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Haustrunk-Verladung bei der Weilheimer Brauerei „Dachsbräu“: Geschäftsführer Günter Klose (links) hilft Mitarbeiter Martin Fichtner. 

Drogenbeauftragte gegen Deputat

Der Haustrunk gehört bei Brauereien dazu

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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung  moniert den Haustrunk, den Brauerei-Mitarbeiter bekommen. Für „Dachsbräu“-Chef   Günter Klose ist das Unsinn.

Weilheim – Es ist eine lieb gewonnene Tradition im Brauereigewerbe: Das steuerfreie Deputat für Mitarbeiter, sprich: der Haustrunk. Immerhin 137 331 Hektoliter Bier gaben die deutschen Brauereien 2016 an ihre Mitarbeiter aus, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Tendenz sinkend. Trotzdem schlägt Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, jetzt Alarm. Alkohol als Lohn könne nicht sein, kritisiert sie – und fordert eine Kehrtwendung hin zum Euro als Zusatzlohn. Der Vorstoß aus Berlin stößt erwartungsgemäß in der Branche auf Widerstand. Auch in Weilheim: Günter Klose, Geschäftsführer des alteingesessenen „Dachsbräu“, ist komplett gegen einen Haustrunk-Stopp.

1879 wurde die Weilheimer Brauerei von Georg Dachs gegründet, das privat geführte „Dachsbräu“ ist mittlerweile die letzte ihrer Art im Altlandkreis. Der Haustrunk sei Tradition, sagt Geschäftsführer Günter Klose. Er lehnt den Vorstoß der Berliner Drogenbeauftragten deshalb rundweg ab. „Der Haustrunk steht dem Brauer zu.“ Klose kann die angestoßene Debatte überhaupt nicht verstehen. „Man haut auf das älteste Handwerk der Menschheitsgeschichte ein.“ Die Politik wolle alles verbieten, schimpft Klose, dabei sei der Bierkonsum seit Jahren rückläufig. Der Bayerische Brauerbund hat erst kürzlich Zahlen veröffentlicht: Der Bierabsatz der bayerischen Brauwirtschaft ging 2016 um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. 624 Brauereien zählt der Verband in Bayern, davon 132 in Oberbayern.

Beim „Dachs“ mit seinen neun Mitarbeitern gibt es laut Klose sieben bis acht Tragerl Deputat pro Person im Monat. Wer will, könne auch Nichtalkoholisches wie Limonade nehmen. „Wir zwingen keinen zum Bierkonsum.“ Trotzdem greife die Mehrzahl zum Gerstensaft. Allerdings ist der Haustrunk seit ungefähr zehn Jahren weniger geworden. Früher wurde das Doppelte ausgegeben, sagt Klose. Doch aus steuerlichen Gründen wurde die Monatsmenge verringert: Denn ab einer bestimmten Menge müssten die Mitarbeiter sonst das Gratisgetränk als geldwerten Vorteil zum Jahresende dem Fiskus melden.

Brauer Klose glaubt nicht, dass „der Aktionismus“ rund um den Bier-Lohn weiter groß auf der politischen Tagesordnung stehen wird. „Das gibt einen Aufstand“, ist er sicher, dass es Gegenwind geben wird. Er findet: „Die Politik sollte sich um wichtigere Sachen kümmern.“ Die Haustrunk-Debatte verwundert auch den Bayerischen Brauerbund in München. Geschäftsführer Walter König hält die Kritik am Bier-Lohn „für den falschen Ansatz“, um verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen. „Man kann nicht durch Verbote den Umgang mit Lebensmitteln regeln.“ Und überhaupt: Der Haustrunk sei nicht erst seit gestern im bayerischen Tarifvertrag (siehe Kasten) geregelt, macht König klar. Er erwartet auch nicht, dass sich die Tarifpartner – die Gewerkschaft „Nahrung-Genuss-Gaststätten“ und der Arbeitgeberverband der Bayerischen Ernährungswirtschaft – davon verabschieden: „Das steht nicht zur Debatte.“ Das kleine Weilheimer „Dachsbräu“ ist laut Geschäftsführer Klose zwar nicht im Tarifvertrag drin, aber man orientiere sich an den Abmachungen.

So manche Großbrauerei wirbt sogar öffentlich als Arbeitgeber mit dem Haustrunk. „Paulaner“ in München zum Beispiel: Es gebe ein monatliches Kontingent an Gratisgetränken mit bis zu 78 Gratis-Bierzeichen und 78 Kaufzeichen, heißt es auf der Homepage unter dem Titel „Attraktive Arbeitsbedingungen“.

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