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So stellt sich derzeit die Turnhallensituation in Weilheim dar: Im Bild die bestehenden Hallen mit dem jeweiligen Träger. Am Gymnasium gibt es bereits zwei hallen, wobei die obere wegen Statikproblemen dauerhaft gesperrt ist und die untere im Winter betroffen sein kann. Auf diesem Gelände könnte ein Hallen-Neubau entstehen – oder etwas weiter südlich auf dem sogenannten Maibaum-Park, für dessen erhalt bereits Unterschriften gesammelt werden. 

Diskussion um Standort

Tauziehen um neue Turnhalle

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Die Stadt Weilheim braucht eine neue Turnhalle – das ist unstrittig. Doch wie groß sie sein wird und wo sie gebaut wird, darüber sind in den vergangenen Wochen heftige Diskussionen entbrannt. Am morgigen Freitag wird das Thema im Kreistag erstmals öffentlich diskutiert. Wir bieten einen Überblick.

Weilheim – Bürger sammeln Unterschriften gegen eine Bebauung des Maibaumparks, der TSV wettert gegen die Turnhallen-Situation, seitdem der fest eingeplante Bau einer Dreifachturnhalle Ende 2016 aus der Haushaltsplanung geflogen ist – viele Bürger sind wegen des Themas alarmiert. Was die Sache so kompliziert macht: Alle Beteiligten haben unterschiedliche Interessen, und es gibt viele Akteure.

-Stadt Weilheim:

Bürgermeister Markus Loth bedauert, dass es mit den Plänen für eine Dreifachturnhalle am Festplatz nichtgeklappt hat, man hätte das Projekt dort wirklich gerne gebaut. Grundsätzlich sei die Stadt mit den eigenen Hallen an Ammer-, Hardt und Mittelschule gut aufgestellt, „auch wenn wir die Situation im Hinblick auf die Vereine verbessern wollen“. Dass die obere der beiden Gymnasiums-Turnhallen wegen Statikproblemen geschlossen werden musste, ist vor allem ein Problem des Landkreises – doch für die Stadt hat das die positive Auswirkung, dass der Landkreis in der Pflicht ist. „Das hat sich gut ergeben, der hat Bedarf und würde auch eine Förderung für einen Neubau bekommen“, sagte Loth. „Für die weiterführenden Schulen können wir nicht planen, aber es würde natürlich Sinn machen, eine neue Halle am Nachmittag auch durch die Vereine nutzen zu können.“

Landkreis:

Die Jahnhalle (Dreifachhalle) und nur noch eine Gymnasiums-Turnhalle – das ist zu wenig für Gymnasium und Realschule, und das hat der Landkreis auch schriftlich: Laut Regierung von Oberbayern beträgt der Bedarf für beide Schulen sechs Halleneinheiten, das heißt, selbst ohne die Statik-Probleme hätte der Landkreis tätig werden müssen. Deshalb wurden vergangenes Jahr im Kreistag nicht öffentlich die Weichen für die Planung gestellt. „Standorte weit weg von den Schulen fallen weg, das wäre mit dem Schulsport nicht vereinbar“, sagt Kreiskämmerer Norbert Merk. Nach längerer Untersuchung blieben zwei Möglichkeiten übrig: Der Maibaumpark rund 100 Meter Luftlinie entfernt oder das bestehende Gymnasiumsgelände. „Auf dem Maibaumpark würden wir eine Dreifachhalle unterbringen“, sagt Merk, auf dem Schulgelände dagegen nur drei einzelne Hallen bzw. eine einzelne und eine Zweifachhalle. „Für uns ist in erster Linie wichtig, was für die Schulen besser ist.“

Gymnasium Weilheim:

Gymnasiums-Leiterin Beate Sitek macht keinen Hehl daraus, dass die derzeitige Situation extrem unbefriedigend ist – vor allem für die Sportlehrer. Die müssen zum Teil mit ihren Schülern bis ins SOS-Kinderdorf marschieren, um die dortige Halle zu nutzen. „Deshalb brauchen wir dringend eine Lösung. Und ich sage aus rein schulischer Sicht, dass wir keine Dreifachhalle brauchen. Die ist für den Schulsport viel zu laut, da sind drei einzelne Hallen besser.“ Und ein Standort auf dem Schulgelände sei ebenfalls besser als am Maibaumpark, aus sicherheitstechnischen Gründen: „Die Schüler müssen an der Ampel am Amtsgericht vier Straßen überqueren, die Aufstellfläche ist viel zu klein. Für die regelmäßige Nutzung einer Halle auf dem Maibaumpark müsste man die Waisenhausstraße untertunneln“, sagt Sitek.

TSV Weilheim:

Diese ganzen Diskussionen und Argumente, die gegen eine Dreifachhalle sprechen, kennt natürlich auch TSV-Vorsitzender Dieter Pausch, und er könnte in die Luft gehen: „Wir brauchen dringend eine große Halle, kleine haben wir genug – da kann man keinen richtigen Wettkampf ausrichten“, sagt er. Nach den vielen Enttäuschungen der vergangenen Monate und Jahre hat er sich mittlerweile abgewohnt, sich etwas zu wünschen – „wir weisen nur darauf hin, dass die Stadtentwicklung mit der Sportstättenentwicklung nicht Schritt hält“. Als Anfang der 70er Jahre mit der Jahn- und Hardtschulhalle die beiden großen Hallen gebaut wurden, habe Weilheim noch mehr als 6000 Einwohner weniger gehabt. Und die Lage werde nicht besser: „Die obere Gymnasiums-Halle ist dauerhaft gesperrt, die untere beim Fall der ersten Schneeflocke, die Hardtschulhalle können wir wegen der offenen Ganztagsschule künftig auch weniger nutzen“, zählt er verzweifelt auf. Er hofft, dass es wenigstens eine Zweifachhalle gibt mit einer weiteren Halle obendrauf, solche Modelle gebe es. Denn drei Einzelhallen seien für den Vereinssport nutzlos.

Andere Schulen:

An der Hardtschule stehen tatsächlich ab September zwischen 14 und 16 Uhr weniger Hallenkapazitäten für den Vereinssport zur Verfügung, weil dort die offene Ganztagsschule startet – mit enormem Zulauf, wie Schulleiter Tobias Pupeter berichtet. Und Sport sei ein Teil des Konzepts. Noch sei die offizielle Genehmigung der Ganztagsschule durch das Ministeriums aber nicht eingetroffen, deshalb will Pupeter noch nicht viel sagen. Auch die Oberland-Schulen, die sich vom eigenen Turnhallenbau schon vor Jahren verabschiedet hatten, nutzen an drei Tagen kurz nach Mittag die Hardtschulhalle. Und was ist mit der Waldorf-Schule, die am Narbonner Ring 300 Meter entfernt eine neue Schule bauen will? Da ist eine Turnhalle geplant, die auch für Vereine zur Verfügung gestellt werden könnte. „Aber die geplante Zweifachhalle werden wir sicher noch nicht im ersten Bauabschnitt realisieren“, sagt die Vorsitzende Eva Seidel. Wenn die ersten Kinder dort vermutlich ab 2021 zur Schule gehen, werden sie die erste Zeit auch eine Turnhalle brauchen. „Wir werden beizeiten mit der Stadt darüber reden, wo wir hingehen. Aber die Hardtschulhalle liegt natürlich nahe“, sagte Seidel.

Der Kreistag

wird am Freitag erstmals öffentlich über die Turnhallen-Planung diskutieren, es werden Pläne für die beiden Standorte Maibaumpark und Schulgelände vorgestellt. Falls die Kreisräte zustimmen, sollen beide möglichen Standorte genauer untersucht werden. Die öffentliche Kreistagssitzung beginnt um 9.30 Uhr im Sitzungssaal Zugspitze, Stainhardtstraße.

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