Zwischen der B 2 und Unterhausen haben die Arbeiten zur Errichtung der Grundwassersanierungsanlage begonnen. Die ehemalige Mülldeponie selbst ist links von dieser Ansicht (auf der anderen Seite der Straße Richtung Unterhausen).
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Zwischen der B 2 und Unterhausen haben die Arbeiten zur Errichtung der Grundwassersanierungsanlage begonnen. Die ehemalige Mülldeponie selbst ist links von dieser Ansicht (auf der anderen Seite der Straße Richtung Unterhausen).

Großprojekt an der B2

Deponie Unterhausen: Sanierung des Grundwassers beginnt

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Auftakt für ein Millionen-Projekt an der B 2 bei Unterhausen: Im Zuge der Sanierung der ehemaligen Mülldeponie Unterhausen beginnen die Bauarbeiten für die Grundwassersanierung. Diese wird ein gutes Jahr dauern.

Weilheim – Vier Jahrzehnte ist es her, dass die Mülldeponie Unterhausen geschlossen wurde: Von 1948 bis 1980 wurde in der ehemaligen Kiesgrube am Ortsrand Müll abgelagert – und zwar nicht nur Hausmüll, Erdaushub und Bauschutt, sondern auch Farben und Lacke eines ortsansässigen Farbenproduzenten. Letztere machen die Situation so brisant. Denn bei sehr hohen Grundwasserständen kommt ein kleiner Teil der Deponie mit dem Grundwasser in Berührung – und ein großer Teil der Deponie liegt in der „weiteren Schutzzone“ des Wasserschutzgebietes von Wielenbach.

Im Grundwasser unter dem Areal wurden Schadstoffe aus der Deponie nachgewiesen, und ein Teil davon wurde über die Jahrzehnte auch „mit dem Grundwasserabstrom mehrere zehn Meter weiter in das Trinkwasserschutzgebiet hinein transportiert“, wie Michael Kremer, Geschäftsführer der „Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern“ (GAB), erklärt. Bei den Schadstoffen handelt es sich um „leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe“, sprich: Lösungsmittel. Laut mehrjährigen Untersuchungen wurden die dafür geltenden Prüfwerte teils deutlich überschritten. 2016 hat die Regierung von Oberbayern deshalb die Stadt Weilheim aufgefordert, eine Sanierungsplanung zu erstellen. „Es ist kein dramatischer Fall, aber auch kein harmloser“ – das sagte Robert Schönhofer von der mit der Planung beauftragten Firma „dibauco“ 2018 bei der Unterhausener Bürgerversammlung zu der Gefährlichkeit der Altlasten in der Deponie.

Dieser Tage wird auf dem Gelände nun die Grundwassersanierungsanlage inklusive Infrastruktur errichtet. Laut GAB wird die Grundwassersanierung etwa 12 bis 15 Monate dauern. „Die relativ kurze Sanierungsdauer erklärt sich dadurch, dass im Grundwasser nur gelöste Schadstoffe vorliegen und keine so genannte freie Lösemittelphase“, erläutert Kremer: „Ansonsten hätte man sehr viel höhere Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser gemessen, und es wäre mit einer deutlich längeren Sanierungsdauer zu rechnen gewesen, wie das etwa bei vielen alten chemischen Reinigungen der Fall ist.“

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Das kontaminierte Grundwasser wird mit sechs Sanierungsbrunnen aus dem Boden gefördert und über eine mehrstufige Sanierungsanlage, etwa mittels Aktivkohlefiltration, gereinigt – ehe es über einen Schluckbrunnen, der außerhalb des Trinkwasserschutzgebietes liegt, wieder in den Grundwasserleiter eingebracht wird. Begleitet wird das Ganze von entsprechenden Kontrollen, wie Kremer betont: „Der Reinigungserfolg wird über verschiedene Probenahmestellen in der Sanierungsanlage und Kontrollmessstellen im Grundwasserleiter nachgewiesen.“

Mit dem Bau der Oberflächenabdichtung auf dem Deponiegelände kann erst begonnen werden, wenn die Grundwassersanierungsanlage voll funktionsfähig ist. Denn wegen der Erschütterungen im Untergrund „besteht die Gefahr, dass es während der Bauzeit zu einem erhöhten Schadstoffeintrag in den Grundwasserleiter kommt“, so Kremer. Die Deponie werde dann zu einem flachen Hügel profiliert und auf diesem „werden verschiedene Schichten aufgebracht, die sicherstellen, dass das Niederschlagswasser künftig oberhalb der Abdichtung abläuft und somit nicht mehr in den Deponiekörper eindringt“ – so die Erklärung des Experten. Auf diese Schichten komme schließlich eine „Rekultivierungsschicht“, auf der Pflanzen wachsen können. „Durch diesen Aufbau ist sichergestellt, dass in Zukunft keine Schadstoffe mehr durch einsickernde Niederschlagswasser aus dem Deponiekörper ausgewaschen werden können“, unterstreicht Kremer.

Die Kosten für das Gesamtprojekt veranschlagt die GAB auf rund zwei Millionen Euro. Den Auftrag für „Dimensionierung, Montage und Betrieb der Grundsanierungsanlage inklusive Errichtung der Infrastruktur“ hat Weilheims Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung an die Firma „Geiger Umweltsanierung“ im baden-württembergischen Herrenberg vergeben – zum Angebotspreis von knapp 583.000 Euro. Von den Gesamtkosten der Deponiesanierung – inklusive der Kosten für die Voruntersuchungen – muss die Stadt selbst aber „nur“ 200.000 Euro tragen. Der Rest wird über die GAB abgerechnet, deren Gesellschafter Bayerns Umweltministerium, das Finanzministerium, der Gemeindetag und der Städtetag sind.

Die Bauarbeiten für die Errichtung der Grundwassersanierungsanlage dauern nach Mitteilung der Stadt voraussichtlich bis Anfang Mai. Dabei werde es im Bereich der Baustelle zu Verkehrsbehinderungen kommen, für Leitungsbauten müsse die Dorfstraße „tageweise auch einmal komplett gesperrt werden“, wie es heißt. Darüber werde die Stadt dann aber rechtzeitig informieren und eine Umleitung ausweisen.

mr

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