Lebt den ökologischen Gedanken vor: Maiken Winter.
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Lebt den ökologischen Gedanken vor: Maiken Winter.

ÖDP im Landkreis Weilheim-Schongau schickt Maiken Winter (51) in den Wahlkampf

Die Reißnägel sind geschärft

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Heuer ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis 226, der die Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen umfasst, tritt Maiken Winter, promovierte Biologin aus Raisting, für die ÖDP an.

Landkreis – Sie haben dieses Banner, groß und orange, weil sie ja die Orangenen sind. Die von der ÖDP. Der Aufsteller erzählt die Geschichte des Löwen, der kurz davor ist, sich mit seinem Hinterteil in einen Reißnagel zu setzen. Nicht ganz zufällig hat man auf sein Gesäß weiß-blaue bayerische Karos gedruckt. Es ist ein nonchalanter Hinweis auf die Stellung der Ökopartei im Freistaat. Dazu der Spruch: „Auch ein kleiner Reißnagel kann einen großen Hintern bewegen.“ So weit, so wahr.

Heuer ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis 226, der die Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen umfasst, tritt Maiken Winter an, promovierte Biologin aus Raisting. 22 von 23 Mitgliedern stimmten im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum für sie (eine Enthaltung). 2017 holte die 53-Jährige bereits das beste je erzielte Ergebnis der ÖDP in der Region. Doch: 3,5 Prozent Erststimmen und 1,6 Prozent Zweitstimmen waren auch keine Sensation.

Wenn man für einen kleinen Moment das Bild des Reißnagels weiterzeichnet, gefällt Winter die jetzige Rolle der ÖDP ganz gut: kleine Widerstandskämpferin am Straßenrand, die immer mal wieder Reißnägel auslegt, wenn der Löwe wieder ach so prätentiös dahin stolziert. Winter sieht ihre Partei als die bayerische APO, die außerparlamentarische Opposition. Sie sagt: „Wir haben mehr geschafft als alle anderen Oppositionsparteien.“

Es ist ihr lautester Moment in Murnau. Eigentlich ist sie keine, die poltert. Das Wort „Kampf“ in Wahlkampf mag sie nicht. Die Bundestagswahl im September sieht sie als Klimawahl. Von den Mitgliedern ihrer Partei verlangt sie, den ökologischen Gedanken vorzuleben. Sozusagen passiver Wahlkampf. Sie selbst verzichtet seit einem Jahr auf das Auto und sagt: „Ich war noch nie so glücklich.“ Abgesehen von Corona. Deutschland und die Welt stünden „ganz kurz vor wesentlichen dramatischen Veränderungen“, sagt sie bei ihrer Vorstellung. Die Wahl sieht sie als „die letzte Möglichkeit“ zur Korrektur.

Nun gibt es in den beiden Kreisgruppen Menschen, denen das als Programm nicht reicht, die die ÖDP in nächster Zeit in den Stand der professionellen Reißnägel-Ausleger aufsteigen sehen. Vielleicht noch nicht bei der Bundestagswahl, aber 2023, wenn es um den Landtag geht. „Mir ist das zu wenig“, bestätigt Ben Possemis aus Raisting. „Individuell Vorleben reicht nicht mehr.“ Andreas Halas, Stadtrat in Weilheim, verlangt eine Strategie.

Mit Klimaschutz alleine „gewinnt man morgen keine Stimme, das interessiert im Moment wenig Leute. Wir müssen uns schärfer konturieren“. Es mangelt derzeit ja wahrlich nicht an klassischen ÖDP-Themen: der Kampf gegen Lobbyismus, die Einführung von 5G, die Impfaufklärung zu Corona. Possemis sieht im Strudel der Querdenker eine Reihe an „total verwirrten Menschen“, die nichts mit den zum Teil radikalen Kräften der Bewegung zu tun haben. Auf die müsse die Ökopartei zugehen, sie für sich gewinnen.

Für Winter dürfte es zu einer akrobatischen Angelegenheit werden, ihre Position als Klimaschützerin mit den Anliegen der Basis zu vermengen. Der innere Zwist wurde besonders sichtbar, als sie auf einen Hinweis zur Impfaufklärung antwortete. „Mir ist es ein inneres Anliegen, die wissenschaftlichen Fakten zu kommunizieren, die wirklich wissenschaftlich sind.“ Auf keinen Fall möchte sie, dass die ÖDP entgleist und neben den sogenannten Querdenkern landet.

Aber: Sie bat um Hilfe, um Anregungen für das Wahlprogramm. „Ein paar Themen sind mir zu viel. Das sind Aufgaben von Euch.“ Die Mitglieder nahmen’s gerne auf. In den nächsten Monaten plant die ÖDP Sitzungen – in welcher Form auch immer. Am Ende war selbst Winter soweit zu sagen: „Wir müssen auch ein bisschen weh tun.“ Die Reißnägel sind geschärft.

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