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Dörfliche Idylle vor der Zugspitze: Marnbach mit der Kirche St. Michael, fotografiert von Emanuel Gronau.

Dorfentwicklung

Wo soll Marnbach hinwachsen?

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Marnbach - Es ging um eine Bauanfrage für den Marnbacher Ortsrand. Die entfachte im Bauausschuss des Stadtrates eine breite Diskussion.

 Eine Bauanfrage für den Marnbacher Ortsrand führte in der jüngsten Sitzung des Weilheimer Bauausschusses zu einer leidenschaftlichen und kontroversen Debatte zum Thema „Dorfentwicklung“. Während einige Stadträte auf den „Siedlungsdruck“ verwiesen und dem gewünschten Einfamilienhaus im Außenbereich zustimmen wollten, warnten andere, dass man in der Folge viele weitere Häuser „in der Landschaft“ genehmigen müsste – was langfristig nicht nur das Dorfbild von Marnbach zerstören würde. Ergebnis: Um einen „Schnellschuss“ zu vermeiden, wurde die Entscheidung vertagt.

Dabei ist es weniger der aktuelle Bauwunsch, den die Ausschuss-Mitglieder für problematisch halten: An der Hardtstraße 8 in Marnbachs Nordosten würde der Eigentümer gern ein weiteres Einfamilienhaus für die eigene Familie errichten – südlich des bestehenden Wohngebäudes. Weil das Grundstück im Außenbereich liegt (im Flächennutzungsplan der Stadt Weilheim als „Fläche für die Landwirtschaft“ dargestellt) und keine Privilegierung vorliegt, wurde das Vorhaben schon mehrmals behandelt und zuletzt im Oktober 2014 einstimmig abgelehnt.

Doch „die Zeit ist eine andere geworden“, befand BfW-Stadtrat Rupert Pentenrieder: Weil „in Weilheim Wohnungen und Baugrundstücke fehlen“, werde er der Anfrage nun zustimmen: „Wenn wir das den jungen Leuten jetzt nicht ermöglichen, dann werden sie Weilheim irgendwann verlassen, weil sie es sich nicht mehr leisten können.“ Ähnlich sah es Gerhard Trautinger (SPD): „Die Leute haben ein Grundstück, die Familie will bauen – warum will man das versagen?“. Und für Stefan Zirngibl (CSU) ist eine Ablehnung zwar „formal berechtigt“, doch weil die Sache „in natura“ anders aussehe, könne er sich das beantragte Gebäude mittlerweile vorstellen – „auch mit der Konsequenz von Folgeanträgen“ für umliegende Felder. Zirngibl wörtlich: „Wir wissen alle, dass in diese freie Fläche, in der auch die Kapelle steht, über kurz oder lang hineingebaut werden wird.“  Genau diese Folgen sind für CSU-Kollege Klaus Gast, den Stadtratsreferenten für den Ortsteil Deutenhausen-Marnbach, „das Dramatische an diesem Antrag“. Bauausschuss und Stadtrat seien sich bisher einig gewesen, „dass man da keinen Finger in die Landschaft rauswachsen lassen will“. Und an den Ablehnungsgründen habe sich nichts geändert. Auch BfW-Sprecher Dr. Claus Reindl warnte: Mit einem „Ja“ zu dem einen Haus würde „eine Baulücke entstehen, wo weitere Anträge nicht mehr abgelehnt werden können“. Das bestätigte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt und betonte: „Das sollte man sich gut überlegen.“ Von einer Flächennutzungsplanänderung – sie wäre nötig, um das neue Wohnhaus im Außenbereich zu ermöglichen – riet auch Manfred Stork, Chef der Bauverwaltung im Rathaus, ab. Denn Änderungen ergäben sich für den umfangreichen, nach mehrjährigem Überarbeitungsprozess erst 2012 verabschiedeten Flächennutzungsplan dann „nicht nur für Marnbach, sondern auch für Deutenhausen und Weilheim“. Würde man jetzt „einknicken“, so Grünen-Sprecher Alfred Honisch, „dann würde das bedeuten, dass wir uns um städtebauliche Planung, Außenbereiche und so weiter keine Gedanken mehr machen müssten“.

Und Walter Weber (Freie Wähler) dachte auch an die Kosten: Der Flächennutzungsplan sei noch nicht alt, man habe sich dafür Gedanken gemacht und Geld ausgegeben, nun solle man „nicht wegen dieses Antrags alles über den Haufen schmeißen“. Die Überplanung würde schließlich neuerlich Geld kosten. In diesem Sinne wandte sich auch Brigitte Holeczek (BfW) gegen einen „Schnellschuss“.

Dem aktuellen Bauwerber aber könne vielleicht auch anders geholfen werden, so eine Idee von Klaus Gast: Zu klären sei, ob die bestehende Remise auf dem Grundstück zu einer Wohneinheit umgebaut werden könnte – ohne entsprechende Folgen für die weitere Dorfentwicklung.

Darüber soll jetzt verhandelt werden, so der einmütige Beschluss. Doch unabhängig davon müsse die Stadt „generell überlegen, wie man das Ortsgebiet Marnbach entwickeln will“, so Claus Reindl. Denn solche Anträge „werden uns immer wieder einholen“, sagte Stefan Zirngibl: „Da haben wir in ein paar Monaten den nächsten auf dem Tisch.“

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