Boris Netschajew hat zum November die Nachfolge von Bernd Schewe als Vize-Inspektionsleiter angetreten.
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Boris Netschajew hat zum November die Nachfolge von Bernd Schewe als Vize-Inspektionsleiter angetreten.

Schwieriger Start ins neue Amt

Ein Schiedsrichter als Vize-Polizeichef

  • Boris Forstner
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Die Polizeinspektion Weilheim hat einen neuen Vize-Leiter: Boris Netschajew hat die Aufgaben von Bernd Schewe übernommen, der Ende April in Ruhestand gegangen war. Netschajew ist in der Region kein Unbekannter – allerdings nicht als Polizist.

Weilheim – Der Vorgänger längst weg, dazu Chef Harald Bauer langfristig erkrankt – es gibt bessere Voraussetzungen, einen neuen Job anzutreten. Doch Netschajew sieht es gelassen: „Die Kollegen haben mich prima aufgenommen, und Thomas Stapf hat als Interims-Vize gut die Stellung gehalten.“ Er wird ihm auch weiterhin zur Seite stehen, bis Bauer wieder zurückkommt. Der hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, Netschajew wenigstens kurz persönlich Willkommen zu heißen. „Das hat mich sehr gefreut, denn tatsächlich haben wir uns bisher kaum gekannt“, sagt Netschajew.

Denn der 55-Jährige war meistens im Bereich Starnberg unterwegs. Dort fing er 1983 als „PP“ an, was damals für „Polizeipraktikant“ stand – „heute ist es die Abkürzung für Polizeipräsident“, witzelt Netschajew. Während seiner Zeit bei der Bereitschaftpolizei erlebte er die hitzigen Proteste um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf: „Als dort die Autos brannten, war ich dabei, da ging es richtig ab“, erinnert er sich.

Über Fürstenfeldbruck ging es wieder zurück zur Heimatinspektion nach Starnberg, wo Netschajew nach dem Aufstieg in den gehobenen Dienst wieder landete. Im November 2013 schließlich folgte der Wechsel zur Polizeiinspektion Dießen, als Vize-Leiter – wo er schnell seine Vorurteile gegen die oft belächelten kleinen Dienststellen los wurde: „Man hat dort vielleicht nicht die Vielzahl an Einsätzen, aber man muss alles selber machen. Und wenn mal zwei Einsätze parallel laufen, wird es schnell eng“, weiß er jetzt.

Jetzt in Weilheim ist wieder mehr Personal da. Die Kreisstadt ist für den Tutzinger kein Neuland, er hat schon mal zwölf Jahre dort gewohnt. Auch als Jugendfußballtrainer war er beim TSV tätig, auch in Peißenberg war er Herren-Trainer, außerdem hat er bis vor einigen Jahren noch regelmäßig als Schiedsrichter gepfiffen, ehe er kürzer getreten ist. Die prägendste Zeit war für ihn als A-Jugendtrainer in Starnberg, als die FT noch in der höchsten Nachwuchsliga spielten: „Da haben wir gegen den FC Bayern gespielt mit Gerd Müller als Trainer, und nach dem Bundesliga-Aufstieg von 1860 durften wir das Vorspiel im Olympiastadion bestreiten und haben 4:0 gewonnen“, erinnert sich Netschajew.

In zweiter Ehe mit einer Polizistin verheiratet, hat Netschajew – sein Vater war Russe, hat bei den Don-Kosaken gesungen und danach als Sprachlehrer bei der Bundeswehr in Feldafing gearbeitet – drei Söhne und ist auch schon Opa. Als Hobby hat er von Fußball aufs Radfahren umgesattelt. „Das wollte ich eigentlich nie. Aber nach dem Einsatz beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau bin ich mit meinen Kollegen in vier Tagen nach Italien geradelt. Das hat mir so gefallen, dass ich dabeigeblieben bin.“

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