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Symbolfoto.

Wegen drei Straftaten vor Gericht

Ein Anwalt als Angeklagter

Wegen drei verschiedener Straftaten, die er laut Anklage im Straßenverkehr begangen haben soll, steht ein Weilheimer Anwalt derzeit vor dem hiesigen Amtsgericht. Die Tat, die am schwersten wiegt, ereignete sich am 27. Juni 2016 an einer Tankstelle in Weilheim.

Weilheim –  Laut Anklage fuhr der alkoholisierte Anwalt gegen 18 Uhr im Auto auf das Gelände der Tankstelle, wo gerade ein 56-jähriger Eberfinger auf dem Zebrastreifen in Richtung seines Fahrzeugs ging.

Der Anwalt übersah den Eberfinger, der sich zwischen dem Ausgang der Tankstelle und den Zapfsäulen befand und erfasste den Mann frontal mit seinem Auto. Der 56-Jährige wurde über die Motorhaube auf den Boden geschleudert. Gerade, als er sich aufgerappelt hatte, gab der Anwalt Gas. Der Eberfinger stemmte sich laut Anklage mit beiden Armen gegen das Auto und habe nur so verhindern können, dass er überfahren wird. Der Anwalt fuhr davon, ohne sich um den Verletzten zu kümmern.

Er sei sehr langsam gerollt, als er plötzlich eine Kollision gehört habe, schilderte der Angeklagte vor Gericht. Er sei „baff und überrascht“ gewesen. „Ich hab’ die Tür aufgemacht und gesagt: ,Passen’s halt mal a bisserl auf‘“. Bevor er zu der Tankstelle gefahren sei, habe er beim Stammtisch in einer Wirtschaft außerhalb Weilheims zwei bis drei Bier getrunken. Als Richterin Christiane Serini ihn fragte, wieso er mit drei Bier noch Auto gefahren sei, antwortete er: „Aus mangelnder Sorgfalt, aus Fahrlässigkeit.“

Die 19-jährige Tochter des Eberfingers sei aus dem Auto ausgestiegen, als sie einen lauten Schlag gehört habe, sagte sie bei ihrer Zeugenaussage. Sie zückte ihr Smartphone und fotografierte, zugleich eilte sie zum Auto des Anwalts, öffnete die Tür und wollte ihn zur Rede stellen. Daraufhin habe dieser die Fahrzeugtür zugehauen, sei davongefahren und habe ihren Vater fast ein zweites Mal umgefahren. Auf den Fotos der Tochter waren das Autokennzeichen und der Fahrer zu erkennen.

Warum er zweimal einen Menschen gefährdet habe, wollte die Richterin vom Angeklagten wissen. „Ich dachte, der Fall ist erledigt. Ich wollte weg, um mir Ärger zu ersparen“, antwortete dieser.

Die Polizei wurde alarmiert, wobei einem Beamten das Kennzeichen von einem anderen Unfall bekannt war. Er und ein Kollege machten sich auf die Suche nach dem Fahrzeug – und wurden vor einer Gaststätte in Weilheim fündig. Die Motorhaube habe leichte Dellen gehabt und sei noch warm gewesen, sagte der Polizist vor Gericht aus. Der Anwalt habe in der Gaststätte gesessen und ein Bier vor sich stehen gehabt.

„Zunächst hat er gesagt, er sei zu Fuß unterwegs“, so der Polizist. Er habe auf Nachfrage geantwortet, mit dem Vorfall an der Tankstelle nichts zu tun zu haben. Nach einigem Hin und Her habe er dann – wenn auch etwas wirr – einen Teil der Tat eingeräumt und sich schließlich auch zu einem Alkoholtest bereit erklärt. Als der Anwalt jedoch zur Blutentnahme auf die Wache mitgehen sollte, sei es wieder schwierig geworden, schilderte der Polizist. Erst, als eine zweite Streife kam und immer mehr Passanten aufmerksam wurden, sei der Anwalt ins Polizeiauto gestiegen. Die Blutentnahme ergab einen Alkoholwert von 0,82 Promille. Die Toxikologin kam in ihrem Gutachten zu dem Schluss, dass sich das Fahrverhalten durch den Alkohol erklären lasse. Sowohl das Umfahren des Mannes als auch das Fast-Umfahren anschließend könnten ihrer Ansicht nach Folgen des Alkoholkonsums gewesen sein.

Inzwischen wurde die Fahrerlaubnis des Weilheimers eingezogen. Per Strafbefehl wurde er wegen dieser und zweier weiterer Taten zu einer Geldstrafe verurteilt. Diesen akzeptierte der Anwalt nicht und es kam zur Gerichtsverhandlung. Dort räumte der Angeklagte ein, den Mann erfasst zu haben. Das sei aber nicht absichtlich passiert. Dem Unfallopfer hat es bei dem Zusammenstoß mit dem Auto das Becken verschoben, zudem hat der Eberfinger Beschwerden an der Wirbelsäule. Er war mehrere Wochen krankgeschrieben und muss vielleicht noch operiert werden.

Einer Postbotin, die der Anwalt laut Anklage im Februar 2016 mit seinem Auto touchierte, als diese mit dem Pedelec auf der Münchener Straße unterwegs war, wurde die Hand zwischen Autospiegel und Lenker eingeklemmt. Die Frau war eine Woche krankgeschrieben. Dass er zu knapp überholt habe, dass auch bei diesem Unfall Alkohol eine Rolle spielte sowie die Körperverletzung bestreitet der Anwalt. Auch den dritten Vorfall räumt er nicht ein: Ihm wird vorgeworfen, am 19. Mai 2016 beim Parken in eine Parklücke an der Bahnhofsallee an einem Auto einen Schaden in Höhe von rund 1800 Euro verursacht zu haben und anschließend davongefahren zu sein, ohne sich darum zu kümmern.

Bis heute hat sich der Angeklagte nicht entschuldigt. Vor Gericht deutete er vielmehr immer wieder an, dass der 56-Jährige nicht ausreichend auf den Verkehr geachtet habe. Die Postbotin habe er wegen Versicherungsbetrugs angezeigt, so der Anwalt.

Am Ende der fast vierstündigen, zeitweise hitzigen Verhandlung, bei der die Richterin den Angeklagten immer wieder dazu ermahnte, einfach auszusagen und nicht juristisch zu bewerten, stellte der Anwalt diverse Beweisanträge. Diese muss das Gericht nun prüfen. Das Verfahren dauert an.

Kathrin Hauser

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