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Eklat bei Querdenker-Demo: Ordner geht auf Friedensdemonstranten los - weil sie leiser sein sollen

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Von: Boris Forstner

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Der ehemalige Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk ist unter die Querdenker gegangen. Am Montag hielt er eine Rede bei derem „Spaziergang“.
Der ehemalige Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk ist unter die Querdenker gegangen. Am Montag hielt er eine Rede bei derem „Spaziergang“. © EMANUEL GRONAU

Ein Ordner der sogenannten Spaziergänger gegen die Corona-Maßnahmen in Weilheim wollte die Teilnehmer der angrenzenden Ukraine-Mahnwache zwingen, leiser zu sein.

Weilheim – Seit Monaten finden jeweils am Montagabend in der Weilheimer Innenstadt zwei Veranstaltungen statt: Auf der einen Seite die Corona-Gegner, die sich auf dem Marienplatz treffen; auf der anderen Seite die als Gegenmaßnahme zu den „Querdenkern“ entstandene Mahnwache „Weilheim für Frieden, Demokratie und Solidarität“. Deren Thema hatte sich zuletzt in Richtung Ukraine-Unterstützung gewandelt, die Teilnehmer trafen sich immer auf dem Kirchplatz – was zuletzt wegen der Lesepause nicht möglich war. Deshalb sind die Organisatoren auf den Reinhard-Schmid-Platz zwischen Stadtpfarrkirche und Stadtmuseum ausgewichen.

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Mit den Organisatoren der Anti-Corona-Demos gab es in den vergangenen Wochen keine Probleme, weil die sich meist nur kurzzeitig zwischen Mariensäule und Café Krönner aufhielten und sich dann zügig auf den Spaziergang durch Weilheim machten. Doch die Mahnwache-Teilnehmer wollten auch nach dem Ende der Lesepause auf dem Reinhard-Schmid-Platz bleiben – „wir hatten die regelmäßigen Teilnehmer gefragt, und die hatten das befürwortet, weil wir nicht so viele Teilnehmer sind und uns der kleine Platz dort gut gefällt“, sagt Mitorganisatorin Brigitte Gronau.

Querdenker-Demo eskaliert: Klinkicht sauer, weil Gegendemonstranten nicht weichen wollten

Nachdem die Corona-Gegner aber mit dem ehemaligen Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk für diesen Montagabend einen prominenten Redner gewinnen konnten (siehe Kasten), ging Organisator Ulrich Klinkicht auf seinen Stadtrats-Kollegen und Mahnwachen-Mitorganisator Alfred Honisch zu und bat ihn, die Veranstaltung doch wieder auf den Kirchplatz zurückzuverlegen. „Das hat er leider abgelehnt“, sagte Klinkicht.

Aggressiver Querdenker-Ordner beschimpft Andersdenkende

Deshalb kam es am Montag kurz nach 18.30 Uhr fast zu einem Eklat. Weil beide Seiten Redner mit Verstärker-Unterstützung hatten, machte sich ein sichtlich aggressiver Ordner der Corona-Spaziergänger auf zur Mahnwache und forderte in barschem Ton, sie sollten leiser sein. Der Mann habe sich auch mit einem Besucher angelegt, es sei fast zu Handgreiflichkeiten gekommen, sagt Honisch. Laut schreiend und gestikulierend sei der Ordner dann wieder gegangen, doch sein Gebrülle war über den ganzen Marienplatz zu hören. „Davon kann ich mich nur distanzieren“, sagt Klinkicht. Er habe erst im Nachhinein mitbekommen, was passiert sei, „das geht natürlich gar nicht“. Die betreffende Person habe sich selbst als Ordner angeboten, andere Teilnehmer hätten den Mann schließlich zurückgezogen.

Man versuche möglichst immer, Rücksicht zu nehmen, habe früher sogar die Route verändert, um mit den Trommeln die Mahnwache nicht zu stören. „Aber der kleine Platz zwischen Kirche und Museum wirkt wie ein Schalltrichter. Deshalb wäre es natürlich besser, wenn die Mahnwache wieder zurück auf den Kirchplatz geht, dann wären beide Veranstaltungen ungestört“, so Klinkicht.

Querdenker-Demo: Versuche zu vermitteln führten ins Leere

Als Vermittlerin versuchte sich schließlich noch die Wessobrunner Künstlerin Renata Hirtl. Sie hatte vorher bei Denk zugehört, war dann zur Mahnwache gekommen und fand es „unheimlich schade, dass nicht beide Seiten zusammenkommen, weil beides interessant ist“. Gleich mehrfach versuchte sie, Brücken zu bauen, doch das war nach dem aggressiven Auftritt des Ordners natürlich komplizierter als ohnehin. Man wolle nichts mit diesen Leuten zu tun haben, hieß es von mehreren der rund 30 Teilnehmern.

Auch Honisch tut sich da schwer: „Ich fand den Auftritt von Frau Hirtl sehr mutig, aber wie will man sich mit diesen Leuten austauschen?“ Man habe es mal beim Thema Ukraine-Krieg versucht, da habe es geheißen, man müsse eben mit Putin verhandeln – und das im Angesicht vieler Ukrainer, die am Mikrofon anschaulich schilderten, was in ihrer Heimat los ist. Und man habe das Gefühl, dass immer extra laut und viel getrommelt werde, wenn der „Spaziergänger“-Zug an ihnen vorbei gehe, hieß es von den Organisatoren.

Querdenker-Demo: Polizei war während des Eklats nicht mehr vor Ort

Angesichts des Eklats fand es Honisch schade, dass die Polizei nicht vor Ort war. Die sei da gewesen, hieß es auf Nachfrage bei der Polizeiinspektion Weilheim, aber nur, um die Teilnehmerzahl zu notieren. „Die klassische Demonstrations-Begleitung gibt es derzeit nicht mehr, aber wir werden natürlich beobachten, was sich dort tut“, sagte ein Polizeisprecher.

Und was sagt das Landratsamt – will sie beide Veranstaltungen auch künftig zur selben Zeit am nahezu selben Ort genehmigen? „Bislang kam es zu keinen Problemen zwischen beiden Versammlungen“, sagt Gerhard Kraus vom Ordnungsamt am Landratsamt.

Weil die Veranstaltung am Montag verstärkt beworben wurde, seien auch Teilnehmer „aus dem Raum Penzberg und Schongau“ angereist. Grundsätzlich spreche nichts gegen die räumliche Nähe zweier Versammlungen. „Jedoch darf der Ablauf der jeweiligen Versammlung nicht gestört werden. Aufgrund zugegangener Meldungen zum Versammlungsgeschehen am Montag wird die Versammlungsbehörde Maßnahmen ergreifen, damit ein störungsfreier Ablauf beider Versammlungen möglich ist“, kündigte Kraus an.

Redner auf Querdenker-Demo: Friedrich Denk ist jetzt auch ein „Corona-Rebell“

Als Deutschlehrer am Weilheimer Gymnasium hat Friedrich Denk die „Weilheimer Hefte zur Literatur“ mitbegründet, als „Rechtschreib-Rebell“ ist er in den 90er-Jahren bundesweit bekannt geworden, er kandidierte als Einzelkämpfer sogar mal für den Bundestag, wurde vielfach ausgezeichnet – jetzt hat er seinem illustren Lebenslauf ein weiteres Kapitel hinzugefügt: als Corona-Kritiker. Vor dem Montags-Spaziergang war Denk auf dem Weilheimer Marienplatz Gastredner und wurde von den rund 250 Besuchern gefeiert.

„Ich habe wieder etwas zu sagen“, sagte der 79-Jährige, mit weißem Sakko und Schiebermütze, kurz vor seiner Rede. Bereits die vergangenen Wochen war er zu den Weilheimer Montagsdemonstrationen gekommen, er will seinen Lebensmittelpunkt aus München, wo er seit einigen Jahren lebt, wieder in seine langjährige Heimatstadt verlegen – und zwar dauerhaft. „Ich habe mir hier schon eine Grabstelle besorgt“, sagte Denk schelmisch grinsend. Ernster wurde er, als er auf die private Situation angesprochen wurde. Offenbar gibt es mit einigen seiner drei Kinder kaum noch Kontakt, weil er sich nicht impfen lässt. Ein Konflikt, wie es ihn in einigen Familien gibt.

Redner Denk auf Querdenker-Demo: Masken als „Symbol für Gehorsam“

Bei seiner Rede stützt sich Denk, wie sollte es auch anders sein, auf Bücher. Sorgfältig in einem Regal neben sich aufgereiht, zieht er eines nach dem anderen heraus, liest Zitate vor und stellt danach „acht Fragen zu Corona“, in denen er brillant die Klaviatur der Corona-Leugner spielt. Da werden unter anderem Unternehmer Bill Gates und der Chef des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab zitiert, es wird abgestritten, dass Corona überhaupt eine Pandemie ist, dass es nur ums Geldmachen geht und die Bürger manipuliert werden. „Das Fernsehen soll aufhören, ein Propaganda-Medium zu sein“, forderte Denk unter dem Applaus der Besucher.

Natürlich schimpft er auch über die Masken „als Symbol für Gehorsam der Maßnahmen der Regierung gegenüber“ und lag damit genau auf der Wellenlänge von Organisator Ulrich Klinkicht, der in seiner kurzen Einführungsrede schon vor den nächsten Maßnahmen im Herbst gewarnt hatte.

Redner auf Querdenker-Demo: „Es sind nur die ohnehin besonders Sterblichen betroffen“

Denk ließ auch die angeblich ständig wachsende Zahl an Impf-Nebenwirkungen nicht unerwähnt und relativierte die Zahl der Corona-Todesfälle, die im Vergleich zu sonstigen Verstorbenen nur eine geringe Zahl ausmache: „Es sind nur die ohnehin besonders Sterblichen betroffen. Und deshalb werden wir alle zweieinhalb Jahre gepiesackt und zur Kasse gebeten und auseinanderdividiert“, sagte Denk, der zur Freiheit aufrief: „Keine Lockdowns, keine Schulschließungen, kein Maskenzwang, kein Testzwang und vor allem kein Impfzwang, mit dem die sogenannte Pandemie nur verlängert wird“, sagte er unter donnerndem Schlussapplaus.

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