Viele Euro-Banknoten liegen quer übereinander
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Die Finanzlage des Landkreises Weilheim-Schongau sieht nicht sehr rosig aus. (Symbolfoto)

Finanzlage im Landkreis alles andere als rosig

Der 140-Millionen-Euro-Wunschzettel

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Die Finanzlage des Landkreises Weilheim-Schongau sieht – insbesondere mit Blick auf die kommenden Jahre – alles andere als rosig aus. Doch zahlreiche Investitionen der kommenden Jahre sind dabei noch gar nicht beschlossen und eingepreist.

Landkreis – Bereits in den vergangenen Jahren hat der Landkreis Weilheim-Schongau massiv investiert – vor allem in Sanierung und Neubau von Schulen und Berufsschulzentrum, in die Krankenhaus GmbH und die Sanierung von Amtsgebäuden des Landratsamtes. Das bringt seit Jahren steigende Schulden, deren Tilgung in den kommenden Jahren einsetzt. Das sorgt zudem dafür, dass spätestens ab 2024 sämtliche Investitionen des Landkreises nur noch über Kredite finanziert werden können.

Und zu investieren gäbe es laut einer Aufstellung, die Kreiskämmerer Norbert Merk im Finanz- und Kreisausschuss präsentierte, so einiges. Merk betonte, dass es sich „bei den genannten Summen um eine erste Zahl ohne jegliche Kostenschätzung und Indexierung zum Fertigstellungszeitpunkt“ handele. Will meinen: Sollten die Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden, können sich die tatsächlich anfallenden Kosten deutlich von den heutigen Schätzungen unterscheiden. Einen Eindruck, was der Landkreis theoretisch noch investieren müsste, geben sie dennoch.

Seit Jahren im Gespräch: Generalsanierung der Realschule Peißenberg

So würde der Teilabriss und die Generalsanierung der FOS-BOS Weilheim rund 30 Millionen Euro kosten. Für die Generalsanierung und den Neubau von Hallenbad und Jahnturnhalle in Weilheim, über die seit Monaten zwischen dem Landkreis und der Stadt verhandelt wird, würden weitere 30 Millionen Euro fällig.

Ebenfalls seit Jahren im Gespräch ist die Generealsanierung der Realschule in Peißenberg. In diesem Zuge soll laut der Aufstellung auch der Pavillion durch eine neue Lösung ersetzt werden. Wird dieses Vorhaben umgesetzt, müssten im Kreishaushalt rund sechs Millionen Euro eingeplant werden.

Auch die Sanierung der Amtsgebäude des Landratsamtes ist noch lange nicht abgeschlossen. Wenn alles saniert oder Ersatzneubauten für einzelne Gebäude in Weilheim und Schongau errichtet würden, sind Kosten von rund 30 Millionen Euro zu erwarten.

Gesamtinvestitionen im Hochbau betragen mindestens 140 Millionen Euro

Für die Unterhaltung der Kreisstraßen würden rund vier Millionen Euro pro Jahr fällig – im gesamten betrachteten Zeitraum von 2021 bis 2026 also weitere rund 24 Millionen Euro. Ebenfalls in der Aufstellung aufgeführt ist die Schaffung von Wohnraum für das Krankenhauspersonal, wofür pauschal 20 Millionen Euro eingepreist wurden. Damit beläuft sich der Gesamtbetrag der Investitionen im Hochbau – wohlgemerkt ohne die rund fünf Millionen Euro, die pro Jahr für die medizinischen Investitionen der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH bereitstehen – auf mindestens 140 Millionen Euro.

Merk weist in seiner Präsentation ausdrücklich darauf hin, dass in dieser Summe noch keine Investitionen für den beschlossenen Ausbau des Alltagsradwegenetzes enthalten sind.

Nun ist mit Blick auf die Finanzlage des Landkreises – bereits für 2024 wird eine Gesamtverschuldung von rund 112 Millionen Euro erwartet – schon jetzt absehbar, dass diese „Wunschliste“ kaum reelle Chancen hat, in vollem Umfang umgesetzt zu werden. Merk betont in seiner Präsentation denn auch folgerichtig: „Alle Investitionen müssen auf den Prüfstand“. Zudem wird vorgeschlagen, dass bei jedem Vorhaben, das in den Kreistag eingebracht wird, auch ein entsprechender Finanzierungsvorschlag vorgelegt werden muss.

Wohnraum für Krankenhauspersonal: Es gibt die Möglichkeit eines Förderprogramms

Kreativität ist gefragt. Ein schönes Beispiel dafür ist die Debatte um die rund 20 Millionen Euro, die der Landkreis für die Schaffung von Wohnraum für das Krankenhauspersonal aufbringen müsste. „Dafür gibt es ein Förderprogramm, das nur von Kommunen in Anspruch genommen werden kann“, so Kreiskämmerer Norbert Merk. 30 Prozent der Kosten würde in diesem Fall der Freistaat übernehmen. Dadurch würde es möglich, ein 30 Quadratmeter großes Appartement warm und möbliert für rund 400 Euro im Monat anzubieten. „Der Bedarf ist groß, wenn alles vermietet ist, wäre das für den Landkreis ein Geschäft, bei dem er plusminus null herauskommen würde“, so Merk. Wenn man sich zu so einer Investition entschließe, dann sollte der geschaffene Wohnraum allerdings nicht nur dem Krankenhaus-Personal zur Verfügung stehen, sondern auch Berufsschülern angeboten werden. „Dadurch wäre es möglich, an den Berufsschulen neue Ausbildungsfelder mit einem großen Einzugsbereich zu etablieren“, so Merk weiter.

Am Ende muss der Kreistag entscheiden, welche Investitionen er in den kommenden Jahren für so wichtig erachtet, dass sie umgesetzt werden sollen. Und woher das Geld dafür kommen soll.

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