Ebenso geistreich wie vergnüglich ist die Komödie „La Mandragola“, mit der am Freitag Weilheims „Teatro Coronato“ neben der Hochlandhalle eröffnet wurde – hier (v.l.) Ruben Hagspiel, Werner Eggenhofer und Benjamin Hirt.
+
Ebenso geistreich wie vergnüglich ist die Komödie „La Mandragola“, mit der am Freitag Weilheims „Teatro Coronato“ neben der Hochlandhalle eröffnet wurde – hier (v.l.) Ruben Hagspiel, Werner Eggenhofer und Benjamin Hirt.

„Teatro Coronato“

Ein Festival-Auftakt nach Maß

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
    schließen

Weilheims Kultursommer ist eröffnet: Mit der furiosen Komödie „La Mandragola“ begann am Freitagabend die zweite Saison auf der kleinen, feinen Freilichtbühne an der Hochlandhalle. Noch sechsmal ist diese erste von vier Eigenproduktionen des „Teatro Coronato“ 2021 zu sehen. Und man sollte sie keinesfalls versäumen.

Weilheim – Der Himmel meint es offenbar gut mit Weilheims „Teatro Coronato“. Nach regengrauen Tagen riss er am Freitag gerade noch rechtzeitig auf, und der abendliche Saison-Auftakt konnte tatsächlich auf der Freilichtbühne neben der Großen Hochlandhalle stattfinden. Zwar sind die insgesamt 30 Vorstellungen der sieben verschiedenen Stücke, die bis Ende August gespielt werden (vier Eigenproduktionen, drei Gastspiele), „wetterfest“: Bei Regen geht’s einfach ins Stadttheater, wofür Bühnenbildner und Gesamt-Organisator Andreas Arneth sämtliche Kulissen doppelt baut. Aber mit all den Corona-Regeln – die für Kultur natürlich viel strenger gelten als etwa für Fußball – haben es die Besucher draußen dann doch etwas luftiger und leichter. Zudem hat Arneths engagiertes Team die Freilichtbühne so hübsch platziert und das Umfeld so liebevoll gestaltet, dass unbedingt auf viele gewitterfreie Abende zu hoffen ist.

Wenn dazu noch so locker-lustvoll gespielt wird wie bei der Premiere am Freitag, können auch die aktivsten Insekten (die Teatro-Website empfiehlt offiziell Mückenspray) nicht die Freude trüben. „La Mandragola“, eine zu Unrecht wenig bekannte Komödie des Florentiner Polit-Philosophen Machiavelli (1469-1527), ist ein echtes Vergnügen – sommerlich leicht und zugleich höchst geistreich.

Ohne Boulevard-Banalitäten

Die Story riecht nach Boulevard: Ein alter, ehrwürdiger Geizkragen und seine junge, reizende Frau haben das Problem, dass sie keine Kinder bekommen können, Kinderlose aber bald hohe Steuern treffen. Doch da wäre ein junger Edelmann, der scharf ist auf die Frau und sich als Lösung des Problems anbietet. Und dessen gewitzter Diener, der ein rasantes Lust-, Liebes- und Rollenspiel anzettelt, um diese Lösung Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Weg zum Happy-End ist in diesem Stück allerdings keineswegs mit Boulevard-Banalitäten gepflastert. Gepflegt und schön und kunstvoll, dabei nie künstlich ist die Sprache, mit der Machiavelli und sein Übersetzer verwöhnen. Insbesondere Diener Siro (Ruben Hagspiel), der schlaue Strippenzieher des Ganzen, ist nie um ein Bonmot verlegen – selbst wenn dem notorischen „nomadischen Windhund“ die Ehe droht: „Oh Gott, die bürgerliche Welt greift gnadenlos nach mir“, seufzt er ob der festen Erwartungen seiner jüngsten Liebschaft. Und weiß doch: „Die Möglichkeit, sie zu verlieren, bestürzt mich mehr als die Gefahr, sie zu behalten.“

Einfache Mittel, großartige Bilder

Hagspiel ist diese temperamentvolle Rolle geradezu auf den Leib geschneidert. Nicht minder glänzt Werner Eggenhofer als keineswegs tattriger Alter: Er war schon oft bei den „Weilheimer Festspielen“ zu erleben (auch 2002, als „Mandragola“ schon mal auf deren Spielplan stand) – und begeistert auch diesmal wieder mit feiner Mimik und angemessener Schlitzohrigkeit. Komplettiert wird das spielfreudige Ensemble durch Benjamin Hirt als liebestoller junger Edelmann, die in Polling aufgewachsene Katharina von Harsdorf als stets umworbene, doch lange tugendhafte Ehefrau sowie Natalie Seitz als köstlich vorlaute Zofe.

Yvonne Broschs klare, temporeiche Inszenierung schafft mit einfachen Mitteln großartige Bilder, die den Mitwirkenden perfektes Timing abverlangen. Vor allem aber lässt sie die wohlklingende Sprache wirken. So wurden die Besucher am ersten Festival-Wochenende ebenso gehaltvoll wie vergnüglich unterhalten. Rund 60 Zuschauer waren es zur Premiere, mehr Plätze gibt es nicht. Auch diese Intimität macht das „Teatro Coronato“ zum Ereignis –fast urban und doch familiär.

Weitere Vorstellungen

von „La Mandragola“ sind am 16., 17., 30. und 31. Juli sowie am 6. und 21. August, jeweils um 20.30 Uhr, auf der Freilichtbühne an der Großen Hochlandhalle (bei Regen im Stadttheater). Karten gibt es per E-Mail an info@stadttheater-weilheim.de oder unter Telefon 0152/565 70 359. Nähere Informationen, auch zum weiteren Programm: www.teatro-coronato.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare