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Einbrecher räumen bayerischen Juwelier leer - Treibt eine Bande ihr Unwesen?

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Von: Boris Forstner

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Alles leer: Ganze Arbeit haben die Einbrecher beim Goldschmied Perchermeier in der Weilheimer Innenstadt geleistet.
Alles leer: Ganze Arbeit haben die Einbrecher beim Goldschmied Perchermeier in der Weilheimer Innenstadt geleistet. © Boris Forstner

Schock beim Tradionsgeschäft Perchermeier in der Weilheimer Fußgängerzone: In der Nacht zum Samstag wurde in den Laden eingebrochen, der Schaden liegt im sechsstelligen Bereich.

Weilheim – Eine Schublade nach der anderen zieht Roswitha Rauh auf. Dort, wo normalerweise wertvolle Ringe und Uhren liegen, herrscht gähnende Leere. „Leer, leer, auch leer“, sagt die 69-jährige Adoptivtochter von Firmeninhaber Anton Perchermeier (80), der das Traditionsgeschäft, das 1904 von seinem Großvater gegründet wurde, 1978 übernommen hat. Die Täter haben ganze Arbeit geleistet. Auch die Schränke sind ausgeräumt, nur im Schaufenster sind noch einige Stücke zu sehen. „Da war auch alles weg, aber das haben wir notdürftig aufgefüllt. Es soll ja ordentlich ausschauen“, sagt Rauh.

Traditionsgeschäft Perchermeier in Weilheim: Einbrecher hinterlassen gähnende Leere

Als sie am Samstagfrüh zum Laden an der Schmiedstraße kam, hatte sie sich beim Blick ins Schaufenster erst geärgert, weil sie dachte, ihr Vater habe schon ohne sie zum Umdekorieren angefangen. „Aber als ich reinkam, hat eine Mitarbeiterin sofort gesagt: Einbruch, nichts anfassen“, sagt Rauh

Juwelier in Weilheim ausgeräumt: Täter gelangten über Innenhof ins Gebäude

Der oder die Täter sind über den Innenhof in den hinteren Teil des Gebäudes gelangt. Dort war ein Fenster der Goldschmiede brachial aufgehebelt worden. „Aber alles, was hinter dem Fenster stand, wurde sorgsam nach draußen gestellt – vermutlich, um keinen Lärm zu machen“, vermutet Rauh.

Die große Frage ist: Wie kamen sie in den Innenhof, der mit einer Zwei-Meter-Mauer vom Juwelier abgetrennt ist? Der einzige Zugang ist über eine Tür am Marienplatz neben dem Optikgeschäft, wo es unter anderem zu einer Anwaltskanzlei und einem Zahnarzt geht. Und diese Tür war aufgebrochen – allerdings von innen.

Deshalb Rauhs Vermutung: Die Täter ließen sich abends einsperren, versteckten sich einige Stunden und schritten dann zur Tat, ehe sie über die Tür wieder ins Freie gelangten. „Mittlerweile gibt es so hochauflösende Bilder von Google Maps im Internet, da muss man nicht ortskundig sein, um das zu sehen, wie es im Hinterhof ausschaut“, sagt Rauh.

Juwelier vermutet Profis als Täter - auch in Germering wurde eingebrochen

Für sie sind die Täter Profis gewesen. Denn die ausgestellten Trauringe haben sie dagelassen – „die wussten offenbar genau, dass das nur Dummies sind“, sagt Rauh. Kurioserweise haben sie auch 35 Euro Bargeld, das offen an einem Tisch in der Werkstatt lag, sowie Wechsel- und Kaffeekasse nicht angerührt.

„Die waren wirklich nur auf Schmuck und Uhren aus.“ Und ordentlich seien sie gewesen: Von jedem Stück Diebesgut hätten der oder die Täter die Verpackung abgemacht und zum Teil in den Papierkorb geworfen, so Rauh. Auch alle Schubladen waren durchwühlt, den Safe dagegen haben sie nicht angerührt – wohl wissend, dass sie da keine Chance haben. Dafür haben sie eine 4000-Euro-Uhr, die offen am Werkstatt-Tisch lag, übersehen.

Die Polizei, die den Fall am Samstag untersucht, bisher aber noch keine offizielle Pressemitteilung verschickt hat, hat den Tatort ausführlich untersucht. Rauh hat selbst recherchiert und entdeckt, dass am selben Abend auch in einen Juwelierladen in Germering eingebrochen worden war, ebenfalls über den rückwärtigen Bereich. Allerdings gingen die Täter dort innen brachialer vor – Vitrinen wurden zerschlagen, was ein Anwohner gegen 1 Uhr hörte und die Polizei alarmierte. Die kam aber zu spät.

Juwelier in Weilheim ausgeräumt: Auch Erinnerungsstücke von Kunden sind weg

Der Tatzeitpunkt in Weilheim ist unklar, auf Nachfrage geht das Polizeipräsidium Oberbayern Süd von 18.15 bis 9 Uhr aus. Eine Nachbarin will gegen 23.15 Uhr verdächtige Geräusche wahrgenommen haben. „Jeder, der in dem Zeitraum etwas Verdächtiges bemerkt hat, soll sich melden“, sagte ein Polizeisprecher.

Für Rauh und Perchermeier, die einige schlaflose Nächte hinter sich haben, bedeutet der Einbruch viel Arbeit. „Wir haben die vergangenen Tage Inventur gemacht, was für Ware alles da war“, sagt Rauh. Gestern war die Versicherung da, auch da ist noch längst nicht ausgemacht, wie viel und vor allem wann sie bezahlt. Das schlimmste aber, so Rauh, sei das: Sie zieht eine Schublade auf und zeigt auf ein ebenfalls leeres Fach. „Da waren die Kunden-Reparaturen, das ist auch alles weg. Da waren Erinnerungsstücke dabei, etwa Uhrenketten vom Uropa, die kann man nicht ersetzen.“ Da stehen noch schwierige Gespräche an.

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