Die Gedenkstelle am Ground Zero in New York erinnert heute an die Anschläge vom 11. September 2001.
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Die Gedenkstelle am Ground Zero in New York erinnert heute an die Anschläge vom 11. September 2001.

Bewohner des Landkreises erinnern sich

20 Jahre nach 9/11: Ein Tag, den keiner je vergisst

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  • Paul Hopp
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Nur wenige Ereignisse der Weltgeschichte haben sich derart ins kollektive Gedächtnis gebrannt wie die Anschläge vom 11. September 2001. Nahezu jeder kann sich noch genau daran erinnern, wie er die Ereignisse damals erlebt hat. Wir haben Bewohner des Landkreises Weilheim-Schongau danach befragt. Das sind ihre Geschichten.

Katrin Fügener

Katrin Fügener (64), Leiterin der Stadtbücherei Penzberg und freie Journalistin: „Den 11. September 2001 werde ich nie vergessen. Mein Mann war krankgeschrieben und schaute fern, ich habe gearbeitet. Plötzlich rief er mich. Als ich auf den Fernseher blickte, dachte ich, da läuft irgendein Horrorfilm. Es war die furchtbare Realität. Ich weiß noch, wie mein Mann zu mir sagte: ,Die armen Menschen – und ich sitze hier und mache mir Gedanken über meine Krankheit.’ Drei Monate später ist er gestorben. Seitdem denke ich jeden 11. September auch an diesen einen Satz. 20 Jahre sind eine lange Zeit, aber es ist immer noch heftig.“  set

Helmut Hornung

Helmut Hornung (62), Chefredakteur „Max-Planck-Forschung“ und Autor, Weilheim: „Meine Frau Margarita und ich erwarteten damals unser erstes Kind. Wir hatten am 11. September 2001 einen Termin in einer Spezialpraxis in München, um eine dunkle Struktur abklären zu lassen, welche die Weilheimer Frauenärztin beim Ultraschall neben dem Embryo entdeckt hatte. Als wir ins Wartezimmer kamen, zeigten sie dort im Fernsehen den ersten brennenden Twin Tower des World Trade Centers. Wir waren wegen der Untersuchung angespannt, und die schrecklichen Bilder verstärkten dieses Gefühl. Die Untersuchung begann. Wenig später erhielten wir die Diagnose: Der dunkle Schatten war glücklicherweise ein völlig harmloser ,Vanishing Twin’, was auf Deutsch ,Verschwundener Zwilling’ bedeutet. Während der Diagnose stürzte der ,Zwillingsturm’ ein. Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“  kh

Christine Hahn

Christine Hahn (56), führte mit ihrem Mann eine Fahrschule mit Filialen in Schongau, Altenstadt und Peiting: „Ich kann mich an den Tag noch genau erinnern: Es war der erste Schultag. Meine Tochter Julia ist damals in die vierte Klasse gekommen. Für mich als Mama war es sehr schwer zu übermitteln, was da passiert ist. Ich habe mich gefragt: ‚Was sag ich zu ihr?’ Ich verstehe bis heute nicht, dass ich an dem Tag nachmittags den Fernseher eingeschaltet habe. Normalerweise läuft er bei uns tagsüber nie. Das ist mir noch wochenlang nachgegangen.“  kuc

Gerhard Wagner

Gerhard Wagner (58), Ex-Soldat, Unternehmer und Fallschirmspringer, Schongau: „Ich kann mich erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Ich war an diesem Tag mit dem Mountainbike im Karwendel unterwegs. Um etwa 15 Uhr kam ich ins Tal und bin in eine Sportgaststätte rein. Dort ist der Fernseher gelaufen. Ich bin auf die Toilette und als ich zurückkam, ist genau der zweite Flieger in einen der Türme gerast. Das war ein Schock, so unrealistisch. Ich habe die Situation erst gar nicht begriffen und dachte, es läuft ein Science-Fiction-Film. Als ich daheim war, habe ich permanent die Nachrichten verfolgt. Als damals aktiver Soldat war mir bewusst: Das wird die Welt verändern. Und mir sind auch einzelne Tränen gekommen, als nach und nach bekannt wurde, wie viele Opfer der Anschlag kostete.“  ph

Stefan Scheckinger

Stefan Scheckinger (50), Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim: „Die Ereignisse vom 11. September 2001 habe ich zunächst einmal gar nicht so wahrgenommen. Ich war im Büro, und jemand hat im Vorbeigehen am Gang etwas darüber erzählt. Aber es gab ja keine Möglichkeit, sich etwa über einen Fernseher näher zu informieren. Wir haben alle weitergearbeitet. Das ganze Ausmaß ist mir erst abends bewusst geworden, als ich zuhause den Fernseher eingeschaltet habe und auf allen Kanälen nur noch Berichte über die Anschläge liefen. Ich war damals junger Referent in der Planungsabteilung der Autobahndirektion Südbayern in München, meine erste Stelle in der Staatsbauverwaltung.“  re

Andreas Auer

Andreas Auer (41), Geschäftsführer einer Unternehmensberatung, Peißenberg: „Ich war damals noch BWL-Student und habe auf der Baustelle meines Onkels geholfen. Im Radio hörten wir, dass ein Flugzeug ins World-Trade-Center gestürzt ist. Ich hab’ an eine kleine Sportmaschine gedacht und der Nachricht erst nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Erst zu Hause aus den Fernsehnachrichten wurde mir das Ausmaß bewusst. Ich habe die ganze Nacht vor dem Fernseher verbracht. Was war klar, dass das eine Zeitenwende geben würde – sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Die Themen ,Unsicherheit’ und ,Misstrauen’ stehen seitdem weiter oben auf der Tagesordnung.“  jep

Peter Hammer

Peter Hammer (68), Wirt der Musikkneipe „Waldstraße 4“ in Huglfing: „Ja klar weiß ich das noch. Ich war daheim und habe gekocht – irgendetwas mit Knödeln. Dann rief mich mein Sohn Michael aus München an und sagte mir, ich solle unbedingt den Fernseher einschalten, er wisse nicht ob das echt ist. Mir ging es genauso, ich konnte mir das einfach nicht vorstellen.“  jt

Katja Wippermann

Katja Wippermann (52), Leiterin der Volkshochschule in Penzberg: „Ich weiß noch ganz genau, was ich am 11. September 2001 gemacht habe: Wir waren im Familienurlaub in Holland. In einer Ferienwohnung am Meer. Warum wir an dem Tag überhaupt die Nachrichten eingeschaltet haben, weiß ich nicht mehr. Und dann saßen wir fassungslos vor dem Fernseher, während die beiden unsere beiden Kinder herumgesprungen sind. Sie waren da ja noch so klein. Das war alles total surreal.“  fn

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