Idyllisch schaut der Dietlhofer See aus. Das sagt aber nichts über die Wasserqualität aus. Foto: ruder
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Idyllisch schaut der Dietlhofer See aus. Das sagt aber nichts über die Wasserqualität aus.

Fischer in Sorge

Was ist los am Dietlhofer See? Proben sollen Klarheit schaffen

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Weilheims Fischern gefällt der Zustand des Dietlhofer Sees gar nicht. Sie glauben, dass die Wasserqualität abgenommen hat. Indizien dafür gibt es, Beweise nicht. Das Wasserwirtschaftsamt nimmt die Bedenken ernst. Im kommenden Jahr werden Proben aus dem See entnommen – die ersten seit 2009.

Weilheim – Die Fischer sind in Sorge: Seit Langem beobachten sie einen Rückgang der Seerosen am Dietlhofer See, zudem verschlamme der Boden zunehmend – und einige Tierarten scheinen zu verschwinden. Eine Erklärung hat der Fischereiverein Weilheim für all das nicht. Deshalb wandte er sich im Sommer an die Heimatzeitung. Nachdem der Bericht „Wo sind all die Seerosen hin?“ erschien, kam Bewegung in die Sache. Stadtratsmitglied Ullrich Klinkicht, als Referent zuständig für den See, holte – noch vor dem derzeitigen Lockdown – Vertreter der Fischer, des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim (WWA), der Wasserwacht und des Sporttauchvereins Conger Weilheim an einen Tisch. Das Ergebnis: Ab kommendem Jahr werden Proben aus dem See entnommen. Damit soll geklärt werden, wie es um den See bestellt ist – und ob es nötig ist, einzugreifen.

Denn abgesehen von den Beobachtungen der Fischer und aucha der Taucher ist gar nicht klar, ob und welche Probleme es im See gibt. Die letzten Proben hat das WWA 2004 und 2009 entnommen. Deshalb „können wir keine Aussagen zur seitherigen Entwicklung des Seezustands beziehungsweise dessen aktueller Wasserqualität machen“, sagt Robert Kapa vom Sachgebiet „Biologie“ des Wasserwirtschaftsamtes. Grund ist eine EU-Vorgabe, wonach alle Fließgewässer mit einer Einzugsgebietsgröße von mehr als zehn Kilometern sowie Seen mit mehr als 50 Hektar seit 2010 deutlich aufwändiger überprüft werden müssen – mit der Folge, dass kleine Gewässer wie der 89 000 Quadratmeter große Dietlhofer See kaum noch untersucht werden. Mögliche Ursachen für die Beobachtungen der Fischer kann Kapa daher nicht nennen.

Bewuchs geht zurück, Schlamm nimmt zu

Doch nicht nur die Fischer blicken mit Sorge auf den See. Auch die Taucher haben bemerkt, dass der Bewuchs in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Sie bemängeln zudem die Verschmutzung des Sees, der sie mit einem jährlichen Ramadama entgegentreten – das heuer allerdings coronabedingt ausfallen musste. „Wir haben schon Flaschen, Stühle und sogar Fahrräder aus dem See geholt“, sagt Martin Goliasch, Vorsitzender bei Conger. „Einfach alles, was der Mensch nicht mehr braucht.“ Im Sommer könne zudem ein zunehmender Ölfilm beobachtet werden, den Sonnenschutzmittel mit sich bringen. Den Boden des Sees beschreibt Goliasch als „dicke Schlammschicht“, auf der sich in den warmen Monaten ein Bakterienrasen bildet, der rot, gelb, blau oder auch schwarz ist. Und trotz der Tauchermasken „riecht man den Schwefelwasserstoff“. Erklärungen für all das können auch die Taucher nicht liefern. Dass der Bewuchs zurückgehe, könne man häufig mit einem größeren Fischbestand erklären. „Aber wir sehen auch nicht mehr Tiere.“

Den tatsächlichen Bestand des Sees kennen selbst die Fischer nicht. „Da haben wir keinen Einblick“, sagt der Vorsitzende, Herbert Ullmann. Deshalb ist er froh über das Ergebnis der Sitzung. Er hofft, durch die Probenentnahme zu erfahren, wie die Wasserqualität des Sees ist, und auch, „dass Maßnahmen ergriffen werden, diese zu verbessern“.

Ergebnisse werden mit 2009 verglichen

Versprechen kann Robert Kapa vom Wasserwirtschaftsamt da allerdings noch nichts. Denn die Methodik, die bei großen Gewässern angewandt werde, funktioniere nicht identisch beim kleinen Dietlhofer See. Die Untersuchungen finden deshalb in abgespeckter Variante statt. Geplant ist, sechs bis zwölf Mal vom Boot aus Proben zu entnehmen und so die Entwicklung im Laufe des Jahres verfolgen zu können. Im Idealfall eben jeden Monat – wenn das Wetter es zulässt. Um die Daten mit 2009 vergleichen zu können, werden die Proben an der tiefsten Stelle des Sees aus mehreren Tiefenstufen entnommen. Das Amt untersucht sie dann im Hinblick auf Temperatur, Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und Nährstoffparameter wie zum Beispiel Phosphat, Nitrat und Chlorophyll. Zudem werden zusätzlich chemisch-physikalische Untersuchungen gemacht, um „einen groben Blick auf die Zusammensetzung und Häufigkeitsverteilung von Planktonorganismen“ werfen zu können, erklärt Kapa.

All das soll letztlich die Frage klären, ob es wirklich schlecht um den See bestellt ist. Sollte sich das bestätigen, beginnt die Ursachensuche.

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