Eklat bei der Hegeschau.

Jagdbehörde will keine Kritik hören

Weilheim -  Die Untere Jagdbehörde wollte einen kritischen Vortrag nicht zulassen. Darum beendete der Kreisjagdverband den offiziellen Teil. 

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Florian Pfütze, hätte den Vortrag über das Vegetationsgutachten gerne als Bestandteil der Hegeschau gehabt, wie er den gut 200 Jägern in der Stadthalle sagte, es seien aber „einige dagegen gewesen“. Wobei er mit „einige“ vor allem Helmut Stork, Sachgebietsleiter des Ordnungsamtes des Landratsamtes, meinte. So schloss Pfütze abrupt die offizielle Hegeschau und kündigte an, dass eine interne Veranstaltung angeschlossen werde, in der der Vortrag zu hören sei. Fast alle Jäger und auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß blieben im Saal.

Von Setten, stellvertretender Vorsitzender des Freisinger Kreisverbands der Jäger, stellte das Vegetationsgutachten, auf dessen Grundlage die Abschusspläne festgelegt werden, in Frage. Es diene nicht der Sache, sondern werde „von gewissen Kreisen als Herrschaftsinstrument missbraucht“ und sei „ein Manipulationsbiotop“, so seine Kritik. Er begründete dies damit, dass die Auswahl der untersuchten Flächen willkürlich sei, was zu sehr unterschiedlichen Werten in einem Waldstück führen kann. Hinzu komme, dass der Verbiss an Seitentrieben mitgezählt werde, dieser den Baum aber nicht gefährde. Zudem würden die Schäden am Wald dem Rehwild angelastet, obwohl es auch andere Einflussfaktoren gebe, darunter Käfer, Biber und Mäuse. Auch das Klima spiele eine Rolle.

Von Stetten schlug vor, auch die Vegetationsdichte zu berücksichtigen und an immer denselben Stellen die Entwicklung des Waldes zu ermitteln.

Wie die Situation sich anhand des Vegetationsgutachtens im Landkreis darstellt, darüber hatte Helmut Stork zuvor im offiziellen Teil der Hegeschau berichtet. Es sei „Licht am Ende des Tunnels“ zu erkennen, was die Einhaltung der Abschussquoten anbelangt, sagte er. Die Situation habe sich verbessert, so der Leiter der Unteren Jagdbehörde, „aber wir sind noch nicht am Ziel“.

In sieben der zwölf Hegegemeinschaften müsse der Abschuss erhöht werden. In den Revieren sehe es sehr unterschiedlich aus – in 136 der 208 Reviere sei die Lage gut. In 55 Revieren gebe es erhebliche Probleme, auf die man nun „das Hauptaugenmerk richten“ müsse. Ein zunehmendes Problem macht laut Stork das Schwarzwild. 2015 hätten die Wildschweine um 59 Prozent gegenüber den Vorjahr zugelegt.

Markus Schmorell vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten warb bei den Jägern für den Umbau der Wälder. Da es aufgrund des Klimawandels wärmer und trockener werde, hätte die Fichte allein keine Zukunft, Tannen und Laubbäume seien jetzt vor allem gefragt.

Ehe Pfütze den offiziellen Teil der Hegeschau schloss, verteilte er noch Lob und Kritik. Lob gab es für den Jagdreport des Landratsamts. Dieser sei sehr hilfreich. Er sollte künftig wieder erscheinen, so sein Vorschlag.

Kritik gab es für Ökologen. „Liebe Ökomenschen, öffnet endlich die Augen“, so Pfütze zu den Problemen, die Biber und Wölfe für den Wald und das heimische Wild darstellen. Vieles, was „von einer Minderheit mit Einfluss gewünscht“ werde, sei „von der Mehrheit nicht gewollt.“

Warum die Untere Jagdbehörde am Landratsamt den Vortrag von von Stetten über das Vegetationsgutachten nicht zugelassen hat, erklärte Helmut Stork am gestrigen Montag auf telefonische Nachfrage so: Das Vegetationsgutachten sei als Grundlage für die Abschussplanung anerkannt. „Es ist daher aus unserer Sicht nicht förderlich, wenn die gegenteilige Meinung vertreten wird“, so Stork. Die Veranstaltung aufzuteilen sei eine Notlösung gewesen.

Alfred Schubert

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