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Von Goethe bis zu Tom Waits reichte das Spektrum von Ferdinand Dörfler (r.) und Bernd Meyer. 

auftakt der reihe „heimkehrer“ in weilheim  

Dörflers Kraft der Schiffbrüchigen

Schauspieler Ferdinand Dörfler bot einen intensiven und gewitzten Lieder- und Gedichteabend im Stadttheater. Mit einem Repertpire von Goethe bis Tom Waits.

Weilheim – Die neue Reihe „Heimkehrer“ startete am Sonntagabend im Stadttheater. Sie gibt all jenen eine Bühne, die von Weilheim aus in die Welt gegangen sind und dort Bekanntheit erlangten. Was auch für Ferdinand Dörfler stimmt, denn obzwar Seeshaupter, drückte der Schauspieler doch einst in Weilheim die Schulbank.

Heimatduselig wurde der Abend kaum, denn die eingestreuten Pointen über die Jugendzeit waren kurz, knapp und frech. Gefühlsduselig wurde es hingegen schon, denn die Folge von Deklamationen und Gesängen zu verschiedenen „Schiffbrüchen“ des Lebens waren intensiv und mit Spielwitz dargeboten. Sie reichten vom Klassiker Goethe bis zum depressiven Liedermacher Tom Waits. Typen, die mit dem genormten Weg des Lebens konträr gehen: Die Glaubwürdigkeit für solche Gestalten strahlte Dörfler zweifelsfrei aus, auch bereits, als er Splitter über die Zeit am hiesigen Gymnasium einstreute. „Statt zum Weihnachtsgottesdienst zu gehen, haben wir unter dem Christbaum am Marienplatz versteckt gesessen und mit dem Esbit-Kocher Glühwein erhitzt“, erzählte er lächelnd. Umso beflissener habe er in der Schule seinem damaligen Französischlehrer gelauscht, der ihm die Liebe zum Chanson eingepflanzt habe.

Die französischen Lieder gehörten zu den intensivsten Momenten des Abends: Nach deutscher Einführung intonierte Dörfler mit treffender Sprache und viel Gefühl Chansons von Außenseitern („La mauvaise réputation“) oder vom Älterwerden eines Rebellen, der selber zum „Bourgeois“, zum „Spießer“ wird. Die verstreichende Zeit lässt Chancen vergehen, so zeigte es die sanfte Interpretation von Tom Waits’ „Hope I don’t fall in love with you“, begleitet von Bernd Meyer am Klavier. Der feinfühlige Pianist bot dazwischen auch eine sehr einnehmende Eigenkomposition.

Im Wechsel zu den Liedern deklamierte Dörfler Gedichte – auch hier mit wundervoll intensiver Stimme. Gelernt ist schließlich gelernt, denn als „Zettel“ stand er vor 30 Jahren schon im Stadttheater auf der Bühne, damals mit dem Theaterkurs der Schule. Nun donnerte er den starrsinnigen König in „Des Sängers Fluch“ oder schwoll zum Ritterstolz in „Der Handschuh“ – stets aus ganz leisen Passagen heraus, den Spannungsbogen bis zum Knistern gespannt.

Es nahm nicht wunder, dass Dörfler auch in der Mischung aus Gesang und Vortrag brillierte. Kaum schmelziger hätte Brechts Lied über den Niedergang der „Bilbao-Bar“ klappen können, kaum ironischer Friedrich Hollaenders makabres „Stroganoff“ – angereichert durch angedeutete russische Tänzchen. Der Jubel des Publikums war dem Endvierziger gewiss.

Und warum nun der Titel „Von Liebesrittern, Seeräubern & anderen Schiffbrüchigen“? Zunächst das Geständnis, ein Kumpel habe ihn einst scherzhaft mahnend belegt mit dem Ausspruch „Du bist ja auch so ein Liebesritter“. Und die Schiffe? Nun, er habe schon als Kind davon geträumt, ein Piratenschiff über den Starnberger See fahren zu lassen. „Und mit Starnberg haben wir Seeshaupter es ja nicht so…“, sagte er unter schallendem Gelächter aus dem randvollen Parkett: „Aber keine Sorge, mein Gewicht und das einer Kanone auf meinem Kajak, das lass ich mal lieber sein.“

Andreas Bretting

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