Seine Tage sind gezählt: Im Juni wird der Oderdinger Maibaum entfernt.
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Seine Tage sind gezählt: Im Juni wird der Oderdinger Maibaum entfernt.

Klassisches Maibaumaufstellen muss ausfallen

Ein weiteres Jahr ohne Maibaum - und was das für die Vereine bedeutet

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Dieser 1. Mai wird anders als viele andere zuvor: Denn die Corona-bedingten Einschränkungen lassen zum zweiten Mal in Folge kein gemeinsames Anpacken und kein fröhliches Fest zu – also auch kein klassisches Maibaumaufstellen. Die Heimatzeitung hörte sich quer durch den Landkreis um, was das für die Vereine bedeutet.

Landkreis – Er liegt und liegt und liegt. Der Peitinger Maibaum wartet seit Monaten darauf, vor dem Gasthof Keppeler aufgestellt zu werden. Im vergangenen Jahr fiel das Fest zum 1. Mai Corona-bedingt ins Wasser. Und dem heurigen 1. Mai geht’s genauso. Die aktuellen Vorschriften lassen die gemeinsame Vorbereitung eines Baums und das Aufstellen mit zahlreichen Helfern nicht zu. Nirgends wird es an diesem Tag auf traditionellem Wege ein neues Stangerl geben.

Peitinger mussten Maibaum 2019 entfernen - 2020 kam Corona

Bitter für die Peitinger. Sie mussten 2019 ihren Baum entfernen, weil er tiefe Risse hatte. Für 2020 war alles vorbereitet: Das neue Exemplar lag bereits in einem Garten, geschützt von einem Dach. Dann kam die Pandemie. „Wir wissen noch nicht, was wir nun tun“, sagt Eric Bader, Vorsitzender des Trachtenvereins Alpenrose. „Wir warten ab, was in den nächsten Runden rauskommt“ – also, wie sich die Einschränkungen weiter entwickeln. Denn solange sich nur fünf Personen und zwei Haushalte treffen können, ist nicht an die Vorbereitungen und schon gar nicht ans Aufstellen zu denken. Ganz aufgegeben hat Bader die Hoffnung für dieses Jahr noch nicht. „Eventuell ist später im kleinen Rahmen etwas möglich.“

Maibaum in Oderding wird zum 1. Juni umgelegt

Auch die Oderdinger müssen sich weiter gedulden. Schon im vergangenen Jahr wäre bei ihnen ein neuer Baum fällig gewesen – „immer im Schaltjahr“, sagt Pollings Bürgermeister Martin Pape. Ein Gutachten bescheinigte dem Stangerl aber einen guten Zustand, sodass es stehen bleiben konnte. Heuer geht seine Zeit in der Senkrechten zu Ende: „Für Mai wird der Baum beflaggt, zum 1. Juni wird er umgelegt“, sagt Pape. Wann der Nachfolger kommt, ist unklar. „Schon das Herrichten geht ja mit den Corona-Vorschriften nicht“, sagt Pape. „Und wir werden den Baum auch nicht mit dem Autokran aufstellen, weil das die Tradition so nicht vorsieht.“

Trachtenverein Antdorf: „Wir hoffen auf nächstes Jahr“

Die Tradition ist auch in Antdorf ganz wichtig. Alle drei Jahre wird hier nicht nur ein Baum aufgestellt, da sind am Sonntag danach auch die Burschen und Madln beim Mailaufen im Einsatz. Die jungen Frauen erlaufen sich dabei über eine Wiese einen jungen Mann, mit dem sie den Rest des Tages verbringen. Eine Riesen-Gaudi. Zumal sie die Burschen bei der Auswahl nicht unterscheiden können, weil sie alle in Tracht gekleidet mit dem Rücken zu den Frauen sitzen. Eine Veranstaltung, die Corona-konform so gar nicht vorstellbar ist. Die aber in Antdorf einfach dazu gehört. „Wenn wir etwas machen, dann das komplette Programm“, sagt Andreas Huber, Vorsitzender des Trachtenvereins D’Waxnstoana. „Wir hoffen auf nächstes Jahr.“ Der derzeit stehende Baum wird demnächst überprüft. „Wenn wir ihn stehen lassen dürfen, bleibt er stehen. So ein ganzes Jahr ohne Baum ist ja auch nicht schön.“

In Bernbeuren musste der Maibaum im Herbst schon umgelegt werden

Davon können neben den Peitingern auch andere Gemeinden ein Lied singen. Der Maibaum in Bernbeuren musste im Herbst umgelegt werden, weil er bereits viereinhalb Jahre auf dem Buckel hatte. Für einen neuen sieht’s jetzt erst einmal „schlecht aus“, sagt Georg Hiltensberger, Vorsitzender von D’Auerbergler in Bernbeuren.

Halterung in Penzberg seit zwei Jahren leer: „Heuer wird das definitiv nichts“

In Penzberg ist die Halterung mittlerweile schon seit zwei Jahren leer, weil der Baum nicht mehr stabil war. Heuer wird es vor der Stadthalle auch keinen neuen geben. Zwar waren die Penzberger mal in die Planung eingestiegen, doch schon im Februar verwarfen sie den Gedanken an das Aufstellen und ein Fest. „Heuer wird das definitiv nichts“, sagt Maibaum-Chef Hardi Lenk. „Wir hoffen ganz schwer auf das nächste Jahr.“ Wie so viele.

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