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„Eines der wichtigsten Zukunftsprojekte“: Startschuss für Fernwärmenetz in Weilheim

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Von: Magnus Reitinger

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Auf diesem Grundstück am Kranlöchl entsteht die Biomasse-Heizzentrale für Weilheims erstes Fernwärmenetz. Rechts grenzt direkt der Stadtwald an.
Auf diesem Grundstück am Kranlöchl entsteht die Biomasse-Heizzentrale für Weilheims erstes Fernwärmenetz. Rechts grenzt direkt der Stadtwald an. © Stadtwerke/bo

Am Kranlöchl oberhalb des Dietlhofer Sees wird eine Biomasse-Heizzentrale gebaut. Die Stadtwerke wollen von dort aus den Nordosten Weilheims mit Fernwärme versorgen. Im Stadtrat war von „einem der wichtigsten Zukunftsprojekte für unsere Stadt“ die Rede. Aber es gab auch kritische Fragen.

Weilheim – Dass die Stadtwerke ein erstes Fernwärmenetz in Weilheim aufbauen wollen – wie es andere Landkreis-Kommunen, etwa Peißenberg und Penzberg, bereits seit Jahren betreiben –, das ist länger schon bekannt. Nun steht fest, wo die Energie dafür herkommen soll: Auf einem ehemaligen Gärtnereigelände am Kranlöchl 2, zwischen Tennishalle und Gut Dietlhofen gelegen, wird eine Biomasse-Heizzentrale errichtet. Der Stadtrat hat am Donnerstagabend mit großer Mehrheit die dafür nötige Flächennutzungsplan-Änderung und die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen – gegen die Stimmen von Romana Asam, Susann Enders (beide FW) und Ullrich Klinkicht („Weilheim Miteinander“).

In der Anlage werde vor allem Holz aus dem Stadtwald verheizt, erklärte Stadtwerke-Chef Peter Müller in der Stadtratssitzung. Auch regionaler Grünschnitt soll zur Grundlast beitragen. Als Redundanz und für die Spitzenlast werden Erdgas bzw. Biomethan eingesetzt, heißt es in einer Pressemitteilung des Kommunalunternehmens.

Heizenergie für Gebäude zwischen Narbonner Ring, Pütrich- und Krumpperstraße

Laut Müller wird die Heizzentrale Gebäude im Bereich zwischen Narbonner Ring, Pütrich- und Krumpperstraße mit Energie zum Heizen und für Warmwasser versorgen. Die „Wohnbau Weilheim“ sei mit ihren geplanten Neubauten an der Seitzstraße bereits im Boot. Allen weiteren potenziellen Nutzern im Bereich der Trasse – zu der auch ein Stich unter der B 2 zur Münchener Straße gehören soll – werde man die Fernwärme anbieten. „Geht alles nach Plan, könnten die ersten Häuser schon 2023 umweltfreundliche Fernwärme von uns beziehen“, so der Stadtwerke-Vorstand in der Presseerklärung. Die Leitungen bestehen übrigens aus Stahl, werden von einer Dämmung ummantelt und einer Kunststoffhülle geschützt.

Das Grundstück am Kranlöchl, das nun als „Sondergebiet Biomasse-Heizzentrale“ ausgewiesen wird, gehört mittlerweile der Stadt Weilheim. Man habe es ausgesucht, weil es schon bebaut und zugleich von weiterer Bebauung entfernt sei, erläuterte Müller im Stadtrat. Weil sie bausteinartig entstehe, könne die Anlage „mit den Abnehmern in der Stadt wachsen“: Man werde mit zwei Modulen beginnen, insgesamt wären auf der Fläche vier oder fünf möglich.

Abluft soll über den Stadtwald abziehen

Stadtratsmitglied Klaus Gast (CSU) sieht in der Anlage „eine gute Investition in die Zukunft der Stadt Weilheim“. Als „größtes Problem“ nannte er die Erschließung des „relativ abgelegenen“ Areals – was der Stadtwerke-Chef aber ganz anders sah: „Die Erschließung ist an dieser Stelle schon mehr als vorteilhaft“, sagte Müller mit Blick auch auf bereits vorhandene Anschlüsse. Die asphaltierte Straße vom Narbonner Ring her werde man für die nötigen Transporte „stark ertüchtigen“. Ob mit diesem Projekt eine „kleine Industrieanlage“ im Grünen drohe, wollte Klinkicht wissen. Müller versicherte, dass die Anlage dank des Hanggrundstücks „gut zu verstauen“ sei – und verwies auf Gegenden etwa im Allgäu, wo es „an jedem Ortsrand“ solche Heizzentralen gebe. Der Kamin werde so situiert, dass die Abluft bei Westwind, wie er in Weilheim vorherrscht, „über den Stadtwald abzieht“.

„Sind die Kosten für die Stadtwerke gedeckt?“, fragte FW-Vertreterin Asam und warnte, dass eventuelle Defizite „der Stadt Weilheim auf die Füße fallen“ würden. Müller erklärte, dass sämtliche Kosten, auch die der Straßenertüchtigung, auf die Kunden umgelegt würden: „Das ist ganz normal.“ Dennoch werde sich für die Fernwärme ein Preis „in akzeptabler Höhe“ ergeben, beteuerte der Stadtwerke-Vorstand: „bei der aktuellen Entwicklung des Gaspreises erst recht“.

Für Claus Reindl (BfW) ist das großteils mit nachwachsenden Rohstoffen betriebene Fernwärmenetz „eines der wichtigsten Zukunftsprojekte für unsere Stadt“ – und angesichts der Klimaziele „eine absolute Notwendigkeit“.

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