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Freie Wähler bei der 40-Jahr-Feier: (von links) Susann Enders, Anton Speer, Elisabeth Entenmann, Florian Streibl, Romana Asam und Josef Göbl.

40 Jahre Freie Wähler Weilheim

„Demokratie ist was für Mutige“

Sein 40-jähriges Bestehen feierte der Verein „Freie Wähler Weilheim“. Zwei Dutzend Gäste waren in die „Schießstätte“ gekommen, um zurück – und nach vorn – zu blicken.

Weilheim - In einer Feierstunde gab die Ortsvorsitzende Romana Asam einen kurzen Abriss der Geschichte. Die freien Wähler seien in der Zeit der Gebietsreform entstanden, die „sehr viel ehrenamtliches Engagement vernichtet“ habe. Dies hätten viele Bürger der CSU übel genommen. Am 18. April 1978 sei es daher zur Gründung der Freien Wähler in Weilheim gekommen, am 13. Juni erfolgte die Registrierung beim Amtsgericht Weilheim.

Bereits in der ersten Sitzung wurde die Teilnahme an Wahlen beschlossen. Bis 1980 arbeitete die unabhängige Wählervereinigung mit der Bayernpartei zusammen, am 5. Februar wurde nach der Trennung die „Unabhängige Wählervereinigung Weilheim“ gegründet.

Einen Tiefpunkt, der fast zur Auflösung geführt hätte, erreichte diese 2007. Einige engagierte Mitglieder, darunter Matthias Demmel, retteten die Wählervereinigung, die so am 20. September 2008 ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnte. Fünf Jahre später wurde die Umbenennung in „Freie Wähler“ beschlossen. Seit 2014 heißt die Vereinigung „Freie Wähler Ortsverband Weilheim e.V.“. Derzeit haben die Freien Wähler vier Vertreter im Stadtrat und drei in Kreistag.

Gerade in einer Zeit, in der die Lage in der Welt immer instabiler werde, „braucht es starkes bürgerliches Engagement“, so Gastredner Florian Streibl. Wichtige Fragen müssten ohne Ideologie und Parteidoktrin entschieden werden, so der Landtagsabgeordnete, der sich jetzt zur Wiederwahl stellt. Die Erfolgsgeschichte Bayerns hat laut Streibl nicht 1918 begonnen, sondern erst nach „zwölf Jahren des Verbrechens“.

Dieser Erfolg sei aber „nicht das Verdienst einer Partei“, sondern das Verdienst der Menschen, die Meinungsvielfalt in der Politik höher einschätzten als „blinden Kadavergehorsam“. Dies sei heute wieder besonders wichtig, denn „der braune Geist kommt wieder aus der Flasche rausgekrochen“, in die er einst verbannt worden sei. „Demokratie ist was für Mutige“, so Streibl, der auch ein gutes Wort für die CSU hatte: „Die CSU bewegt was.“ Und er fügte an: „Aber wir bewegen die CSU.“ Er spielte damit auf Initiativen der Freien Wähler an, die dann von der großen Partei übernommen wurden, wie etwa die Abschaffung der Straßenausbau-Beitragssatzung.

Anton Speer, der für den Bezirkstag kandidiert, will unter anderem mit der Forderung nach besserer Verkehrsinfrastruktur punkten. Er möchte sich für den zweigleisigen Ausbau der Bahn von München nach Garmisch-Partenkirchen und bessere Busverbindungen einsetzen. Dazu gehört auch ein „Alpenbus“, der die Städte am Alpenrand verbindet, so dass diese ohne Umweg über München erreichbar sind.

Die Kreisvorsitzende Susann Enders, die für den Landtag kandidiert, sieht die Kompetenz der Freien Wähler – aufgrund der Vielfalt ihrer Mitglieder – in vielen Bereichen. Bei der Energiewende seien die Freien Wähler viel kompetenter als die CSU, die aufgrund von Parteispenden den Energiekonzernen nahe stehe.

Enders bezieht auch Position zur Migration. Sie lehnt den Export von billigem Milchpulver nach Afrika ab, weil dadurch die Bauern ruiniert würden, was eine der Fluchtursachen sei. Sie fordert ein Zuwanderungsgesetz. Wer sich legal in Deutschland aufhalte, solle auch arbeiten. Nichtstun sei keine Lösung. Gleichzeitig müsste aber auch der Zuzug von Menschen gestoppt werden, die nur nach Deutschland kommen, um hier Zahlungen abzugreifen – und das womöglich mehrfach. Enders setzt sich vor allem aber für Verbesserungen im Gesundheitswesen und für angemessene Bezahlung der Beschäftigten ein.

Anlässlich der 40-Jahr-Feier wurden auch zwei Anwesende geehrt, die seit mehr als 25 Jahren Mitglied sind: Elisabeth Entenmann und Josef Göbl traten vor 28 Jahren in die Vereinigung ein und erhielten jetzt dafür die Ehrennadel in Gold.

Alfred Schubert

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