„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden
Mit Schutzkleidung: Ein Arzt untersucht einen Corona-Patienten.
+
Mit Schutzkleidung: Ein Arzt untersucht einen Corona-Patienten. In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau gab es verhältnismäßig wenig Infektionen und Todesfälle.

Interview mit Martin Dotzer, Ärztlicher Leiter in der Führungsgruppe Katastrophenschutz

„Eine Pandemie spielt nach ganz anderen Regeln“

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ging im Kampf gegen Corona Ende März einen neuen Schritt: Man installierte einen ärztlichen Koordinator für alle Krankenhäuser und Reha-Kliniken im Rettungsdienstbereich Oberland. Martin Dotzer von der Unfallklinik Murnau hat seither auch die Fäden in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen in der Hand. Wir baten den 57-Jährigen um eine Bilanz.

Sie haben seit Ende März vorübergehend einen neuen Job. Welches Resümee ziehen Sie?

In den vergangenen zehn Wochen ist es uns gut gelungen, die Lage im Bereich des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland (ZRF) immer unter Kontrolle zu halten. Es war – besonders zu Beginn – eine herausfordernde Zeit, da keiner von uns bislang mit einer derartigen Pandemie konfrontiert war. Da hieß es schnell und besonnen zu reagieren, immer wieder nachzujustieren und alle denkbaren Szenarien im Auge zu behalten, um für den Fall einer Vielzahl von Patienten gerüstet zu sein.  Dass es in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau im Verhältnis zu anderen Regionen Oberbayerns relativ wenig Infektionen und Todesfälle gab, ist sicher auch dieser vorausschauenden Handlungsstrategie zu verdanken. Für mich war es insgesamt auch sehr hilfreich, mit Tobias Reploh und Michael Adamski zwei hochmotivierte und kompetente Kollegen in meinem Team als Ärztlicher Leiter Führungsgruppe Katastrophenschutz zu wissen.

Sie koordinieren Bettenkapazitäten und Patientenströme. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Der Kontakt zur Regierung und zu den Akut-Kliniken und Reha-Einrichtungen stand von Beginn an im Mittelpunkt – und steht es noch heute. Auch wenn der Katastrophenfall nun aufgehoben ist, ist die Gefahr ja noch nicht gebannt. Die Kliniken und Reha-Einrichtungen sind noch immer darauf vorbereitet, schnell und gezielt auf auftretende COVID-19-Infektionen zu reagieren. Aktuell stellt sich mir die Aufgabe, das Infektionsgeschehen in der Region genau zu beobachten, um sofort reagieren zu können, sollten die Fälle von COVID-19-Infektionen wieder ansteigen.

Mit welchen Schwierigkeiten waren Sie konfrontiert?

Die größte Schwierigkeit war tatsächlich die fehlende Erfahrung im Bereich Pandemie aller Beteiligten. Wir sind auf Großschadenslagen bestens vorbereitet, aber mit einer Pandemie waren wir alle eben noch nie konfrontiert und die spielt nach ganz anderen Regeln. Hier galt es für mich jeden Tag neu dazu zu lernen, die Strategien entsprechend anzupassen und immer den Gesamtüberblick über die Lage im Oberland zu haben, aber auch die Situation in den angrenzenden Landkreisen im Auge zu behalten. Das Virus hält sich ja schließlich nicht an Zuständigkeitsbereiche. Kooperation und Kommunikation waren daher in den vergangenen Wochen zwei sehr wichtige Instrumente, um die Lage so gut im Griff zu behalten, wie uns das hier ja gelungen ist.

Eine Herausforderung war zu Beginn auch der Mangel an Schutzkleidung und die häuserübergreifende Koordination von Pflegepersonal. Die Reha-Einrichtungen zum Beispiel haben in den vergangenen Wochen ja zum Teil COVID-Patienten aufgenommen, hatten aber dafür eigentlich kein geschultes Personal. Statt Therapeuten waren nun ausgebildete Pfleger gefragt. Diese mussten zum Teil aus anderen Kliniken organisiert werden, um die medizinische Versorgung der Patienten lückenlos auf höchstem Niveau halten zu können.  Auch die Quarantänepflicht für Patienten, die aus Pflegeeinrichtungen ins Krankenhaus gekommen sind, war besonders zu Beginn eine große Herausforderung. Dank der guten und äußerst kooperativen Zusammenarbeit aller Kliniken und Reha-Einrichtungen konnten wir aber auch diese Aufgabe gut meistern.

Martin Dotzer ist Ärztlicher Leiter in der Führungsgruppe Katastrophenschutz.

Die Zahl der Neuinfektionen ist zurückgegangen. Wie stellt sich die Situation in den Corona-Stationen in den Kliniken im Oberland zur Zeit dar?

Derzeit haben wir keine Akutfälle mehr in der Region und wir nähern uns langsam wieder dem Normalbetrieb in den Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen. Der Betrieb ist aber so geregelt, dass wir jederzeit wieder Kapazität für ein vermehrtes Auftreten von Neuinfektionen frei machen können.

Ist schon absehbar, wann Sie wieder Ihre Tätigkeit als Leitender Arzt in der Anästhesiologie der Unfallklinik Murnau aufnehmen können?

Ich habe auch in den vergangenen Wochen meine Position als Leitender Arzt an der BG-Unfallklinik ausgefüllt. Das war natürlich eine Doppelbelastung und nur möglich, weil die Geschäftsführung mir den Rücken an vielen Stellen frei gehalten hat. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken. Das ist nicht selbstverständlich. Der Dank gilt auch meinem Team in der Anästhesie. Die Kollegen haben großartig reagiert.

FRAGEN: ROLAND LORY

Lesen Sie auch:

Am Ammersee: Mysteriöser Kornkreis in Weizenfeld aufgetaucht - Bauer verzweifelt wegen Ansturm

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Corona: Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt wird aufgestockt
Um die Ausbreitung von Corona zu verhindern, ist es wichtig, die positiv Getesteten und diejenigen, mit denen sie Kontakt hatten, schnell zu finden und sie in der …
Corona: Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt wird aufgestockt
Baggerfahrer stößt auf Granate im Starnberger See - Update: Badebereich immer noch gesperrt
Alarm in Seeshaupt: An der Uferpromenade des Starnberger Sees wurde eine Phosphorgranate gefunden. Sie explodierte beim Kontakt mit einer Baggerschaufel. Update: Warum …
Baggerfahrer stößt auf Granate im Starnberger See - Update: Badebereich immer noch gesperrt
Weilheim: Widerstand gegen neue Gewerbeflächen bei Unterhausen
Rund 25 000 Quadratmeter zusätzliche Gewerbeflächen will die Stadt Weilheim nördlich des Gewerbegebietes Leprosenweg schaffen. Doch gegen das Ausmaß der Pläne regt sich …
Weilheim: Widerstand gegen neue Gewerbeflächen bei Unterhausen
Gemeindestadl in Iffeldorf statt Carnegie Hall in New York
In Iffeldorf waren fantastische Solisten und der Tölzer Knabenchor zu Gast. Ihre Aufführung von Orffs „Carmina Burana“ war umjubelt.
Gemeindestadl in Iffeldorf statt Carnegie Hall in New York

Kommentare