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Ein Bildhauer und ein Maler designen Kunst aus Glas für das neue Weilheimer Berufsschulzentrum

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Von: Jennifer Battaglia

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Die Künstler Michael Jäger aus Köln (links) und Jo Schöpfer aus Berlin. An der gläsernen Außenwand der Berufsschule Weilheim kann man die von ihnen entworfenen farbigen Glasplatten und Glasschwerter erkennen.
Die Künstler Michael Jäger aus Köln (links) und Jo Schöpfer aus Berlin. An der gläsernen Außenwand der Berufsschule Weilheim kann man die von ihnen entworfenen farbigen Glasplatten und Glasschwerter erkennen. © ruder

Sie ist da, die Kunst am Bau in der neuen Weilheimer Berufsschule. Die Idee zu den farbigen Glasscheiben hatten ein Bildhauer und ein Maler. Beide Künstler reisten persönlich an, um ihr Werk zu begutachten, und zeigten sich begeistert.

Weilheim – Staunend stehen Jo Schöpfer und Michael Jäger im Eingangsbereich der Berufsschule. Sie haben ihre Handys gezückt und mustern die gläserne Nordfassade des neuen Gebäudekomplexes an der B 2. Beide machen Fotos von den Glasscheiben und vorgelagerten Glasbalken, die in Silbergelb, Purpur, Kobaltblau und anderen Farben erstrahlen. Sie schicken die Dateien an ihre Grafikerin Birgit Tümmers. „Dass die Farben eine solche Brillanz haben, überrascht mich“, sagt Schöpfer. „Es ist tatsächlich genau so geworden, wie wir es auch geplant hatten.“

Die Künstler kommen aus Berlin und Köln

Mit ihrem Entwurf waren die Künstler die Gewinner der Ausschreibung für die Kunst am Bau am neuen Berufsschulzentrum in Weilheim. Dieser Tage war es nun soweit: Das gläserne Kunstwerk wurde in die Glaswand der Schule eingesetzt. Die Künstler reisten dafür extra aus Berlin und Köln nach Bayern. Beide waren schon öfter in der Region: Schöpfer hat Bekannte am Ammersee, Jäger Familie in Benediktbeuern.

Über die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen und langjährigen Freund sagt Jäger: „Die Werke des anderen schätzen wir sehr und wir wollten längst gemeinsam etwas machen.“ Als Maler arbeite er zweidimensional, Schöpfer als Bildhauer hingegen dreidimensional. „Die Kombination unserer unterschiedlichen Sichtweisen war der Reiz und das Ziel.“

Und warum gerade das Material Glas? Laut dem Maler ist Glas eine Membran, die das Innere vom Äußeren zwar trennt, beide Bereiche aber dennoch verbindet. „Das Äußere sollte weiterhin erfahrbar bleiben“, so der Künstler. Durch die farblosen Scheiben kann der Betrachter in den Werkhof der Schule blicken und dabei auch den Himmel wahrnehmen. „Der gehört ebenfalls zum Kunstwerk“, ergänzt Jo Schöpfer. Umgekehrt funktioniere es genauso: Wenn sich die Lichtverhältnisse am Tag verändern, könne die Kunst von Außen eingesehen werden. Spiegelungen, die bei Glasflächen zwangsläufig auftreten, bringen nach Worten der Künstler Bewegung ins Spiel.

In den Motiven klingen die Ausbildungsrichtungen der Schule an

Die auf den farbigen Scheiben abgebildeten Motive sollen an die handwerklichen Berufe erinnern, die in der Schule gelehrt werden. In ihrem Alltag hatten sich die Künstler auf Motivsuche begeben und passende Objekte für die einzelnen Ausbildungsrichtungen ausfindig gemacht und fotografiert. Dazu gehörten zum Beispiel Heizungsrohre, die für den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik stehen sollen, oder aber Metallspäne, die bei Arbeiten im Metallbereich anfallen. Auch einen Brückenpfeiler kann man auf den farbigen Scheiben erkennen, ebenso wie Holzpaletten, einen alten Traktormotor oder aber ein Mauerwerk.

Die Glasscheiben wurden mittels Digitaldruckverfahren mit keramischen Schmelzfarben bedruckt und eingebrannt. Die verwendete Technik vereint Innovation und Tradition, da Glasschmelzfarben bereits vor über 1000 Jahren zum Einsatz kamen, der Digitaldruck ist im Gegensatz eine neue Erfindung.

Bis zu 160 Kilo wiegen die Glasscheiben pro Stück

1,25 mal 2,60 Meter sind die Fensterscheiben groß, circa 160 Kilogramm wiegt eine davon. Die kleineren Glasbalken, sogenannte „Glasschwerter“, sind leichter und haben je ein Gewicht von ungefähr 30 Kilo. Vier Tage dauerte die Montage des Kunstwerks, das von der Paderborner Firma Glasmalerei Peters Studio aus- und durchgeführt wurde. Beteiligt war daran auch die Firma Gruber aus Peiting, die mit einem Kran half, die Fensterscheiben in der Fassade auszutauschen. Die übrigegeblieben Scheiben machten sich dann auf den Weg zurück nach Paderborn und werden recycelt.

Hätte es die Corona-Pandemie nicht gegeben, würde das Kunstwerk anders aussehen. Durch die Einschränkungen konnten sich die Künstler hauptsächlich digital austauschen. Ihre Ideen schickten sie sich gegenseitig per E-Mails hin- und her oder beratschlagten sich gemeinsam in Online-Konferenzen. „Hätten wir gemeinsam an einem Tisch gesessen, wäre das Endergebnis sicher ein anderes geworden“, sagt Jo Schöpfer.

In diesem Jahr wird es eine offizielle Eröffnung des neuen Berufsschulzentrums geben. Zu der wollen auch die beiden Künstler wieder anreisen.

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