Bundesweite Aktion

Illegale Pflegekräfte aus der Ukraine: Durchsuchung auch in Weilheim

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    vonBoris Forstner
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Bundesweite Groß-Razzia in der Pflege: Rund 1000 Einsatzkräfte von Bundespolizei und Zoll haben am Mittwoch in 13 Bundesländern insgesamt 130 Wohn- und Geschäftsräume sowie Steuerbüros von in der Pflegebranche tätigen Firmen und Privatpersonen durchsucht - auch in Weilheim.

Eine Pflegerin hält die Hand einer Seniorin. Bei einer bundesweiten Razzia waren jetzt illegale Pflegekräfte aus der Ukraine im Visier.
  • Bei einer bundesweiten Razzia wurde gegen illegale Pflegekräfte vorgegangen
  • Rund 1000 Einsatzkräfte waren im Einsatz
  • Auch in Weilheim wurden die Ermittler tätig

Weilheim – Gleich drei Mannschaftstransporter der Polizei entdeckte ein Leser gestern in Weilheim und schickte der Heimatzeitung ein kurzes Video davon – nach aufwändiger Recherche über Polizeiinspektion Weilheim, Bundespolizeidirektion München und schließlich der Bundespolizeidirektion im sächsischen Pirna stand fest: Da musste etwas Großes im Gange sein.

Am späten Nachmittag folgte schließlich die Bestätigung: Auf die Frage, ob der Polizeieinsatz in Weilheim etwas mit der bundesweiten Groß-Razzia zu tun hat, sagte Pirnas Bundespolizei-Sprecher: „Wir bestätigen eigentlich nur den Einsatz in den Bundesländern, zumal zahlreiche Aktionen noch laufen. Aber mit der Vermutung, dass Weilheim dazugehört, liegen Sie nicht falsch.“

Angebliche Touristen aus der Ukraine

Der Fall nahm vor drei Jahren seinen Anfang, hieß es. Damals ertappte die sächsische Polizei vermehrt Personen aus der Ukraine, die während ihres vermeintlich touristischen Aufenthaltes als Pfleger im häuslichen Bereich gearbeitet haben, obwohl sie gar keine Genehmigung hatten und auch nicht als Pflegekräfte ausgebildet waren. Damit stand nicht nur der Verdacht der Schwarzarbeit im Raum, sondern dass auch Sozialversicherungsbeiträge nicht ordentlich abgeführt wurden. Inzwischen wird in knapp 1400 Fällen vornehmlich gegen Frauen aus der Ukraine wegen illegalem Aufenthalt im Zusammenhang mit ihrer Arbeitsaufnahme in Deutschland ermittelt.

Drei Polen als Drahtzieher

Die Ermittler fanden heraus, dass das betreffende ukrainische Pflege- und Betreuungspersonal im Regelfall durch polnischen Firmen im Heimatland angeworben und dann in Deutschland weitervermittelt wurden. Die Organisatoren und Hauptbeschuldigten waren drei Polen, dazu kommen 71 Auftragsvermittler in Deutschland. Gegen sie wird wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern, illegaler Ausländerbeschäftigung in größerem Umfang sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt ermittelt in geschätzter Höhe von 14 Millionen Euro.

Es wurde umfangreiches Datenmaterial sichergestellt, unter anderem Datenträgern, Vertrags- und Personalunterlagen. Außerdem stellten die Beamten Schusswaffen, Munition, 60 000 Euro, weiteres Bargeld in verschiedenen Währungen sowie ein Kilo Gold sicher.

Lesen Sie auch: In Peiting wurde eine Pflegerin attackiert und die ambulante Pflege im Landkreis ist wegen Corona am Limit.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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