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In seiner Freizeit schnitzt Pfarrer Engelbert gern mit der Motorsäge. Skulpturen von ihm stehen in einem Raum im Pfarrhaus, den er für Gebet und Meditation nutzt.

Das Porträt: Engelbert Birkle

Ein Pfarrer, mitten im modernen Leben

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Stadtpfarrer Engelbert Birkle ist  seit 2014  in Weilheim.  Er freut sich über die Kraft des kirchlichen Lebens in der Stadt.

Weilheim – Zu Pfarrer Engelbert Birkle (52) kommen immer wieder Menschen, die mit ihm über Lebens- und Glaubensfragen sprechen wollen. In Weilheim seien es besonders viele, sagt der Seelsorger: „So habe ich das noch nie erlebt.“ Mal geht es darum, ob ein Paar überhaupt kirchlich heiraten kann, mal um den Wiedereintritt in die Kirche. Und dann kann es sein, dass jemand nur über eine Kleinigkeit reden möchte (hinter der dann vielleicht doch etwas Größeres steht), wie der Pfarrer erzählt.

Birkle genießt es, dass die Menschen Kontakt zu ihm suchen: „Das ist wunderbar“, sagt er. „Ich glaube, da verdanke ich meinen Vorgängern viel.“ Von den Stadtpfarrern Anton Lieb, Hans Appel und Dr. Ulrich Lindl weiß Birkle, dass sie alle offen für Gespräche waren.

An einem Donnerstagvormittag im März dreht sich das Gespräch aber nicht um jemanden anderen – diesmal erzählt der Pfarrer aus seinem eigenen Leben. Entspannt sitzt er auf der Eckbank in seiner Wohnung im ersten Stock des Pfarrhauses an der Admiral-Hipper-Straße. Durch das große Fenster hinter ihm sind die gegenüberliegenden alten Fassaden zu sehen. Unten auf der Straße pulsiert das Leben. Oben im ersten Stock herrscht jedoch eine ruhige Atmosphäre. Man kann sich gut vorstellen, dass Birkle im Nachbarraum, der ebenfalls auf der Straßenseite liegt, Ruhe für Gebet und Meditation findet.

Gerade dieser Nachbarraum verrät einiges über den 52-Jährigen: So stehen dort Holzskulpturen, die Birkle selbst angefertigt hat. Das Schnitzen, und zwar mit der Motorsäge, hat für den Geistlichen einen besonderen Reiz – „Schwitzen, Dreck und Lärm“ gehören schließlich nicht zu seinem Alltag als Seelsorger. Über seine künstlerische Arbeit spricht Birkle nicht ohne Humor: „Manchmal kommt eine Skulptur raus, manchmal bleibt nur Brennholz übrig.“

Zum Schnitzen fährt der Leiter der katholischen Pfarreiengemeinschaft Weilheim in seine Heimat: auf den Bauernhof in Hiltenfingen (Lkr. Augsburg), auf dem er aufgewachsen ist und wo er heute noch Familie hat.

Obwohl Birkle mit dem Gymnasium St. Stephan in Augsburg eine von Benediktinern geführte Schule besuchte, war in dieser Zeit noch nicht klar, dass er Pfarrer werden würde. Fürs Abitur im Jahr 1984 suchte er sich die Fächer „Mathematik“, „Biologie“, „Wirtschaft“ und „Deutsch“ aus. „Da war noch nichts von Pfarrer am Horizont“, sagt er salopp. Selbst als er später als Wehrdienstleistender mit auf eine Wallfahrt nach Lourdes (Frankreich) ging, tat er dies, wie er offen zugibt, nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es Sonderurlaub gab.

Auch wenn sich Birkle die Wende in seinem Leben nicht mehr genau erklären kann – der Aufenthalt in Lourdes, wo sogar in der Zeit des Kalten Krieges Tausende Soldaten aus West und Ost gemeinsam Gottesdienst feierten, beeinflusste ihn auf jeden Fall. Es kamen bei ihm Fragen zu Kirche und Religion auf – darunter auch die grundsätzliche „Ist da ein Gott oder keiner?“.

Birkle entschloss sich schließlich, Theologie zu studieren, und ging auch ins Priesterseminar. Als Praktikant – bei einem Pfarrer und zweimal in einem Behindertenwerk – bekam er positive Rückmeldungen, wie er sagt. Das motivierte ihn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Er habe das Gefühl, anfangs in die theologische Laufbahn „ein bisschen reingerutscht“ zu sein, erklärt Birkle. Doch 1990 war es dann kein „Reinrutschen“ mehr, als er sich entschied, als katholischer Seelsorger dem Glauben zu dienen. 1990 wurde er zum Diakon, 1991 zum Priester geweiht. Nach Stationen als Kaplan in Augsburg und auf dem Lechfeld kam Birkle 1997 als Pfarrer nach Peißenberg.

Seine erste Pfarrstelle stellte ihn durchaus vor Herausforderungen, wie er sagt. Schon bevor er kam, sei das Leben in der Gemeinde nicht konfliktfrei gewesen. Dass er heute noch positive Rückmeldungen zu seiner Zeit in Peißenberg bekommt, freut ihn sichtlich.

In Peißenberg arbeitete Birkle bis 2008 eng mit Wolfgang Kretschmer zusammen, dem Pfarrer der damals zweiten katholischen Pfarrei am Ort. Mit Kretschmer teilte er sich später die Pfarrstelle in Neusäß (Lkr. Augsburg). Dort mussten fünf Pfarreien zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengeschlossen werden. „Das ist schon ein bescheidener Job“, sagt Birkle, schließlich müsse man in so einem Fall Menschen etwas wegnehmen.

Als er 2014 nach Weilheim kam, fand Birkle dort bereits eine Pfarreiengemeinschaft vor. Dass diese geografisch mit dem Stadtgebiet identisch ist, schätzt er. Es gebe ein gutes Miteinander von Kommune und Kirche. Und was gefällt dem Geistlichen an Weilheim noch? „Das kirchliche Leben hat noch andere Kraft als anderswo“, sagt Birkle, „auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt.“ Die Mischung der Altersgruppen im Gottesdienst sei gut. Kirchliche Veranstaltungen, wie die „Weilheimer Glaubensfragen“, seien gut besucht. „Das motiviert zu Neuem“, so der Pfarrer. Der Chef von allein etwa 30 festangestellten Mitarbeitern (ohne die in den Kindergärten) wird von einem Verwaltungsleiter unterstützt, hat aber in der Pfarreiengemeinschaft trotzdem viele verschiedene Aufgaben.

Erholung findet er auch beim Joggen – fast jeden Tag läuft er eine Stunde. „Das Oberland ist gesegnet mit schönen Wegen“, sagt Birkle. Nicht nur als Jogger, Smartphone-Besitzer und jüngst auch als Pfarrer beim Fernsehgottesdienst zeigt er, dass er Teil der modernen Welt ist.

Birkles Denken als Seelsorger wirkt ebenfalls modern. Obwohl sie „durch den Religionsunterricht gereicht“ wurden, hätten viele noch nicht erfahren, was Christsein eigentlich bedeuten kann, sagt Birkle. Er hält es für wichtig, auch diesen Menschen ein tieferes Eintauchen in den Glauben zu ermöglichen. Auch da kann sicher das eine oder andere persönliche Gespräch helfen.

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