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Eine Halbe Früchtetee war Django Asüls einziges Hilfsmittel beim Solo im Stadttheater.

Django Asül  in weilheim  

Nachfolger gesucht

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Kabarett allein genügt Django Asül nicht mehr. Im Stadttheater Weilheim dachte er  über Sinnstiftendes nach.

Weilheim – Django Asül hat offenbar genug verdient. Für den 600 PS starken „V8 Bi-Turbo“, von dem er gern erzählt, reicht es bei seiner Schlagzahl an Gastspielen, TV-Sendungen und Zeitungskolumnen schon lange. Nun denkt der 44- Jährige in seinem neuen Solo „Letzte Patrone“ über sinnstiftende Tätigkeiten und Frührente nach – und seufzt, dass es gar nicht leicht sei, „so ein Kabarettgeschäft zu übergeben“.

Überstunden spart er schon mal: Nach knapp zwei Stunden war sein Auftritt am Sonntag vor gut 200 Besuchern in Weilheims Stadttheater vorbei, Pause und Zugabe inclusive. Davor hat der Niederbayer aber keine Sekunde vertändelt. Zwischen Programmschluss und Zugabe etwa ließ er kaum Atem holen und blieb einfach auf der Bühne stehen: „Wenn ich sinnlos hin- und herlaufen wollte, hätte ich ja gestern gegen Schalke gespielt“, erklärte der Fußballfanatiker mit einer eleganten Spitze aufs schwache Spiel seiner Bayern am Vortag.

So lange er sein Geschäft noch betreibt, ist der Kabarettist top vorbereitet – und eröffnet sein Gastspiel mit hübschen lokalen Pointen. „Weilheim – das ist für uns Niederbayern wie Grünwald ohne Uschi Glas“, sagt der Satire-Promi und flunkert, dass er Auftritte in Weilheim stets für einen Urlaubstag vor Ort nutze: „Ich schau’ mir erstmal die herrliche Altstadt an. Das sind immer schöne 20 Sekunden.“

Und schon ist Stimmung für einen furiosen Monolog, in dem Asül an seiner Weltsicht teilhaben lässt – mit angenehm vernünftigen Gedanken, aber auch arg steilen Thesen zu den Themen der Zeit: zum „EU-Chaos“, zur Flüchtlingspolitik, zur allgemeinen Verunsicherung. Lauter sind die Lacher, wenn’s leichter wird, wenn sich der PS-Fan etwa vor „selbstfahrenden Elektroautos“ fürchtet: „Du denkst, du fährst zum Sport, dabei hat deine Frau am Handy rumgespielt, und jetzt geht’s zu den Schwiegereltern...“.

Und wem wird er nun sein „Kabarettgeschäft“ übergeben? Seine kleine Nichte ist Asüls Wunsch-Nachfolgerin, seit sie erklärt hat, warum sie auf einen Tisch spart, den sie ihrer Familie ins Wohnzimmer stellen will – um den Eltern endlich sagen zu können: „Solange ihr eure Füße unter meinen Tisch streckt...“ Solche Volten gefallen dem Django, der im Physikabitur einst 0 Punkte hatte, aber beim nächsten Wiedersehen mit dem Lehrer schon Eintritt von ihm kassierte. So genüsslich er diese Anekdote erzählt, spürt man, dass sich Asül doch noch sehr wohlfühlt auf der Bühne – und die Rente gewiss noch aufschiebt.

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