Rund 50 Zuschauer erlebten auf der Freilichtbühne des „Teatro Coronato“ am Freitag die Premiere des Ein-Frau-Stücks „Anna sagt was“ mit Astrid Martiny .
+
Theater in lauschiger Atmosphäre: Rund 50 Zuschauer erlebten auf der Freilichtbühne des „Teatro Coronato“ am Freitag die Premiere des Ein-Frau-Stücks „Anna sagt was“.

Premiere beim „Teatro Coronato" in Weilheim

Eine Souffleuse packt aus

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
    schließen

Großer Auftritt einer Frau, die sonst nur unter der Bühne sitzt und flüstert: Im Solo-Stück „Anna sagt was“ redet die Souffleuse Tacheles – was bestens ankam bei der Premiere auf Weilheims Freilichtbühne. Noch dreimal ist der furiose Monolog in den nächsten Wochen beim „Teatro Coronato“ zu erleben.

Weilheim – Sie kennt jeden Text, der auf der Bühne gesprochen wird. Sie liest ihn mit, spricht ihn mit, flüstert ihn dem Helden im Rampenlicht ein, wenn der nicht mehr weiter weiß. Nur für sich hat sie nie, nie, nie einen Text – die Souffleuse. Normalerweise. Aber heute platzt es aus ihr heraus. Heute wird nicht Dichterwort geflüstert, sondern Tacheles geredet: „Anna sagt was“ heißt es beim „Teatro Coronato“ neben der großen Hochlandhalle. Die erste Eigenproduktion der Weilheimer Festspielmacher Yvonne Brosch (Regie) und Andreas Arneth (Ausstattung) auf der sommerlichen Freilichtbühne stellt die Frau aus dem Theaterkeller in die Mitte der Bühne. In einem mitreißenden, gut einstündigen Monolog ätzt sich Anna (gespielt von Astrid Martiny) den Frust der Jahrzehnte im Schatten von der Seele, die Verletztheit der stets Übersehenen, deren Job ja darin besteht, möglichst nicht gebraucht zu werden. Und die doch stets weiß, was kommt und wie es weitergeht – und auch, was sonst so läuft auf und hinter der Bühne.

Sie hat schon so viele Intendanten, Regisseure, Schauspieler, Stars, Sternchen und Gescheiterte erlebt, dass sie ein Theaterstück schreiben könnte über das Theater: Über Zampanos, die göttergleich entscheiden, wer Mutter Courage und wer fünfter Zwerg ist. Über „alte Säcke“, die sich „Gretchen schwängern“ zum Hobby erkoren haben. Und über junge Mimen, die vielleicht alles Mögliche, nur nicht mehr anständig sprechen können... Die tragischsten Komödien spielen zwischen Casting und Probe, zwischen Theaterkantine und Garderobe. Und die Souffleuse hat sie alle schon tausendmal gesehen.

Furioser Auftritt in „Anna sagt was“: Astrid Martiny.

Ihre kleine Rache ist meist subtil, aber sehr effektiv: Sie kann den großen Selbstdarsteller für Sekundenewigkeiten im Texthänger hängen lassen. Oder gezielt vernehmbar in die ach so wichtige Sprechpause hineinsoufflieren, auf dass noch der letzte Zuschauer merke: Da kann wohl einer seinen Text nicht... Köstlich, wie Annas Wutrede zwischen Stolz und Selbstzweifel changiert. Nicht zufällig sterben Souffleusen fast immer an Schwindsucht, übertreibt Anna. Zieht ja dauernd so erbärmlich in ihrem Soufflierkäfig – oder es ist unerträglich heiß. Und natürlich nimmt auch noch der gesamte ungesunde Bühnennebel, der so in Mode gekommen ist, beim Abzug seinen Weg durch den kleinen Kasten der Souffleuse.

Viele Sätze in diesem 2007 uraufgeführten Ein-Frau-Stück von Peter Schanz sind kabarettreif, und doch ist „Anna sagt was“ nur halb leichter Sommerabend. Die andere Hälfte dieser vorgeblichen Komödie ist starker Tobak: Denn Annas eigenes Leben, von dem auch erzählt wird, war so sehr Tragödie, dass es als Theaterstück fast zu dick aufgetragen wirken würde. Darstellerin Astrid Martiny – die in Weilheim vor zwei Jahren schon in Moliéres Komödie „George Dandin“ zu sehen war – wird beiden Seiten aufs Eindrucksvollste gerecht: Bei der Premiere am Freitagabend war jedenfalls kein Hänger erkennbar, kein Souffleusen-Einsatz nötig. Dafür langer, verdienter Applaus von rund 50 Besuchern, die es genossen, Theater mal von der anderen Seite zu erleben.

Weitere Aufführungen

von „Anna sagt was“ sind am Sonntag, 9. August, am Sonntag, 16. August, und am Freitag, 4. September, um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne neben der großen Hochlandhalle (bei Regen in der Halle). Karten gibt es ausschließlich unter Telefon 0152-56 57 03 59 oder E-Mail info@stadttheater-weilheim.de. An der Abendkasse sind keine Karten erhältlich. Info (auch zum weiteren „Teatro Coronato“-Programm ): www.stadttheater-weilheim.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nur noch ein Sommer am Lieblingsplatz an der Ammer in Peißenberg
Nur noch ein Sommer am Lieblingsplatz an der Ammer in Peißenberg
Wilde Szenen auf der A95: Supersportwagen rast über Autobahn - Audi-Fahrer kann Unfall nur knapp verhindern
Wilde Szenen auf der A95: Supersportwagen rast über Autobahn - Audi-Fahrer kann Unfall nur knapp verhindern
Corona in Peißenberg: Realschule und TSV betroffen
Corona in Peißenberg: Realschule und TSV betroffen
Gegen jede oberirdische Umfahrung
Gegen jede oberirdische Umfahrung

Kommentare