Stellten die Kriminalstatistik für den Landkreis Weilheim-Schongau vor: Polizeipräsident Robert Kopp und Landrätin Andrea Jochner-Weiß.
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Stellten die Kriminalstatistik vor: Polizeipräsident Robert Kopp und Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

„Ein sehr sicherer Landkreis“

Drei von vier Straftätern gefasst - Kriminalstatistik für den Landkreis Weilheim-Schongau vorgestellt

  • vonKatrin Kleinschmidt
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4542 Straftaten wurden 2020 im Landkreis Weilheim-Schongau begangen. Das zeigt die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Landkreis – Das Leben vieler Menschen hat sich in Zeiten der Corona-Pandemie verändert. Polizisten geht es da nicht anders. 2020 fielen viele Aufgaben weg: Keine Aufsicht bei Großveranstaltungen, keine Rundgänge auf Volksfesten, keine Einsätze im Nachtleben. Das Coronavirus hatte große Teile des öffentlichen Beisammenseins lahm gelegt. Zu tun gab’s trotzdem allerhand. Zwischen 31. März 2020 und 11. April 2021 fanden allein im Landkreis Weilheim-Schongau 53 000 Corona-bedingte Kontrollen statt. Da stutzte selbst Landrätin Andrea Jochner-Weiß, als Robert Kopp ihr diese Zahl vorlegte. „Ich musste mehrmals nachfragen“, berichtete sie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kopp, dem Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Der war nach Weilheim gekommen, um die Verkehrsbilanz (Bericht folgt) und die Kriminalstatistik 2020 für den Landkreis vorzustellen.

Der Blick auf die Zahlen fiel erneut zur Zufriedenheit aller Beteiligten aus. Weilheim-Schongau „ist ein sehr sicherer Landkreis“, sagte Kopp. Und Jochner-Weiß sprach wie im Vorjahr von einem „sicheren Pflaster“. Das unterstrich die Kriminalstatistik 2020 sogar noch mehr als 2019. Die Zahl der Straftaten ging zurück. 4542 waren es insgesamt – und damit 159 weniger als im Vorjahr.

Kriminalstatistik Weilheim-Schongau: Weniger Einbrüche und Diebstähle, mehr Sexualdelikte

Bei den Delikten gab es in vielen Bereichen einen Rückgang. „Das sind auch Verschiebungen durch Corona“, sagte Kopp. „Es gibt keine Ladendiebstähle, wenn die Geschäfte nicht auf haben.“ Somit wurden erstmals seit Einführung der Statistik im Landkreis weniger als 1000 Diebstähle in einem Jahr verzeichnet. Auch bei den Einbrüchen schrumpfte die Zahl der Vorfälle: von 30 auf 22. „Ist ja im Moment auch jeder dahoam“, kommentierte die Landrätin diese Zahl. Die Realität ist laut Kopp sogar noch positiver, als es die Statistik verrät: Denn bei den 22 Taten sind versuchte Einbrüche mit registriert. „Nur acht Mal ist es wirklich gelungen, einzubrechen und etwas zu entwenden“, sagte Kopp. „Das ist sehr erfreulich.“

Weniger schön lesen sich die Zahlen zu Sexualdelikten. 40,7 Prozent mehr wurden 2020 verzeichnet – insgesamt 121 Fälle. Einige davon gehen darauf zurück, dass sich die Rechtslage verändert hat – was früher noch als Beleidigung galt, ist heute teilweise eine Sexualstraftat. Einen deutlichen Zuwachs habe es aber bei Kinderpornografie gegeben: 2019 wurde noch 20 Fälle aufgedeckt, 2020 schon 56. Kopp erklärte das „mit der ständigen Verfügbarkeit des Internets und den vielen Handys“, durch die schnell ein Bild oder ein Video weitergeleitet werden kann.

In neun Fällen nahmen die Beamten 2020 zudem Anzeigen wegen Vergewaltigung, Missbrauchs oder sexueller Nötigung auf. Keiner der Täter blieb ungestraft: „Die Aufklärungsrate liegt hier bei 100 Prozent“, verkündete der Polizeipräsident.

Kriminalstatistik Weilheim-Schongau: Aufklärungsrate liegt bei 74,1 Prozent

Überhaupt haben es Straftäter im Landkreis anscheinend schwer, der Polizei zu entkommen. Die Aufklärungsrate lag 2020 bei 74,1 Prozent – drei von vier Kriminellen wurden also gefasst. Die Quote ist damit nicht nur im Landkreis gestiegen (2019: 69,9 Prozent), Sie sei auch im Vergleich mit dem restlichen Freistaat „ein absoluter Spitzenwert“ – in ganz Bayern werden etwa 68 Prozent aller Straftaten aufgeklärt.

Wir brauchen die Bürger und ihre Beobachtungen zur Aufklärung.

Robert Kopp, Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd

Dass im Landkreis die Aufklärungsquote so hoch ist, sei zum einen der guten Zusammenarbeit mit dem Landratsamt zu verdanken. Außerdem spricht die Statistik „für die professionelle Arbeit der Polizei und die Bürgernähe“, sagt Kopp. „Wir brauchen die Bürger und ihre Beobachtungen zur Aufklärung.“

Kriminalstatistik Weilheim-Schongau: 108 Versammlungen wurden betreut

Kopp gab allerdings auch zu, dass es „noch nie so schwer war, eine bürgernahe Polizei zu haben. Mit einem Teilbereich der Menschen ist die Kommunikation schwieriger geworden.“ Das zeige sich vor allem bei Corona-bedingten Einsätzen, die ja deutlich zugenommen haben. 108 Versammlungen betreuten die Polizisten 2020. Dass das Recht der Menschen beispielsweise auf Demonstrationen gewahrt wird, findet Kopp richtig und wichtig – aber es müsse mit Einhaltung der geltenden Regeln klappen. „Wir müssen potenzielle Infektionsketten abschneiden“. Jeder sollte „so wenig Risiko wie möglich“ eingehen.

Darauf wird auch auf Streife geachtet. Bei den 53 000 Kontrollen wurden 3468 Verstöße festgestellt. 2810 Personen zeigten die Beamten schließlich an. „Wir arbeiten mit Augenmaß“, sagte Kopp. „Aber auch mit der nötigen Konsequenz.“

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