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Nur wenige Covid-Patienten auf den Intensivstationen: Die Ruhe zwischen den Wellen

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Corona-Intensivstation
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter rasant an, auf den Intensivstationen gibt es derzeit aber eine kleine Atempause. © picture alliance/dpa/Christoph Soeder

Auch wenn die Auslastung der Intensivstationen, die noch vor wenigen Wochen das ausschlaggebende Kriterium bei der Festlegung von Corona-Beschränkungen war, wieder hinter die Sieben-Tages-Inzidenz zurückgetreten ist, spielt sie in der öffentlichen Debatte doch weiter eine Rolle.

Landkreis - Gerade wird darüber diskutiert, dass die Statistik verfälscht würde, weil auch Menschen, die wegen anderer Erkrankungen stationär behandelt werden müssen und „auch“ an Corona erkrankt sind, als stationäre Corona-Patienten gezählt werden.

Für Dr. Florian Amor, Oberarzt auf der Intensivstation am Schongauer Krankenhaus, erschließt sich nicht, warum das auf einmal ein Problem sein soll.

Denn „es handelt sich hierbei um absolute Ausnahmefälle. Eine klare Unterscheidung ist auch kaum möglich, weil sich in der Regel nicht klar trennen lässt, inwiefern eine mögliche Covid-Infektion Auswirkungen auf das andere Leiden gehabt haben könnte.“ Amor bringt ein Beispiel: Jemand stürzt, weil ihm schwindelig wurde, und bricht sich den Arm. „Wurde ihm schwindlig, weil er eine Corona-Infektion hatte? Oder lag es daran, dass er Kreislaufprobleme hatte?“

Für den Klinik-Alltag mache das keinen Unterschied, denn „wenn jemand positiv auf Corona getestet wurde, wird er auf die Isolierstation verlegt, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern“. Sollte er keinen schweren Verlauf haben, der eine stationäre Aufnahme erfordern würde, wird er, wenn die Behandlung seiner anderen Krankheit abgeschlossen ist, in die Quarantäne nach Hause entlassen, so Amor weiter.

Dr. Florian Amor Oberarzt in Schongau. KKH
Dr. Florian Amor, Oberarzt auf der Intensivstation in Schongau. © Foto: Krankenhaus GmbH

Derzeit sei es vergleichsweise ruhig, berichtete der Oberarzt. Nachdem die Corona-Fallzahlen auf der Isolier- und Intensivstation vor Weihnachten in bedrohliche Höhen stiegen, müsse man derzeit keine geplanten Operationen aufschieben. Am Dienstag wurden in Schongau drei Patienten und in Weilheim zwei Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Insgesamt wurden zehn Covid-Erkrankte in den beiden Krankenhäusern betreut. Zwischendurch habe es sogar schon wieder Tage gegeben, an denen kein Covid-Patient auf seiner Station behandelt werden musste, so Amor.

„Wir sind sehr froh, dass wir derzeit im Regelbetrieb arbeiten können“, sagt der Arzt. Denn es sei „zutiefst frustrierend, wenn man eine lebensnotwendige Operation für einen Krebspatienten aufschieben muss, weil keine Betten auf der Intensivstation frei sind, da dort Ungeimpfte behandelt werden müssen“.

Die vierte Welle, die vor Weihnachten für Rekord-Inzidenzen im Landkreis gesorgt hatte (wir berichteten), habe den Ärzten und Pflegekräften große Sorgen gemacht. Doch zum Schlimmsten, der Triage, bei der die Ärzte entscheiden müssen, wer das Bett auf der Intensivstation bekommt, wenn nicht genügend Kapazitäten für alle, die sie brauchen würden, zur Verfügung stehen, sei es glücklicherweise nicht gekommen.

Die derzeit wieder stark und schnell steigenden Infektionszahlen durch die Omikron-Variante im Landkreis beobachten Amor und seine Kollegen mit Sorge. „Aber wir können überhaupt noch nicht abschätzen, ob das in zwei Wochen wieder dafür sorgt, dass viele Patienten stationär aufgenommen werden müssen“, so der Oberarzt der Schongauer Intensivstation.

Viele Experten hätten die Hoffnung, dass die hochansteckende Variante durchgehend einen deutlich milderen Verlauf nehme und daher die Krankenhäuser nicht so stark belaste.

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