der Praxis an. Auch zu diesem Zeitpunkt nimmt keiner den Hörer ab. Also versucht ich es um 16.27 Uhr noch mal und scheitere erneut. Beim Anrufversuch um 16.57 Uhr bin ich endlich erfolgreich: Es geht eine sehr nette Sprechstundenhilfe ans Telefon.

Nach der Schilderung, dass ich verstärkt Husten habe und mich gerne auf Corona testen lassen würde, sagt sie, dass mich ein Arzt nach der Sprechstunde zurückrufen würde. Als ich jedoch gegen 21.30 Uhr vom Sofa in Richtung Bett schlurfe, habe ich immer noch keinen Rückruf erhalten.

Selbstversuch: Sorgen wegen Corona-Test

„Nicht, dass sie mich vergessen haben.“ Deshalb rufe am Dienstag, 18. August, um 13.22 Uhr wieder an. Die sehr nette Sprechstundenhilfe entschuldigt sich: „Die Rückruf-Liste ist leider unendlich lang. Aber ich werde es sofort an den Arzt weiterleiten und er wird Sie bald anrufen.“ Exakt 13 Minuten später, also um 13.35 Uhr, vibriert mein Handy, die Praxis ist dran. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Arzt heißt es, ich kann am nächsten Tag kommen. „Wir testen immer in der Mittagspause ab 12 Uhr. Passt Ihnen 12.30 Uhr, Frau Florian?“, fragt der Arzt freundlich. Ich bejahe und merkte, wie ich immer nervöser werde.

Auch der kleine Plausch mit den Kollegen kann mich nicht so richtig ablenken. Immer wieder schwirren mir die unterschiedlichsten Fragen durch den Kopf.

Abends zu Hause merke ich, wie sich die Fragen immer wieder zwischen die Alltagsgedanken drängen. Weder meine Serie noch das normale Fernsehprogramm können mich auf andere Gedanken bringen. Immer wieder mache ich mir Sorgen. Die Nacht verläuft äußerst unruhig.

Selbstversuch: Ärztin erklärt, wie der Corona-Test abläuft

Und doch bin ich froh, als es endlich Mittwoch wird. Vormittags arbeite ich, um nicht ständig an den Test zu denken. Dann mache ich mich auf den Weg zur Praxis. Und mit jedem Schritt zur Test-Station werde ich wieder nervöser. Doch die Ärztin, die mich testet, lenkt mich etwas von meinen Sorgen ab.

Einfach den Mund aufmachen, Zunge unten an die Zähne drücken und „aaa“ sagen.

Ärztin in der Corona-Teststation

In ihrem türkisblauen Ganzkörperkittel, mit Mund-Nase-Maske und Plexiglas-Schutz über dem Gesicht, wirkt sie auf den ersten Moment wie ein Besucher von einem anderen Planeten. Das lässt mich kurz schmunzeln. Außerdem ist sie sehr einfühlsam, erklärt mir ganz ruhig, wie es abläuft: „Einfach den Mund aufmachen, Zunge unten an die Zähne drücken und „aaa“ sagen.“

Ich nehme auf dem kleinen Drehstuhl im Hinterhof der Praxis Platz, ziehe meine Maske unters Kinn und tue genau das, was mir die Ärztin gesagt hat. Theoretisch. Praktisch sieht das aber ganz anders aus: Das Holzstäbchen drückt meine Zunge runter und das erschreckend lange Stäbchen für den Abstrich wird in meinem Rachen hin und her gewedelt.

Der Test dauert keine zwei Minuten, und die Ärztin erklärt das weitere Vorgehen: „In eineinhalb bis zwei Tagen haben Sie ihr Ergebnis. Wir rufen Sie dann an.“ Das bedeutet für mich: Ich habe wieder den ganzen Tag Zeit, um mir über die Folgen eines positiven Testergebnisses Sorgen zu machen. Am Mittwochabend sitze ich also wieder zu Hause und zermartere mir das Hirn.

Selbstversuch: Erlösender Anruf nach Corona-Test

„Was ist, wenn der Test positiv ist?“, denke ich mir. Ich wohne alleine und kenne kaum jemanden in Weilheim. „Wie komme ich an Lebensmittel, wenn ich Corona habe? Wer muss sich noch testen lassen, weil er eine Kontaktperson ersten Grades ist? Hatte ich mit Risikopatienten Kontakt?“ Im Laufe des Donnerstags starre ich oft nur mein Handy an – in der Hoffnung, dass sich bald jemand aus der Praxis meldet. Als ich den Anruf um 15.42 Uhr bemerke, rutscht mir mein Herz in die Hose.

Dann die Erlösung: „Frau Florian, Ihr Test ist negativ“, flötet die Sprechstundenhilfe ins Telefon. „Wollen Sie den Befund schriftlich abholen?“, fragt sie noch. Sehr konzentriert, nicht vor Freude loszuschreien, antworte ich relativ leise: „Ja, ich komme morgen vorbei.“ Das Warten und die Sorgen haben ein Ende. Endlich.

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie in unserem Newsticker. Um die Ausbreitung von Corona zu verhindern, ist es wichtig, die positiv Getesteten und diejenigen, mit denen sie Kontakt hatten, schnell zu finden und sie in der Quarantäne zu begleiten. Das Gesundheitsamt hat dafür Teams gebildet – die aufgestockt werden. An der Stadthalle in Weilheim geht die Corona-Teststation am morgigen Dienstag wieder in Betrieb.

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