Normalerweise wird mit einer Hegeschau – hier eine Aufnahme von 2018 aus der Wies – nachgewiesen, dass die Jäger ihre Abschusspläne eingehalten haben. 2020 wurde diese pandemiebedingt abgesagt.  Foto: WERNER SCHUBERT/ARCHIV
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Normalerweise wird mit einer Hegeschau – hier eine Aufnahme von 2018 aus der Wies – nachgewiesen, dass die Jäger ihre Abschusspläne eingehalten haben. 2020 wurde diese pandemiebedingt abgesagt.

Ränkespiele um Posten des Jagdberaters

Waldbesitzer sind stinksauer: „Das lassen wir uns nicht gefallen“

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Der Bericht der Heimatzeitung darüber, dass der Jagdberater des Landkreises Weilheim-Schongau, Klaus Thien, heimlich, still und leise abgesägt werden soll, hat bei Waldbauern und Besitzern für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Im Rahmen einer Videokonferenz machen sie ihrem Unmut Luft und informierten über die Hintergründe.

Landkreis – Man merkt dem Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Wolfgang Scholz, an, dass er stinksauer ist. „Wir haben da ein Informationsdefizit“, stellt er in einer Videokonferenz fest, die der Verband extra anberaumt hat. „Es kann nicht sein, dass wir aus der Zeitung erfahren, dass ein hervorragender Mann wie Klaus Thien auf Betreiben der Jägerschaft abgesägt werden soll.“

Dass überhaupt darüber diskutiert werde, Thien, der beruflich Stadtförster von Schongau ist und ehrenamtlich seit zehn Jahren als Jagdberater für das Landratsamt tätig ist, abzusetzen, sei „ein falsches Signal“.

Grundsatz ist klar: „Wild vor Wald“

Im Jagdgesetz sei klar „der Grundsatz ,Wald vor Wild’ festgelegt“. Aufgrund des Klimawandels müsse der Waldbestand im Landkreis umgebaut werden, so Scholz. Weg vom reinen Fichtenbestand, der heute das Bild prägt, hin zum Mischwald, der robuster auf den Klimawandel reagiert. „Und dafür ist Klaus Thien mit seiner Expertise genau der richtige Mann“, so Scholz weiter. Jakob Promberger, der als Vertreter der Landwirte im Jagdbeirat des Landkreises sitzt, meinte, Thien „sei ein erfolgreicher und erfahrener Jäger und Förster“, der in seinem Zuständigkeitsbereich sehr gute Ergebnisse vorweisen könne.

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Er berichtete, es sei mitnichten so, dass der Vertreter der Kreisjägerschaft, Florian Pfütze, im Jagdbeirat auf verlorenem Posten kämpfe und permanent niedergestimmt werde: „Thien vermittelt zwischen den Positionen der Waldbesitzer und der Jäger, tut bei weitem nicht immer das, was wir uns vorstellen“. Auch Martin Klein, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Schongau, attestierte Thien „neutrale Arbeit für beide Seiten“. Die Jäger hätten „einfach Angst vor der neuen Jagd“. Und die Jagd müsse sich ändern, mit der Zeit gehen.

Waldumbau wegen des Klimawandels unumgänglich

Der Waldumbau erfordere eine Waldverjüngung durch Nachpflanzungen, führte der Kreisobmann der Bauern, Wolfgang Scholz, aus. Mit anderen Worten: es wird nachgepflanzt. Und die jungen Laub- und Nadelbäume sind eine Delikatesse für das Rehwild. Wird der Wildbestand nicht reduziert, ist der Verbiss extrem hoch.

Doch genau dagegen würden sich Teile der Jägerschaft wehren, so Scholz. Die Abschussquoten, die sie erfüllen müssen, seien zu hoch, werde immer wieder vorgebracht. Statt dessen bringen Teile der Jäger immer wieder das Argument vor, die Waldbauern seien nur zu faul, die Bereiche, in denen nachgepflanzt wurde, einzuzäunen. Eine „Frechheit“ sei das, erzürnt sich Leonhard Schweiger, der als Vertreter der Forstwirtschaft im Jagdbeirat sitzt. „So spricht der Gast nicht über den Grundbesitzer“, erzürnt er sich.

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Denn die Jagdpacht werde von den Wald- und Grundbesitzern vergeben. Zudem sei das Argument „Unsinn“, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, so Kreisobmann Scholz. „Die Verjüngung des Waldes soll nach Wunsch der Landesregierung möglichst ohne Zäune erfolgen.“ Früher, da seien Flächen erst gerodet und dann wieder aufgeforstet worden. Das will man heute nicht mehr. Statt dessen setzt man auf natürliche Verjüngung in Mehrgenerationenwäldern. Das sei gut für die Begrünung des Bodens.

Alles einzuzäunen, wäre keine Lösung

„Rund 30 Prozent meiner eigenen Waldflächen werden auf diese Weise gerade verjüngt. Wenn wir das alles einzäunen würde, ginge der Lebensraum für das Wild verloren“, so Scholz.

Er und seine Mitstreiter vermuten, dass es im Streit um die Personalie des Jagdberaters um „Lobbyarbeit des Jagdverbands“ gehe. Vorgeschrieben sei die Vergabe der Jagd an einen Pächter auf neun Jahre. Die Alternative wäre der Betrieb in Eigenbewirtschaftung, was für die Jagdgenossen eine größere Flexibilität mit sich bringt.

Jagd nicht nur für die „Großkopferten“

Thien habe als Schongauer Stadtförster die Jagdpacht nicht vergeben, sondern – wie auch die Staatsforsten – auf Eigenbewirtschaftung umgestellt. „Dann kommen nicht nur die Großkopferten zum Zuge“, führt Schweiger aus. Auch der „Postbote mit Jagdschein“ könne sich für kleines Geld einen Begehungsschein holen und auf die Jagd gehen. Das Wildbret liefert er anschließend beim Forstamt der Stadt Schongau ab. „Dadurch ist es leichter, die Abschussquoten einzuhalten“, so Schweiger. Nebenbei habe Thien auch bewiesen, dass es wirtschaftlicher ist. Mit der Jagd erwirtschafte er in Schongau 13 Euro pro Hektar. Die übliche herkömmliche Jagdpacht liege „zwischen fünf und zwölf Euro pro Hektar“. Eine Entwicklung, die den alteingesessenen Jägern nicht passt.

Auch Martin Kainz, der beim Forstamt für den Landkreis Weilheim-Schongau zuständig ist, brach im Gespräch mit der Heimatzeitung eine Lanze für Jagdberater Klaus Thien: „Als Vertreter der Forstverwaltung im Jagdbeirat habe ich ihn als sehr neutrale Person erlebt, die vermittelnd tätig ist. Thien ist jagdpraktisch und -rechtlich erfahren, als Forstmann sowieso. Er hat in seiner Amtszeit enorme Fortschritte erzielt und achtet auf das unbedingt notwendige Gleichgewicht zwischen Jagd, Wald und Landwirtschaft.“

„Landratsamt soll die Gesetze umsetzen und sich nicht von Lobbyisten beeinflussen lassen“

Gegen Ende gab sich Kreisobmann Wolfgang Scholz aber auch versöhnlich: „Wir wissen, dass es viele tolle Jäger gibt, die wir nicht an den Pranger stellen wollen und mit denen wir hervorragend zusammenarbeiten.“

Martin Klein von der Waldbesitzervereinigung in Schongau wurde dann aber noch einmal deutlich: „Wir sind daran gewöhnt, dass das Landratsamt die bestehenden Gesetze umsetzt und sich nicht von einzelnen Lobbyisten wie dem Jagdverband beeinflussen lässt“, sagte er zum Abschluss der Videokonferenz.

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