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Gedanken zur Integration von Migranten machten sich: (von links) Jost Herrmann, Dr. Margret Spohn, Dominik Streit, Kerstin Schreyer (Pult) und Arif Tasdelen.  

Wer ist Migrant? 

In der „Weilheim-Ecke“ stand nur eine Frau

Wer ist Migrant und welche Chancen bietet Migration?  Eine Podiumsdiskussion der SPD   begann mit einem Test.

WeilheimEinen buchstäblich frostigen Empfang bereitete am Mittwoch der Kreisverband der SPD seinen Gästen. Er hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Integration in Bayern“ ins „Haus der Begegnung“ in Weilheim eingeladen, in dem kurz zuvor die Heizung ausgefallen war. Trotz der Kälte blieben die Besucher die für die Podiumsdiskussion vorgesehenen zwei Stunden. Die anschließende Publikumsbeteiligung entfiel allerdings, weil die meisten der rund 70 Gäste die Veranstaltung verließen.

Wie der Begriff „Migrant“ definiert ist, wollte ein Besucher eingangs wissen. Dr. Margret Spohn, die das Migrationbüro der Stadt Augsburg leitet, veranschaulichte dies mit einem Experiment. Sie bat alle Anwesenden, sich nach Herkunft ihrer Eltern - Weilheim, Bayern, Deutschland, Rest der Welt – in einer Ecke des Raums zu versammeln. In der Weilheimer Ecke fand sich nur eine Dame ein, die – nach dieser Definition – keinen Migrationshintergrund hat. Unter den anderen waren die Gruppen am stärksten, deren Vorfahren aus der Türkei, England und dem Sudentenland stammten.

Zusammen mit Spohn diskutierten die Landtagsabgeordneten Arif Tasdelen und Kerstin Schreyer sowie der Asylkoordinator des Landkreises Weilheim-Schongau und langjährige Pfarrer der Apostelkirche, Jost Herrmann, unter der Moderation des SPD-Kreisvorsitzenden Dominik Steit.

Herrmann sieht vor allem die Isolation der heutigen Migranten als Problem. „Soziale Isolation ist unmenschlich“, so Herrmann. Große zentrale Unterkünfte würden mehr Probleme schaffen als lösen, und das Arbeitsverbot sei menschenverachtend. Hinzu komme noch der bürokratische Aufwand. Schon ein Deutscher verstehe oft die amtlichen Formulare nicht, wie solle sie dann jemand verstehen, der kaum Deutsch kann. Herrmann: „Wir leben nicht in einer Demokratie, sondern in einer Bürokratie.“

Spohn sieht den Begriff „Leitkultur“ als problematisch an. Es gebe zwar einige Grundwerte, die nicht verhandelbar seien, aber man könne Kultur nicht per Gesetz verordnen.

Die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Schreyer, gab zu bedenken, dass zwar 2,7 Millionen Menschen, das sind 21,3 Prozent der Bevölkerung, in Bayern Migranten seien, die meisten von ihnen aber nicht geflüchtet, sondern aus EU-Ländern zugewandert seien.

Der aus Franken stammende Tasdelen, der sich als „Originalausländer“ bezeichnet, meinte: „Integration muss man leben.“ Wichtig sei es vor allem, die Werte der anderen kennenzulernen und zu achten. Dies sei besser, als sich einer Leitkultur unterzuordnen. Alle Migranten sollten Sprachkurse und Arbeit bekommen, so seine Forderung. Das dafür ausgegebenen Geld sei nicht weg, sondern würde größtenteils in Bayern bleiben. Tasdelen: „Ich sehe das als Konjunkturprogramm für Bayern.“ Auch wenn jemand nicht auf Dauer in Deutschland bleibe, würde ein Nutzen geschaffen, weil der Migrant nach seiner Rückkehr in die Heimat diese Bildung mitnehme. „Das ist die beste Entwicklungshilfe“, so der SPD-Politiker. Schreyer stimmte dem zu: Integration sei teuer, aber Nicht-Integration sei langfristig noch teurer. 

  Alfred Schubert

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