Bunte Fenster für 250 000 Euro: Der Siegerentwurf der Berliner Künstler Michael Jäher und Jo Schöpfer.
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Der Siegerentwurf der Berliner Künstler Michael Jäger und Jo Schöpfer.

Kreisausschuss gibt Investition frei

„Kunst am Bau“ am neuen Berufsschulzentrum: Die 250 000-Euro-Fenster

  • Sebastian Tauchnitz
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Die Würfel sind gefallen, die Jury hat entschieden und der Kreisausschuss zugestimmt: Michael Jäger und Jo Schöpfer aus Berlin werden die „Kunst am Bau“ am neuen Berufsschulzentrum in Weilheim gestalten.

  • Der Kreisausschuss hat beschlossen, dass die Berliner Künstler Michael Jäger und Jo Schöpfer den Zuschlag für die „Kunst am Bau" beim neuen Weilheimer Berufsschulzentrum bekommen. Lokale Künstler gehen leer aus.
  • Für die farblich gestalteten Fenster zahlt der Landkreis 250 000 Euro. Das stieß im Kreisausschuss angesichts drastisch einbrechender Einnahmen wegen der Corona-Krise auf Unverständnis.
  • Insgesamt hatten sich 159 Künstler um den bestens dotierten Auftrag beworben.

Landkreis Weilheim-Schongau – 0,33 Prozent der Baukosten von Neubauten des Landkreises sollen nach Beschluss des alten Kreistags für „Kunst am Bau“ ausgegeben werden. Das ergibt beim neuen Berufsschulzentrum in Weilheim einen Anteil von rund 250 000 Euro. Weil man dieses Geld nicht einfach irgendeinem Künstler in die Hand drücken kann, wurde in den vergangenen Monaten ein aufwendiger Wettbewerb veranstaltet, um den geeigneten Entwurf zu finden.

159 Bewerbungen gingen nach Angaben von Florian Steinbach, Sachbereichsleiter Bau- und Liegenschaftsverwaltung beim Landratsamt, in der ersten Runde ein. Zehn Entwürfe wurden daraus für die zweite Runde ausgewählt. Die Künstler, die die erste Hürde nahmen, durften sich schon einmal über ein „Bearbeitungshonorar“ von 2000 Euro freuen, der spätere Siegerentwurf bekam 3000 Euro. Sie alle mussten sich und ihre Entwürfe einer „hochkarätig besetzten Jury“ präsentieren, wie im Kreisausschuss berichtet wurde.

„Keine Folgekosten außer Reinigung (Staub)„

Besagte „hochkarätig besetzte Jury“ entschied am Ende, dass Jo Schöpfer und Michael Jäger den Zuschlag bekommen sollen. Ihre „Glasarbeit“, die auf der Fassade im Atrium des Haupteingangs installiert werden soll, greift „in einer großen Bildkollage verschiedene Motive aus dem Wirken des Handwerks auf und visualisiert diese in zwei Ebenen. Die Drucke werden einerseits auf die originalen Isoliergläser (also die Fensterscheiben, Anm. d. Red.) bedruckt und zusätzlich auf innenseitig zu montierende Glasflächen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Anschließend werden die Vorzüge des Gewinnerentwurfes gepriesen: „Bereicherung des Ortes durch einerseits Kunst an sich, andererseits durch Befüllung des grauen Raums aus Sichtbeton mit Farbe“. Zudem würden keine Folgekosten entstehen: „außer Reinigung (Staub)“.

Allein der Wettbewerb verschlang 50 000 Euro

Das kann man sich dann schon mal was kosten lassen. Neben dem Honorar für die Sieger Michael Jäger und Jo Steiner, das sich auf 56 068 Euro beläuft, werden für „Baukosten und Beschaffung“ 143 915 Euro fällig. Für bedruckte Glasscheiben? „Die Glasscheiben werden über ein Sieb- und Digitaldruckverfahren mit keramischen, hochtransparenten Farben bedruckt und dauerhaft eingebrannt“, erklärt Florian Steinbach. Das sei schon ein aufwändiges Verfahren. Macht in Summe 199 983 Euro für den Siegerentwurf.

Die restlichen 50 000 Euro verschlang der Wettbewerb. Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim), der damals vehement für das Bekenntnis des Landkreises für „Kunst am Bau“ gekämpft hatte, war begeistert: „Die Sieger machen große Kunst, haben eine wahnsinnige Reputation.“ Ganz so euphorisch war Falk Sluyterman (SPD/Schongau) nicht. „Wir haben in Schongau auch eine neue Schule gebaut und dabei aus finanziellen Gründen ganz auf Kunst am Bau verzichtet. Das hier ist ganz schön, aber nicht zwingend nötig. Kann man die Investition mit Blick auf die wegbrechenden Einnahmen in Corona-Zeiten vielleicht nach hinten schieben?“, fragte er.

„Wir sind durch den Wettbewerb verpflichtet, das auch umzusetzen“, stellte Kreiskämmerer Norbert Merk klar. Und Bauexperte Steinbach vom Landratsamt warnte vor erheblichen Zusatzkosten, wenn nun erst normale Scheiben eingebaut und dann wieder durch die bedruckten, künstlerisch wertvollen Fenster ersetzt werden müssten. So blieb dem Kreisausschuss am Ende nichts, außer der Beauftragung von Michael Jäger und Jo Steiner mit der Realisierung zuzustimmen.

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